Arnold Landtwing | © 2016 SRF/Merly Knörle
Schweiz
Arnold Landtwing | © 2016 SRF/Merly Knörle

«Wort zum Sonntag» zur Sonntagsruhe war keine Politpropaganda

Zürich, 12.1.18 (kath.ch) Der Ombudsmann der SRG Deutschschweiz, Roger Blum, hat eine Beschwerde gegen das «Wort zum Sonntag» zurückgewiesen. Der betroffene Theologe Arnold Landtwing nahm den Entscheid erfreut zur Kenntnis. In der Sendung vpm 21. Oktober hatte er zum Thema Sonntagsarbeit Stellung genommen und es aus biblischer Sicht beleuchtet.

Das wurde von zwei Beschwerdeführern nicht goutiert, die sich an die Ombudsstelle wandten. Sie sprachen von einer «rein politischen Meinungs- und Stimmungsmache unter falschem Deckmantel» und von «übelstem politisch/ideologischem Missbrauch einer Sendeplattform». Wohl in den allermeisten grösseren Städten dieser Welt gelten viel liberalere Ladenöffnungszeiten als in der Schweiz, hiess es in einer Beschwerde. Die kritisierte Sendung sei eine «Kampagne gegen liberalere Ladenöffnungszeiten».

Ein persönlicher Kommentar

Der Ombudsmann forderte die verantwortliche Redaktorin, Judith Hardegger, Redaktionsleiterin «Sternstunden» von Fernsehen SRF, auf, zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen. Das «Wort zum Sonntag» bilde einen festen Bestandteil des Programms des Schweizer Fernsehens, erklärte sie. Die Sendung verstehe sich ausdrücklich als «ein christlicher Kommentar zum Zeitgeschehen». Ein Kommentar zeichne sich dadurch aus, dass die Kommentatorin oder der Kommentator die «eigene Haltung und Meinung zu gesellschaftlichen Ereignissen und Debatten sichtbar machen soll und darf».

Weiter weist Hardegger darauf hin, dass dieses Sendegefäss, «ob mit erzählerischen oder argumentativen Mitteln», immer zu einer christlichen Aussage für die Gegenwart führe. Es handle sich zudem explizit um einen «persönlichen Kommentar». In der Sendung bezeichne Landtwing mehrmals seine Gedanken als seine Meinung. Er binde sich an keine politischen, parteipolitischen oder gewerkschaftlichen Interessengruppen.

Aktuelle Themen aus biblischer Sicht

Gemäss der TV-Verantwortlichen sind Veränderungen in Feiertagsregelungen und Arbeitszeitfragen «aktuelle gesellschaftliche Themen, die in einem ‘Wort zum Sonntag’ aufgegriffen werden können». Da aktuell weder Abstimmungen noch Unterschriftensammlungen zum Thema Sonntagsarbeit lanciert seien, «widerspricht dieser Meinungskommentar auch an keiner Stelle den publizistischen Leitlinien» der Sendeplattform, so Hardegger. Der Sprecher habe zudem seine Position aus der Bibel abgeleitet. Er habe aus der Sicht der Redaktion das ihm zugesprochene Mandat erfüllt. Der Ombudsmann folgte dieser Argumentation.

Überdurchschnittlich viele positive Reaktionen

Der unbegründet mit zwei Beschwerden eingedeckte «Wort zum Sonntag»-Sprecher stellte gegenüber kath.ch fest: «Auf den Kommentar zur ‘Sonntagsruhe’ sind gleich zwei Beschwerden eingegangen. Dies bestätigt, dass das Wort zum Sonntag durchaus als ernsthafte Stimme wahrgenommen wird. SRF-Ombudsmann Roger Blum hat beide Beschwerden in allen Punkten als unbegründet abgewiesen. Dies nehme ich erfreut zur Kenntnis, denn es bestätigt, dass ich journalistisch sauber gearbeitet und auch die publizistischen Leitlinien von SRF eingehalten habe. «

Auf den Beitrag «Sonntagsruhe» seien markant mehr Reaktionen als nach einem durchschnittlichen Wort zum Sonntag eingegangen, alle zustimmend und positiv. Besonders in Erinnerung bleibe ihm «die ermutigende, persönliche Rückmeldung eines Verantwortlichen aus der Wirtschaft». Von den beiden Beschwerdeführern habe keiner den direkten Kontakt und Dialog mit ihm gesucht, sondern sich für den direkten Weg einer Beschwerde entschieden. Das sei ihr gutes Recht.

«3000 Jahre alte Burnoutprophylaxe»

Die umfangreichen Abklärungen SRF-intern sowie die ausführlichen Antworten der Redaktionsleiterin «zeugten von bestem Service public» und würden «erst noch einen Mehrwert mit einer kleinen Weiterbildung zum Thema Meinung im Journalismus» darstellen.

Landtwing betonte gegenüber kath.ch weiter, dass er als Theologe diesen Kommentar aus christlicher Sicht privat äussere «und nicht als Informationsbeauftragter des Generalvikariats» in Zürich. In der Themensetzung sei er völlig frei wie auch bei der Gestaltung des Inhalts. Der Generalvikar schreibe ihm nichts vor. Landtwing warb noch einmal für den Sonntag als Ruhetag: «Das ist 3000 Jahre alte Burnoutprophylaxe!» (gs)

Fernsehstudio in Zürich | © SRF/Oscar Alessio
Fernsehstudio in Zürich | © SRF/Oscar Alessio
Mikrofon im Radiostudio | © SRF Media Relations
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