Kartoffelprojekt der Pfarrei Baar in Madagaskar trägt zur Ernährungssicherheit von Bauern bei
Seit November 2023 unterstützt die Pfarrei Baar den gemeinnützigen Verein Agro-Sans-Frontière Suisse (ASF-CH) – Landwirtschaft im Dienst der Menschlichkeit – beim Aufbau eines Kartoffelprojekts im Hochland des afrikanischen Inselstaats zusammen mit der madagassischen Bauernvereinigung. Das Projekt zeitigt beachtliche Erfolge.
Wolfgang Holz
Im Verein ASF-CH engagieren sich über 50 Fachleute ehrenamtlich. Das Kartoffelprojekt will durch Selbsthilfe Hunger und Armut bekämpfen. Dank der derzeitigen Unterstützung der Pfarrei Baar, die von November 2023 bis November 2026 andauert, konnten unter anderem grössere Investitionen wie die Sanierung eines Lagerhauses und die Anschaffung eines Lieferwagens finanziert werden.
Eine der Fachpersonen ist die Agronomin Ruth Rossier. Sie war bis zu ihrer Pensionierung über 30 Jahre bei Agroscope tätig. Ihr Knowhow setzt sie aktuell als Projektleiterin für das Kartoffelprojekt in Madagaskar ein.
«Das Projekt trägt zur Verbesserung der Ernährungssicherheit der Landbevölkerung im Hochland von Madagaskar bei und fördert eine lokale, nachhaltige bäuerliche Landwirtschaft. Zudem fördert es die Selbständigkeit der Frauen und Mädchen und trägt zum sozialen Zusammenhalt in den Dörfern bei – was wiederum der Landflucht entgegenwirkt,» sagt die ASF-CH-Projektleiterin Ruth Rossier gegenüber kath.ch.
Spendensammlung bei «Martinsteilete»
An der «Martinsteilete» vom 9. November 2025 wurde im Gottesdienst und bei der anschliessenden «Teilete» im Pfarreiheim für das Pfarreiprojekt Geld gesammelt. Es ergab sich ein Gesamtbetrag von 3811 Franken. In diesem Herbst erhält Ruth Rossier nochmals einen Spendenbeitrag der Zuger Pfarrei St. Martin und der katholischen Kirchgemeinde Baar. Das Projekt wird seit seinem Start 2016 mit kleineren und grösseren privaten Spenden und von 2023 bis 2026 von der Pfarrei Baar finanziert.
Das Kartoffelprojekt in Madagaskar zeigt grosse Fortschritte und das neue «Maison de la Pomme de Terre» (Haus der Kartoffel) im Herzen der Stadt Fianarantsoa, welches die Lagerung und Logistik des Kartoffelhandels erleichtert, ist ein grosser Erfolg. Es wurde am 31. Oktober 2025 eingeweiht. Auf der Fassade des neuen «Maison de la Pomme de Terre» prangt auch das Logo der Kirchgemeinde Baar und der Pfarrei St. Martin.
Lagerhaus vollständig renoviert
Dieses neue zentrale Lagerhaus für Pflanz- und Speisekartoffeln, welches die urbane Gemeinde Fianarantsoa für 100 Jahre zur Verfügung stellt, konnte dank der finanziellen Unterstützung von Agro-Sans-Frontière Suisse und der Pfarrei St. Martin in Baar vollständig renoviert werden. Die Eröffnung dieses zentralen Lagerhauses, verwaltet von der Bauernvereinigung VFTM, wird den Produzentinnen eine willkommene Einnahmequelle eröffnen.
Dort können künftig 80 Tonnen Kartoffeln gelagert und vermarktet werden. Ab 2026 wird derjenige Teil der Ernte, der nicht von den Produzentinnen und ihren Familien selbst konsumiert wird, ins neue «Kartoffelhaus» transportiert und von dort aus gemeinsam vermarktet. Die Anschaffung eines Lieferwagens im Januar 2026 erleichtert nun den Transport der Kartoffeln. Weitere Lebensmitteltransporte können zukünftig weiteres Einkommen generieren. Es finden bereits entsprechende Testfahrten statt, um die Logistik zu optimieren.
Dezentrale Depots als Zwischenlager
Die diversen dezentralen Lagerhäuser bleiben weiterhin als Zwischenlager in Betrieb. Ebenfalls der von ASF-CH angeschaffte Ochsenkarren tut vor Ort weiterhin wertvolle Dienste, denn der Lieferwagen braucht fahrbare Pisten und die sind nicht zu allen Kartoffeldörfern gewährleistet.
Jährlich können dank dem Kartoffelprojekt bis zu 120 Produzentinnen die Ausbildung in den Bereichen Kartoffelanbau und Kompostierung im Ausbildungszentrum Ceffel in Antsirabe besuchen. Dieser Kurs bildet die Grundlage für den Einstieg in die Produktion und fördert gleichzeitig auch ihr Selbstvertrauen. Aktuell absolvieren zudem 20 junge Frauen die zweijährige Ausbildung auf der Bauernhofschule «NGO Bel-Avenir», eine Art bäuerliche Haushaltlehre (Landwirtschaft, Ernährung & Handarbeit).
Produzierte Kartoffelmengen steigen jährlich
Die Anzahl der Produzentinnen und die produzierte Menge Kartoffeln steigen jährlich. 2025 lag die Produktion bei 1,4 Tonnen Pflanzkartoffeln und 25 Tonnen Speisekartoffeln. Inzwischen sind rund 1000 Bäuerinnen mit ihren Familien in acht Dörfern am Kartoffelprojekt beteiligt. Begleitet werden die Kartoffelproduzentinnen durch drei von ASF-CH finanzierte einheimische landwirtschaftliche Beratungskräfte von VFTM, welche die Bäuerinnen vor Ort besuchen.
«Der Erfolg des Kartoffel-Projekts der Pfarrei Baar in Madagaskar beruht einerseits auf der guten Zusammenarbeit mit den Partnerorganisationen vor Ort, vor allem der Bauernvereinigung VFTM, und der französischen NGO Afdi BFC («Paysan sans frontière») sowie auf einer guten Vernetzung aller Akteure (Fifamanor, Ceffel etc.)», erklärt Ruth Rossier.
Anderseits sei der Erfolg des Kartoffelprojekts primär dem grossen Einsatz der Kartoffelproduzentinnen zu verdanken sowie dem madagassischen Vertreter und Berater von ASF-CH vor Ort, Lucien Maminilainoro, der 2016 beim Aufbau des Projektes massgebend beteiligt war.
Flüssigkompost sorgt für gute Anbauergebnisse
Agrartechnisch sorgt eine ökologische Produktion von Flüssigkompost (organischer Dünger und natürliches Insektizid) für gute Anbauergebnisse. Dabei wurden neue Becken für Flüssigkompost gebaut, um die Wege zu den Feldern zu verkürzen. Hilfsmittel wie Giesskannen und Rückenspritzen zum Ausbringen des Flüssigkomposts erleichtern den Bäuerinnen die Arbeit.
Die Projektleiterin Ruth Rossier ist überzeugt: «Der vielseitige Ansatz des Kartoffelprojekts mit landwirtschaftlicher Ausbildung und Beratung, gesundem Saatgut, Kartoffelkochkursen, agrarökologischer Produktion sowie einer adäquaten Lagerung und Vermarktung tragen zum Erfolg des Projekts bei.»
Laut «Ärzte ohne Grenzen» zählt Madagaskar zu den am stärksten von Ernährungsunsicherheit betroffenen Ländern weltweit. Wiederholte Dürren, Zyklone und Klimaveränderungen zerstören die Lebensgrundlage von Kleinbauern. Insbesondere der Süden und Südosten leiden unter akuter Unterernährung, die oft nur durch Nothilfe des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen gelindert wird. Madagaskar belegt laut Fastenaktion einen der hintersten Plätze im Welthungerindex. Rund 75 Prozent der Bevölkerung leben unter der absoluten Armutsgrenze. Ein Grossteil der Bevölkerung nimmt zu wenig Kalorien zu sich, was zu massiven Entwicklungsverzögerungen vor allem bei Kindern führt. (woz)Madagaskar und der Hunger
*Dieser Bericht über das Pfarreiprojekt Baar in Madagaskar bildet den Auftakt zu einer Serie weiterer Artikel über andere Pfarreiprojekte der katholischen Kirche in der Schweiz.
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