Martin Luther in einem Porträt von Lucas Cranach dem Jüngeren.
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Willkommen auf der «Piazza Martin Lutero»! – Rom erhält einen Martin-Luther-Platz

Rom, 15.9.15 (kath.ch) Zwei Jahre vor dem Reformationsjubiläum entdeckt auch die Stadt Rom Martin Luther: Im Zentrum der katholischen Christenheit gibt es künftig einen Martin-Luther-Platz. Am Mittwoch, 16. September, tauft Bürgermeister Ignazio Marino nicht weit vom Kolosseum einen Platz auf den Reformator aus Wittenberg: «Piazza Martin Lutero» heisst der Flecken Erde auf dem Hügel Oppio fortan. Er erhebt sich über den antiken Ruinen von Thermen der römischen Kaiser Titus und Trajan fortan.

Thomas Jansen

Damit greift die Stadt Rom eine Anregung der evangelisch-lutherischen Gemeinde Roms auf. Sie hatte dem Stadtrat vor fünf Jahren vorgeschlagen, einen Platz oder eine Strasse nach Martin Luther zu benennen. Der Pfarrer der Gemeinde, Jens-Martin Kruse, wertet die Entscheidung denn auch als «Beitrag zur Ökumene in Rom». Er sei in Zeichen dafür, «dass wir als Minderheitenkirche in Rom willkommen sind», sagte Kruse jüngst der «FAZ».
Dass es fünf Jahre gedauert hat, bis sich die Stadt zu einer solchen Würdigung des Reformators entschied, hat nach seiner Einschätzung nichts mit antievangelischen Ressentiments zu tun. Der Stadtrat habe sich für das Thema schlichtweg lange nicht interessiert.

Der falsche Platz?

Ob Luther selbst während seines Rom-Aufenthalt je auf dem Platz war, der nun nach ihm benannt wird, lässt sich freilich nicht mehr feststellen. Die evangelisch-lutherische Gemeinde hätte jedenfalls lieber einen anderen Ort nach Luther benannt: die Treppe neben der Basilica Santa Maria del Popolo, die von der Piazza del Popolo hinauf zum Hügel Pincio führt. Denn hier befindet sich das Augustinerkloster, in dem der Augustinermönch Luther während seines Rom-Aufenthalts nach Auffassung von Historikern gelebt haben könnte.
Sicher ist das freilich ebenso wenig wie das Datum des Rom-Aufenthalts. Einige Historiker datieren sie auf den Winter 1510, andere ein Jahr später. Auch der Anlass der Reise bleibt weitgehend im Dunkeln. Fest steht nur, dass es sich um einen Streitfall innerhalb von Luthers Orden handelte.
Wie dem auch sei: Der Martin-Luther-Platz kann durchaus auch als späte Geste der Aussöhnung Roms mit dem Protestantismus gesehen werden. Denn bis zum Untergang des Kirchenstaates 1870, also bis zum Ende der päpstlichen Herrschaft über die Stadt, durften in Rom keine nichtkatholischen Kirchen gebaut werden.
Die Protestanten feierten ihre Gottesdienste daher bis zur Gründung des laizistischen Königreichs Italien in der Kapelle der Preussischen Gesandtschaft beim Heiligen Stuhl. Und damit nicht genug: Protestanten durfen ebenso wie andere Nichtkatholiken nur auf dem sogenannten «Akatholischen Friedhof» ausserhalb der Stadtmauern an der Cestius-Pyramide beerdigt werden.

Franziskus bei den Lutheranern

Diese Zeiten sind vorbei. Am 15. November besucht Papst Franziskus die rund 500 Mitglieder zählende evangelisch-lutherische Gemeinde Roms. Er ist nach Johannes Paul II. und Benedikt XVI. der dritte Papst, den die überwiegend deutschsprachigen Protestanten in der römischen Hauptstadt begrüssen können. Franziskus wird dann wie seine Vorgänger den Sound der Reformation hören: Die Glocken der evangelisch-lutherischen Christuskirche sind eine Kopie des Geläuts der Schlosskirche in Wittenberg. Und wenn der Wind günstig steht, kann man ihr Läuten auch auf der «Piazza Martin Lutero» hören. (cic)

Martin Luther in einem Porträt von Lucas Cranach dem Jüngeren. | © flickr magro_kr
15. September 2015 | 16:36
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