Schwangerschaft | © pixabay.com CCO
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Schwangerschaft | © pixabay.com CCO

Wer interessiert sich heute noch für «Humane vitae»?

Zürich, 24.7.18 (kath.ch) Die sogenannte «Pillenenzyklika», die Papst Paul VI. vor 50 Jahren veröffentlichte, sorgte für Aufruhr auch unter papsttreuen Katholiken. «Humanae vitae» besorgte der katholischen Kirche einen mächtigen Imageschaden. Mit einer Führung, die Beteiligte zu Wort kommen lässt, lassen sich solche Abstürze vermeiden. Ein Kommentar von kath.ch-Redaktor Martin Spilker.

Der Sturm der Entrüstung, den vor 50 Jahren das päpstliche Lehrschreiben «Humanae vitae» über Empfängnisverhütung bis weit in katholische Milieus ausgelöst hat, hält sich heute in Grenzen. Vielleicht noch ein bissiger Kommentar auf Facebook, da und dort Kopfschütteln, wenn ein solches Schreiben wie kürzlich durch den Churer Bischof Vitus Huonder heute noch durch und durch verteidigt wird.

«Vorschriften sind kein geeignetes Mittel, um Gemeinschaften  zu stärken.»

Die Debatte um «Humanae vitae» hat deutlich gemacht, dass lehramtliche Äusserungen von den Gläubigen nicht mehr einfach geschluckt werden. Das ist auch gut so. Das II. Vatikanische Konzil hatte gezeigt, dass das, was den katholischen Glauben ausmacht, nicht allein durch einige wenige Kirchenamtsvertreter festgelegt werden kann. Regeln und Vorschriften sind kein geeignetes Mittel, um Gemeinschaften mündiger Christen zu stärken.

Dass es anders geht, ist auch in der katholischen Kirche zu sehen. Ja, das funktioniert sogar zum Thema Familie und Partnerschaften, wie die beiden Bischofssynoden 2014 und 2015 und das daraus entstandene Dokument «Amoris Laetitia» zeigen. Die Kirchenleitung kann und soll sich zu diesen Themen äussern. Sie stösst aber sicher auf offenere Ohren, wenn sie zuvor mit den Menschen im Gespräch ist, die von ihren alltäglichen Erfahrungen erzählen können.

«Es ist wichtig, sich immer wieder dem Gespräch zu stellen.»

Der katholischen Kirche wird heute wohl in vielen Fällen zu Unrecht vorgeworfen, sie habe ein verkrampftes Verhältnis zu Sexualität und Partnerschaft. Denn was in Pfarreien, durch Fachstellen und selbst von höheren Leitungsebenen an Offenheit gegenüber nicht kirchenrechtsmässigen Lebensformen vorgelebt wird, hat nichts mit Keuschheitsgürtelmoral zu tun. Nichtsdestotrotz ist es wichtig, Kritik ernst zu nehmen und sich immer wieder dem Gespräch zu stellen.

Es wird weiter Differenzen geben und längst nicht alle Katholiken werden mit der katholischen Ehelehre einverstanden sein. Widerspruch trägt aber dazu bei, die eigene Haltung zu schärfen. Da geht es heute einem kirchlichen Amtsträger nicht anders als einer Führungsperson in Politik oder Wirtschaft. Gute Führung besteht zu einem grossen Teil aus Zuhören. Die Kunst dabei ist, den Kreis der Leute, welche die Entscheidungsträger beraten, weit zu fassen. So weit, dass Differenzen auch wirklich zur Sprache kommen und ausgetragen werden können.


«Mit ‹Humanae vitae› hat sich die Kirche viel Kredit verspielt»

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