Freitagsgebet in Schlieren ZH | © Sylvia Stam
Schweiz
Freitagsgebet in Schlieren ZH | © Sylvia Stam

Zürcher Muslime werfen Gerhard Pfister Oberflächlichkeit vor

Zürich, 21.12.17 (kath.ch) Die Vereinigung der islamischen Organisationen in Zürich (Vioz) wehrt sich gegen das Wertepapier der CVP, welches die «Sonntagszeitung» (17. Dezember) publik gemacht hat. Der Dachverband der Zürcher Muslime wirft CVP-Präsident Gerhard Pfister vor, an einer oberflächlichen Identitätspolitik festzuhalten, wie einer Medienmitteilung vom 20. Dezember zu entnehmen ist.

Die Vioz geht in ihrer Stellungnahme auf jede einzelne Forderung im Wertepapier der CVP ein. Dabei stützt sie sich auf den Wortlaut des Papiers, wie er in der «NZZ» (20. Dezember) publiziert wurde.

Die Vioz hält fest, dass sie sich bedingungslos für Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte ausspricht und sich «dezidiert in Wort und Tat für die Integration, den gesellschaftlichen Frieden und den interreligiösen Dialog» einsetzt.

Patriarchale Lesart

Den grössten Teil nimmt die Antwort der Vioz zu den Kleidervorschriften ein. Die CVP stellt sich in ihrem Thesenpapier, das bislang erst vom Präsidium abgesegnet, jedoch vom Parteivorstand noch nicht abschliessend behandelt wurde, «gegen Kleidervorschriften mit diskriminierendem Charakter», wie die «NZZ» festhielt. Kleidungsstücke, welche die Unterordnung der Frau unter den Mann symbolisierten, lehne die Partei ab.

Totalitäre Zustände

Dem Kopftuch einen diskriminierenden Charakter zuzusprechen, sei eine «patriarchal-bevormundende Lesart durch Pfister und das CVP-Komitee», so die Vioz. Das Kopftuch sei «die persönliche, individuelle Einhaltung eines Gebotes zwischen einem Menschen und Gott». Die Mehrheit der mündigen und selbstbewussten Musliminnen in der Schweiz würden sich in «liberal-demokratischer Freiheit für ein Kopftuch entscheiden».

Das Gebot gehöre theologisch betrachtet zu den religiösen Individualgeboten und sei Bestandteil der religiösen Praxis von Musliminnen und Muslimen. Die CVP strebe demgegenüber totalitäre Zustände an, indem Frauen vorgeschrieben werde, was sie zu tragen hätten und was nicht. Die Burkadebatte schlage in dieselbe Kerbe.

«Der Staat gibt keine Leitkultur vor.»

Die CVP will laut «Sonntagszeitung» die Respektierung der Prinzipien, auf welchen das gesellschaftliche Zusammenleben basiert, auch von Migranten einfordern. Dagegen wehrt sich die Vioz vehement: Es sei nicht Aufgabe des Staates, innere Haltungen vorzuschreiben. Den gemeinsamen Rahmen des Zusammenlebens bildeten die Gesetze.  «Der Staat gibt keine Leitkultur vor, denn seine Leitkultur ist die Rechtsordnung selbst.»

Der Forderung im CVP-Papier, Hassprediger nicht in die Schweiz einreisen zu lassen, hält die Vioz entgegen, dass auch sie sich gegen Gewaltextremisten einsetze, und zwar in Form von Workshops mit Jugendlichen zu diesem Thema sowie in finanziellen Beiträgen zur Extremismusprävention. «Wir würden uns freuen, wenn wir in diesem Kampf statt angefeindet zu werden Unterstützung erfahren würden.»

Insgesamt wirft die Vioz Pfister vor, er halte an einer «oberflächlichen und unkonstruktiven Identitätspolitik» fest. Er strebe offenbar eine öffentliche Profilierung an, indem er Repressionsmassnahmen gegenüber andersgläubigen Mitbürgerinnen und Mitbürgern fordere, was den Grundprinzipien des Rechtsstaates widerspreche.

Gerhard Pfister war bislang nicht für eine Stellungnahme erreichbar. (sys)


CVP-Papier sagt politischem Islam den Kampf an

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