Zürcher Pfarrei unterstützt oberägyptische Schulen
Die Pfarrei Heilig Geist in Zürich-Höngg unterstützt mit ihrer Gruppe In- und Auslandhilfe verschiedene Projekte – auch ein umfassendes Schul- und Gesundheitsprojekt in Ägypten. Dieses hatte ein Jesuitenpater initiiert – mit dem ein Arzt in Zürich-Höngg familiär verbunden ist.
Regula Pfeifer
Wird in Gottesdiensten zur Kollekte aufgerufen, geschieht dies oft zu Gunsten von kirchennahen Organisationen – etwa für Fastenaktion, Bethlehem Immensee, die Inländische Mission.
Anders macht dies die Pfarrei Heilig Geist in Zürich-Höngg. Sie setzt vorwiegend auf Projekte, bei denen ihre eigenen Pfarreiangehörigen engagiert sind. Dies gewährleiste den direkten Kontakt zu den Empfängern vor Ort und ein grosses Engagement der Beteiligten, sagt Rosmarie Stücheli im Gespräch mit kath.ch.
Stücheli leitet die In- und Auslandhilfe der Pfarrei, der sich inzwischen auch die Nachbarpfarrei Guthirt angeschlossen hat. Abwechselnd je rund 30 Inland- und Auslandprojekte erhalten pro Jahr von den beiden Pfarreien finanzielle Unterstützung. Die Gruppe besteht bereits seit rund 50 Jahren.
Spenden für oberägyptische Schulen
Eines der langjährig unterstützten Projekte sind die oberägyptischen Schulen, die vorwiegend von koptischen Laien geführt werden. Organisiert sind sie in der Association of Upper Egypt for Education and Development (AUEED), einer der grössten Nonprofitorganisationen Ägyptens. Diese führt 35 Schulen von der Primar- bis zur Mittelstufe und seit kurzem auch fünf Oberstufen – die rund 12’500 Kinder und Jugendliche besuchen. Diese seien zu «unverzichtbaren Institutionen auf dem Bildungsteppich des Landes», also Ägyptens, geworden, schreibt Coradi in einem Bericht.
Zudem engagiert sich die Organisation in der Gesundheitsversorgung und Ernährung der ärmsten Schülerinnen und Schüler und in Projekten für Frauen – etwa mit Mikrokrediten.
Die Verbindung zur Organisation in Ägypten geschieht über den inzwischen pensionierten Hausarzt von Zürich-Höngg, Beat Coradi. Er präsidiert den Verein Horus, einer der heute rund 60 Partnerorganisationen von AUEED.
Arztfrau ist Nichte des Jesuitenpaters
«Die Arbeit für Ägypten ist mir zugefallen», sagt Coradi beim Treffen in der Pfarrei Heilig Geist in Zürich-Höngg. Seine Frau Margerite Marie Dalal Coradi-Senn hat mit ihm den Verein Horus 2004 gegründet, nachdem eine Stiftung in Genf mit demselben Ziel aufgelöst worden war. Sie ist die Nichte von Jesuitenpater Henry Ayrout, dem Gründer von AUEED. Ayrout wollte die Armut der Bauernbevölkerung mittels Bildung lindern und baute dafür ab 1940 insgesamt 110 Hüttenschulen auf.
Horus setze sich als Partnerorganisation von AUEED für marginalisierte Kinder und Jugendliche sowie erwachsene Frauen ein, dies unabhängig von ihrer religiösen Zugehörigkeit, sagt Coradi. Sie sollen so gefördert werden, dass sie Verantwortung in der Gesellschaft übernehmen können. Die Schulbildung habe zum Ziel, den Geist, den Körper und die Seele der Lernenden zu befreien, so Coradi. Gleichzeitig sollen die Lernenden in diesem Umfeld ein gelebtes Miteinander erfahren.
Verein Horus stützt NGO in Ägypten
Das Gründerehepaar Coradi besucht die von Horus unterstützten Schulen fast jedes Jahr, um zu sehen, wie sich die Projekte entwickeln. «Unser Verein führt sauber Buch und unterliegt einer strengen Revision», betont Beat Coradi.
Horus ist ein Verein mit rund 27 Mitgliedern und 50 Spendern. Sein Beitrag sei bescheiden, sagt 76-jährige Präsident. «Ich hätte gern mehr erreicht.» Dieses Jahr erhalte er «ein besonderes Geschenk». Zusätzlich zu den Patenschaften erhält Horus fürs laufende Jahr rund 60’000 Franken seitens Auslandhilfe der Pfarrei. Durchschnittlich konnte der Höngger Verein bisher rund 15’000 Franken pro Jahr an die ägyptische Partnerorganisation überweisen.
Adventbazar leistet namlichen Beitrag
Neben dem Kirchenopfer bei den Gottesdiensten kamen um die 30’000 Franken Spenden vom Pfarrei-Bazar im November zusammen. Den Adventbazar organisieren engagierte Frauen seit rund 50 Jahren und bestücken ihn mit selbst gemachten Adventkränzen, Strick- und Häkelarbeiten, Verpflegung und Getränken sowie mit Weihnachtsgebäck und Konfitüren.
Auch die Kirchenpflege, die Pfarrkirchenstiftung und die Samichläuse spenden Geld – auf Empfehlung der Gruppe In- und Auslandhilfe. Zusätzlich leistete der Verband der römisch-katholischen Kirchgemeinden der Stadt Zürich einen Beitrag von 25’000 Franken ans Horus-Projekt.
Fokus auf Patenschaften
Mit den Spendengeldern hat Horus anfänglich die AUEED allgemein unterstützt. Seit 2016 fokussiert der Verein auf Patenschaften für Schulkinder aus armutsbetroffenen Familien – die nach klaren Vorgaben bestimmt werden. Aktuell betreut Horus 56 Patenschaften in der Schule von Sedfa. Mit einer Patenschaft werden die gesamten Schulkosten eines Kindes gedeckt – inklusive Lehrmittel, medizinische Versorgung, Verpflegung sowie Anteil Lehrerbesoldung.
Der Verein unterstützt aktuell speziell die Eröffnung der ersten fünf Oberstufenschulen von AUEED. So können Schülerinnen und Schüler die gesamte obligatorische Schulzeit dort absolvieren. Weiter ist Horus in einem gleichstellungsorientierten Bildungsprojekt für Jugendliche und für Mitarbeiterinnen der ägyptischen Nonprofitorganisation engagiert.
Wie Beat Coradi ist auch Rosmarie Stücheli über familiäre Kontakte zu ihrem Engagement gekommen. Der Bruder einer Tante wirkte als Missionar in Madagaskar und erzählte bei Heimaturlauben eindrücklich über die prekäre Lebenssituation. Als Stücheli nach Zürich-Höngg zog, bemerkte sie, dass die Pfarrei Heilig Geist das Madagaskar-Projekt wegen eines anderen Missionars ebenfalls unterstützt. Es war für sie wie vorgegeben, in der pfarreilichen In- und Auslandhilfe mitzumachen. Als Sozialarbeiterin kannte sie von Berufes wegen viele der unterstützten Institutionen.
Katholik geworden mit 75 Jahren
Horus-Präsident Coradi schätzt die Pfarrei Heilig Geist sehr. Er ist nach eigenen Angaben in einer sehr strengen reformierten Familie aufgewachsen und hat – nach einer Zeit der Flower-Power-Rebellion – nach einem Ort für seine Religiosität gesucht. Fündig wurde er in der Pfarrei Zürich-Höngg, die sein Entwicklungsengagement seit rund zwei Jahrzehnten unterstützt. Im vergangenen Jahr ist er da nun auch Katholik geworden, im Alter von 75 Jahren, wie er lächelnd anmerkt.
«Das Engagement unserer beiden Pfarreien hat viel mit Christentum zu tun»,
Matthias Braun, Gemeindeleiter von Heilig Geist
«Das Engagement unserer beiden Pfarreien hat viel mit Christentum zu tun», sagt Matthias Braun, Gemeindeleiter von Heilig Geist. Er macht ebenfalls in der «Hilfegruppe» mit und organisiert für die Projekte rund drei Gottesdienste pro Jahr. «Auch Jesus ging an die Ränder der Gesellschaft», sagt Braun. Es gehe darum, in jedem Menschen Gottes Ebenbild zu sehen – ohne Unterschied. «Es ist wichtig, dass wir als Gemeinde diese Perspektive immer wieder einbringen.» Braun ist überzeugt, dass es den Menschen in der Pfarrei gut tue zu sehen, dass sich dank ihrem Einsatz etwas zum Positiven entwickelt.
Serie über diakonische Projekte von Pfarreien
Dieser Beitrag ist Teil einer Serie über diakonische Projekte von Schweizer Pfarreien im Ausland. Bereits erschienen sind folgende Artikel:
«Kartoffelprojekt der Pfarrei Baar in Madagaskar trägt zur Ernährungssicherheit von Bauern bei» (17. Juli 2026)
«Pfarreiangehörige aus Diepoldsau schenkt Kindern in Südafrika Hoffnung» (22. Juli 2026)
«Wie aus einer Südafrikareise ein Hilfswerk der Pfarrei Diepoldsau-Schmitter entstand» (23. Juli 2026)
«Menschen aus beiden Pfarreien beten füreinander» – so sind Zuger und Bolivianer seit 30 Jahren miteinander verbunden (28. Juli 2026)
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