Chiesa Santa Maria degli Angioli in Lugano
Schweiz

Kirchen und Oratorien zwischen Tessin und Misox: Ein Buch lädt zum Wandern ein

Fünfundzwanzig Kirchen, Oratorien und Bergkapellen – 23 im Tessin und zwei im Misox – sind ausschliesslich zu Fuss erreichbar. Sie werden im Buch «Zwischen Kirchen und Oratorien. Natur, Kultur und Spiritualität in der italienischen Schweiz» vorgestellt, das die Restauratorin Francesca Reichlin und der Fotoreporter Luca Bettosini jüngst bei Fontana Edizioni veröffentlicht haben.

catt.ch

Der Führer lädt dazu ein, sich auf die Spuren einer alten, bis heute lebendigen Frömmigkeit zu begeben. Die beiden Autoren haben die Stationen bewusst ausgewählt, «um auch abgelegenere und weniger bekannte Orte vorzustellen», erklärt Reichlin.

Zwei Perspektiven auf denselben Weg

«Die Idee entstand aus der Verbindung meiner Interessen mit jenen von Bettosini», erzählt die Restauratorin. Während ihn die alpine Kultur fasziniere, interessiere sie sich auch für den materiellen Zugang zu diesen Kunstwerken.

Bettosini ist gelernter Elektriker und wurde später Fotoreporter. 2002 gründete er den Verein «Vivere la Montagna» und die gleichnamige Zeitschrift, die er bis heute leitet. Seit über vierzig Jahren ist er auf den Gipfeln des Tessins unterwegs und hat seine Erfahrungen in mehreren Wanderführern festgehalten, von denen viele bei Fontana erschienen sind.

Von Fresken bis zur gelebten Frömmigkeit

Jede Station beginnt mit einer kunsthistorischen Betrachtung: jahrhundertealte Fresken, Gemälde und schlichte Bauten, die von den Gemeinschaften in den Tälern errichtet wurden. Das Buch geht jedoch über eine rein technische Beschreibung hinaus.

«Wir vermitteln auch Hintergründe, die helfen, die Spiritualität zu verstehen: von der Marienverehrung, die den Anstoss zum Bau zahlreicher Kapellen und Oratorien sowie zur Gründung von Klostergemeinschaften im Tessin gab, bis hin zu inspirierenden Erzählungen über grosse Unternehmungen», erläutert Reichlin.

Ein dichtes Netz heiliger Orte

Bei der Zusammenstellung der 25 Orte fiel zunächst vor allem ihre grosse Zahl auf. «Die Dichte religiöser Orte im Tessin und im Misox ist sehr hoch. Das war die erste und bedeutendste Erkenntnis», sagt die Autorin. Dahinter erkennt sie «eine starke und tief in der Bevölkerung unserer Region verwurzelte Frömmigkeit». Sie habe dazu geführt, dass entlang von Saumpfaden und auf Alpen zahlreiche Kapellen und Oratorien entstanden seien.

Zwischen Restaurierungsarbeiten und Pfarreileben

Einige der beschriebenen Bauwerke kannte Reichlin zunächst aus ihrer Arbeit als Restauratorin und erst später als Autorin. «Auf Baustellen ist es schon vorgekommen, dass ich meine Arbeit unterbrochen habe, um Platz für religiöse Feiern zu machen», erinnert sie sich. Abseits ihrer beruflichen Tätigkeit engagiert sie sich in der Pfarrei Barbengo. Dabei bleibt der professionelle Blick stets mit ihrer persönlichen Haltung verbunden: «Jedes Mal lasse ich mich von dem, was ich sehe, berühren – auch mit den Augen einer gläubigen Frau.»

Vielleicht sagt gerade dieses Detail am meisten über das Buch aus. Die beschriebenen Orte sind keine Museen in luftiger Höhe: Noch immer steigen Menschen zu ihnen hinauf, um eine Messe zu feiern. Und wer an diesem Tag gerade mit Restaurierungsarbeiten beschäftigt ist, legt die Werkzeuge beiseite und wartet. (Adaptiert von woz)

Anzeige ↓     Anzeige ↑

Francesca Reichlin, Luca Bettosini: «Tra chiese e oratori. Natura, cultura e spiritualità nella Svizzera italiana», Fontana Edizioni, Reihe Demetra, 2026, 324 Seiten, 39 Franken. Weitere Informationen: fontanaedizioni.ch


Chiesa Santa Maria degli Angioli in Lugano | © Jacqueline Straub
18. Oktober 2026 | 14:00
Lesezeit : ca. 2  Min.
Teilen Sie diesen Artikel!