Caritas und Fastenaktion kämpft im In- und Ausland gegen die Klimakrise
Schweiz

Wie Caritas und Fastenaktion im In- und Ausland gegen die Klimakrise kämpfen

Schweizer Hilfswerke unterstützen weltweit Menschen, deren Lebensgrundlagen durch Dürren, Überschwemmungen und Extremwetter bedroht sind. Gleichzeitig setzen sie sich in der Schweiz mit Projekten für mehr Klimaschutz und eine sozial gerechte Energiewende ein.

Jacqueline Straub

Die Klimakrise bedeutet für Millionen Menschen Hunger, Existenzangst und den Verlust ihrer Lebensgrundlage. Besonders betroffen sind jene, die am wenigsten zur Erderwärmung beigetragen haben: Menschen in Armut. Genau dort setzen die Projekte von Caritas Schweiz und Fastenaktion an.

«Die grössten Sorgen bereiten uns die Folgen der Klimakrise für Menschen, die bereits heute in Armut leben, weltweit und auch in der Schweiz. Sie haben am wenigsten zur Erderhitzung beigetragen, verfügen aber oft über die geringsten Möglichkeiten, sich anzupassen oder vor den Auswirkungen zu schützen», schreibt Caritas Schweiz auf Anfrage von kath.ch.

Milliarden Menschen von Klimawandel betroffen

Dürren, Überschwemmungen und Ernteausfälle verschärften Armut, Hunger und Vertreibung. Bereits heute leben 3,3 bis 3,6 Milliarden Menschen in Regionen, die stark vom Klimawandel betroffen sind – bei einer Weltbevölkerung von total rund 8,3 Milliarden Menschen.

Menschen in Ländern wie Tschad sind von den Folgen des Klimawandels besonders betroffen.
Menschen in Ländern wie Tschad sind von den Folgen des Klimawandels besonders betroffen.

Caritas Schweiz unterstützt derzeit Menschen in 24 Projekten weltweit, bei denen der Klimawandel ein zentrales Thema oder ein wichtiger Querschnittsaspekt ist. Im Fokus stehen insbesondere Kleinbäuerinnen und Kleinbauern, deren Lebensgrundlagen durch Dürren, Extremwetter und veränderte klimatische Bedingungen bedroht sind. Die Projekte reichen von Tadschikistan über Kambodscha bis nach Haiti, Bolivien oder Uganda.

Je nach Region fallen die Massnahmen unterschiedlich aus. In Tadschikistan erhalten Kleinbäuerinnen und Kleinbauern Wetterdaten, Beratung für klimaangepasste Landwirtschaft und Unterstützung bei effizienteren Bewässerungsmethoden. In Kambodscha etwa lernen Bauernfamilien nachhaltige Anbaumethoden kennen und verbessern mit moderner Bewässerung und Wetterinformationen ihre Erträge.

Jede dritte Frau, die beim Caritas-Bergeinsatz anpackt, ist unter 30 Jahre alt.
Jede dritte Frau, die beim Caritas-Bergeinsatz anpackt, ist unter 30 Jahre alt.

Auch in der Schweiz engagiert sich Caritas. Jedes Jahr vermittelt sie rund 1000 Freiwillige an Bergbauernfamilien. Gerade Bergregionen leiden zunehmend unter Trockenheit und Extremwetter. «Dieses Jahr haben uns bereits mehrere Bergbauernfamilien berichtet, dass ihre Futterernte wegen der Dürre ganz oder teilweise ausgefallen ist. Das hat für sie schwerwiegende Folgen», schreibt Caritas.

Ein weiteres Projekt ist die Kleiderzentrale. Dort werden jährlich 800 bis 1000 Tonnen gebrauchte Kleidung und Textilien gesammelt, sortiert und wiederverwendet. Das schont Ressourcen und reduziert Emissionen. Neu arbeitet Caritas Schweiz dafür mit Fabric Loop und weiteren Akteuren der Schweizer Textilbranche zusammen, um die Kreislaufwirtschaft auszubauen. Zusätzliche Klimaprojekte in der Schweiz seien derzeit allerdings nicht geplant.

Klimaschutz und Armutsbekämpfung gehören zusammen

Besonders besorgniserregend ist für Caritas Schweiz, dass die Schere zwischen Verursachenden und Betroffenen immer weiter auseinandergeht. Die ärmsten Menschen und Länder leiden am stärksten unter den Folgen der Klimaerwärmung. Gleichzeitig reichen die bisherigen weltweiten Klimaschutzanstrengungen nicht aus, und vielen betroffenen Ländern fehlen die finanziellen Mittel, um sich an die Folgen des Klimawandels anzupassen.

Protest gegen die Klimakrise in Zürich.
Protest gegen die Klimakrise in Zürich.

Deshalb fordert Caritas Schweiz mehr Tempo beim Klimaschutz – auch in der Schweiz. Die Emissionen müssten insbesondere durch den Ausstieg aus fossilen Energien sowie wirksame Massnahmen in Verkehr, Gebäuden und Wirtschaft rasch sinken. Gleichzeitig müsse die Schweiz ihre internationale Verantwortung wahrnehmen und ärmere Länder beim Klimaschutz und der Klimaanpassung finanziell unterstützen. Diese Mittel dürften jedoch nicht zulasten der Armutsbekämpfung gehen.

Ebenso wichtig sei eine sozial gerechte Klimapolitik. «Klimaschutz und Armutsbekämpfung gehören zusammen. Menschen mit geringem Einkommen dürfen nicht die Hauptlast der Klimakrise und der notwendigen Veränderungen tragen, sondern müssen von nachhaltigen Lösungen profitieren können.»

Fastenaktion setzt auf Agrarökologie

Auch Fastenaktion arbeitet in zahlreichen Ländern, die besonders stark von der Klimakrise betroffen sind. Ein zentraler Ansatz ist die Agrarökologie. «Mit agrarökologischen Anbaumethoden unterstützen sich Pflanzen, Tiere, Menschen und die Umwelt gegenseitig in einem ganzheitlichen landwirtschaftlichen Anbausystem», schreibt Fastenaktion auf Anfrage.

Klimaangepasste Pflanzen werden so kombiniert, dass sie Wasser besser speichern und sich gegenseitig schützen. Dadurch können Familien ihre Ernährung sichern und Hunger reduzieren. Auf den Philippinen unterstützt Fastenaktion zudem Präventionsmassnahmen gegen stärkere Wirbelstürme und Starkregen, um Schäden möglichst gering zu halten.

Der Klimawandel hat viele negative Folgen. Auf den Philippinen zeigt sich das in Form von Taifunen und Überschwemmungen.
Der Klimawandel hat viele negative Folgen. Auf den Philippinen zeigt sich das in Form von Taifunen und Überschwemmungen.

Viele indigene Gemeinschaften in Brasilien litten 2024 unter einer aussergewöhnlich langen Trockenperiode. Die Hitze liess dabei die Setzlinge im Boden verdorren – das ist in den vergangenen Wochen auch in der Schweiz geschehen. In Brasilien konnte Fastenaktion mit einem Projekt helfen.

In der Schweiz konzentriert sich Fastenaktion auf Sensibilisierung und politische Arbeit. Sie setzt sich für eine ambitionierte und sozial gerechte Klimapolitik ein, von der auch die Schweiz durch besseren Schutz vor Hitze, Dürren und Hochwasser profitiert.

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«Ein direktes Projekt zur Bewältigung der Folge von Hitze und Dürre in der Schweiz würde allerdings nicht dem Stiftungszweck von Fastenaktion entsprechen», schreibt die Organisation. «Die Arbeit von Fastenaktion hat zum Ziel, benachteiligte Menschen und Gemeinschaften im Globalen Süden zu stärken und den Hunger zu beenden.»

Für beide Hilfswerke steht fest: Die Klimakrise ist untrennbar mit der Armutsfrage verbunden. Oder wie es Fastenaktion formuliert: «Es sind die Ärmsten, die am wenigsten zur Klimakrise beigetragen haben, welche am stärksten unter den Auswirkungen leiden.»


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3. August 2026 | 17:00
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