Wird die Missbrauchsbetroffene Vreni Peterer «Appenzellerin des Jahres 2023»?
Die «Appenzeller Zeitung» schlägt fünf Personen als mögliche Appenzellerin oder Appenzeller des Jahres vor: eine Ski-Juniorenmeisterin, einen Starkoch, einen Investor, einen Stiftungspräsidenten – und Vreni Peterer, die Präsidentin IG Missbrauchsbetroffene im kirchlichen Umfeld.
Regula Pfeifer
Vreni Peterer war in den letzten Monaten das öffentliche Gesicht für die vielen Opfer von Missbrauch in der katholischen Kirche der Schweiz. Sie stand hin, um den Menschen innerhalb und ausserhalb der Kirche das unsägliche Leid zu beschreiben, das Menschen durch Missbrauch in der Kirche erlitten haben – und womöglich noch erleiden.
Auch bei der Pressekonferenz zur Pilotstudie zum Missbrauch im Umfeld der Kirche – am 12. September an der Universität Zürich, sprach sie vor anwesenden Medienvertreterinnen und -vertretern.
Als Kind vom Pfarrer vergewaltigt
Vreni Peterer weiss, wovon sie spricht. Ab dem Alter von zehn Jahren wurde sie von einem katholischen Pfarrer missbraucht und vergewaltigt – und zwar wiederholt, bis zu ihrem Wechsel an die Sekundarschule.
Die Übergriffe geschahen während des Religionsunterrichts, aber auch in einem Wald, wie sie im November 2021 kath.ch gegenüber erzählte. Der Pfarrer habe ihr eingeschärft, darüber zu schweigen. Sonst komme sie in die Hölle.
Trauma kam in Therapie zutage
Mit 44 Jahren hatte Vreni Peterer einen psychischen Zusammenbruch. In der Therapie kam die Traumatisierung durch den erlittenen Missbrauch zutage. Die Katholikin, die sich in der Kirche engagierte, wandte sich auch an Ansprechpersonen für Missbrauch in der Kirche. Und sie war Mitbegründerin der Selbsthilfeorganisation IG Missbrauchsbetroffene im kirchlichen Umfeld (MikU), die sie seit Anfang Februar präsidiert.
Die IG MikU fordert, dass die Kirche als Organisation Verantwortung für die Missbrauchsfälle übernehmen muss und die Taten nicht einfach als persönliche Verfehlungen einzelner Mitarbeitenden darstellen kann.
Nun ist Vreni Peterer nominiert für die Auszeichnung «Appenzellerin des Jahres 2023». Ob sie das wird?
Wahlbeteiligung: Gewählten Namen einsenden an: «Appenzeller Zeitung», Stichwort «Appenzeller des Jahres 2023», Fürstenlandstrasse 122, Postfach, 9001 St. Gallen. Einsendeschluss: 27. Dezember.
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