Der Fitnessraum | © zVg
Schweiz
Der Fitnessraum | © zVg

«Wer teilt, kann viel haben»

Luzern, 26.2.18 (kath.ch) Bei Nachhaltigkeit denken viele an Verzicht, andere vielleicht sogar an ein lustloses Leben. Dass es aber auch Lebensstile mit allen Annehmlichkeiten geben kann, bei denen trotzdem auf Nachhaltigkeit geachtet wird, beweist Stefan Salzmann in seiner Kolumne zur Fastenzeit*. Er ist beim Hilfswerk «Fastenopfer» verantwortlich für «Energie und Klimagerechtigkeit» und wohnt im wahrsten Sinne des Wortes einfach-luxuriös.

Nach einem strengen Arbeitstag komme ich nach Hause. Ich betrete die 330m2 grosse Wohnung, in welcher es angenehme 24 Grad warm ist. Meine Tasche verstaue ich in der Garderobe beim Eingang im oberen Stock und bereite mich in einem der drei Badezimmer auf den Saunagang vor – ein Buch aus unserer Hausbibliothek darf nicht fehlen. Heute lasse ich es mir so richtig gut gehen und verzichte auf das Training im hauseigenen Fitnessraum.

Im Luxus leben und trotzdem die begrenzten Möglichkeiten des Planeten respektieren – geht das? Es geht. Die 330m2 teile ich mir in einer Familien-WG mit 14 anderen Menschen und verbrauche dadurch nur 22m2 Wohnraum – weit weniger als der schweizerische Schnitt. Unsere wärmeisolierte Wohnung wird durch Wärmepumpen auf 21 Grad geheizt. Die Sonneneinstrahlung erledigt den Rest. Fitnessraum, Sauna, Bibliothek – das Angebot teile ich mit über 250 anderen Bewohnerinnen des Hauses, in welchem ich wohne.

Das ist gelebte Nachhaltigkeit!

Die Genossenschaft Kalkbreite im Herzen von Zürich beweist, dass wer teilt, viel haben kann ohne viel zu besitzen. Und dadurch eben ein Leben im Luxus geniessen kann ohne die Ressourcen des Planeten zu übernutzen. Das ist gelebte Nachhaltigkeit! Man muss nicht Wollsocken tragender Verzicht-Weltmeister sein, wenn man ökologisch leben will. Man kann! Und ich bin es – aber es ist nicht zwingend. Es gibt hier auch Wohnungen für einzelne Familien und für Einzelpersonen. Ausserdem lässt sich jedes Haus in diesem Stil bauen – es braucht lediglich den Willen, diesen Weg zu beschreiten.

Gutes Leben ist trotz ökologischem Verhalten möglich.

Ein gutes Leben ist trotz ökologischem Verhalten möglich. Und genau darin liegt das Potential dieses Projektes: so ökologisch wohnen und leben wie ich, das kann auch meine Mutter. Dass dabei das genossenschaftliche Wohnen keiner Profitlogik folgt, sondern nur kostendeckend sein muss, scheint schon fast nebensächlich. Dabei ermöglicht mir gerade dies, weniger Zeit für Lohnarbeit aufzuwenden und mehr Zeit mit meinen beiden Kindern zu verbringen. Und auch diesen Luxus geniesse ich jeden Tag aufs Neue!

* «Für eine Welt, in der alle genug zum Leben haben»: Die Ökumenische Kampagne von «Fastenopfer» und «Brot für alle» macht auf Initiativen und Bewegungen aufmerksam, die einen ressourcenschonenden, massvollen Lebensstil anstreben. Während der Fastenzeit schreiben Mitarbeiter von Fastenopfer über ihre persönlichen Erfahrungen in solchen Bewegungen oder zum Thema Wertewandel.

Stefan Salzmann  | © zVg
Stefan Salzmann | © zVg
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