Vreni Peterer auf einem Podium der Paulus-Akademie in Zürich über die Ergebnisse der Pilotstudie zu sexuellem Missbrauch im kirchlichen Umfeld
Schweiz

Wird die Missbrauchsbetroffene Vreni Peterer «Appenzellerin des Jahres 2023»? 

Die «Appenzeller Zeitung» schlägt fünf Personen als mögliche Appenzellerin oder Appenzeller des Jahres vor: eine Ski-Juniorenmeisterin, einen Starkoch, einen Investor, einen Stiftungspräsidenten – und Vreni Peterer, die Präsidentin IG Missbrauchsbetroffene im kirchlichen Umfeld.

Regula Pfeifer

Vreni Peterer war in den letzten Monaten das öffentliche Gesicht für die vielen Opfer von Missbrauch in der katholischen Kirche der Schweiz. Sie stand hin, um den Menschen innerhalb und ausserhalb der Kirche das unsägliche Leid zu beschreiben, das Menschen durch Missbrauch in der Kirche erlitten haben – und womöglich noch erleiden.

Vreni Peterer und Co-Studienleiterin Marietta Meier an der Pressekonferenz zum Start der Missbrauchsstudie am 4. April 2022.
Vreni Peterer und Co-Studienleiterin Marietta Meier an der Pressekonferenz zum Start der Missbrauchsstudie am 4. April 2022.

Auch bei der Pressekonferenz zur Pilotstudie zum Missbrauch im Umfeld der Kirche – am 12. September an der Universität Zürich, sprach sie vor anwesenden Medienvertreterinnen und -vertretern.

Als Kind vom Pfarrer vergewaltigt

Vreni Peterer weiss, wovon sie spricht. Ab dem Alter von zehn Jahren wurde sie von einem katholischen Pfarrer missbraucht und vergewaltigt – und zwar wiederholt, bis zu ihrem Wechsel an die Sekundarschule.

Die Übergriffe geschahen während des Religionsunterrichts, aber auch in einem Wald, wie sie im November 2021 kath.ch gegenüber erzählte. Der Pfarrer habe ihr eingeschärft, darüber zu schweigen. Sonst komme sie in die Hölle.

Zeichnend hat Vreni Peterer den Missbrauch verarbeitet.
Zeichnend hat Vreni Peterer den Missbrauch verarbeitet.

Trauma kam in Therapie zutage

Mit 44 Jahren hatte Vreni Peterer einen psychischen Zusammenbruch. In der Therapie kam die Traumatisierung durch den erlittenen Missbrauch zutage. Die Katholikin, die sich in der Kirche engagierte, wandte sich auch an Ansprechpersonen für Missbrauch in der Kirche. Und sie war Mitbegründerin der Selbsthilfeorganisation IG Missbrauchsbetroffene im kirchlichen Umfeld (MikU), die sie seit Anfang Februar präsidiert.

Die IG MikU fordert, dass die Kirche als Organisation Verantwortung für die Missbrauchsfälle übernehmen muss und die Taten nicht einfach als persönliche Verfehlungen einzelner Mitarbeitenden darstellen kann.

Nun ist Vreni Peterer nominiert für die Auszeichnung «Appenzellerin des Jahres 2023». Ob sie das wird?

Wahlbeteiligung: Gewählten Namen einsenden an: «Appenzeller Zeitung», Stichwort «Appenzeller des Jahres 2023», Fürstenlandstrasse 122, Postfach, 9001 St. Gallen. Einsendeschluss: 27. Dezember.


Vreni Peterer auf einem Podium der Paulus-Akademie in Zürich über die Ergebnisse der Pilotstudie zu sexuellem Missbrauch im kirchlichen Umfeld | © Paulus-Akademie
16. Dezember 2023 | 17:15
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