Weitere Landeskirchen reagieren auf Missbrauch: Reformen ja, Geld sperren nein
Statt Geldhahn-Drohung forderte die Synode in Solothurn jüngst Reformen – unter anderem zur Gleichstellung der Frau und zur Abschaffung des Zölibats. Solothurner Katholiken wollen auch keine Akten mit Missbrauchsbezug vernichten. Der Landeskirchenrat Thurgau sieht bereits «positive Schritte» in Form der vom Bistum Basel inzwischen getroffenen Reformmassnahmen.
Auch die Katholiken in Solothurn sind schockiert ob der Ergebnisse der Vorstudie zu den Missbrauchsfällen und den Vertuschungen in der katholischen Kirche. Synodenpräsident Urs Umbricht unterstützte laut der «Solothurner Zeitung» deshalb die Forderungen nach einer gründlichen Aufarbeitung und zeigte sich solidarisch mit den Missbrauchs-Opfern.
Präventionsmassnahmen gelobt
Positiv hervorgehoben wurden an der Synode die Präventionsmassnahmen, die in den letzten Jahren im Bistum ergriffen wurden – unter anderem die regelmässige Einforderung von Strafregisterauszügen oder die Führung einer unabhängigen Meldestelle durch das Bistum Basel seit 2017.
Neu habe Bischof Felix Gmür eine externe Anwaltskanzlei beauftragt, auch die kirchlichen Verfahren und Opferentschädigungen unabhängig von der bischöflichen Verwaltung abzuwickeln.
Nicht eigene Projekte und Dienstleistungen gefährden
Den Geldhahn gegenüber dem Bistum Basel will die Synode Solothurn allerdings nicht zudrehen, wie etwa in der Landeskirche Luzern, um Druck auf die Kirche in punkto Reformen auszuüben. Grund: Mit der Streichung von Geldern würde man dadurch die eigenen pastoralen Dienstleistungen und Projekte gefährden, so der Tenor der Synode.
Glaubwürdigkeit der Kirche wieder herstellen
Andererseits wurde ein weitergehender Kultur- und Strukturwandel verlangt, um die Glaubwürdigkeit der Kirche wiederherzustellen. Die Forderungen nach Gleichstellung der Frauen und Abschaffung des Pflichtzölibats wurde in diesem Zusammenhang von der Synode wiederholt geäussert. In diesen Bereichen gebe es auch in den Kirchgemeinden noch viel zu tun, denn nicht überall würden Frauen und Verheiratete in der Seelsorge gleichermassen akzeptiert.
Als konkrete Massnahme verpflichtete sich die Synode in Solothurn, keine Akten mit Missbrauchsbezug zu vernichten. Die Kirchgemeinden seien aufgefordert, dies ebenfalls zu beschliessen.
Landeskirche Thurgau: «positive Schritte»
Der Kirchenrat der Katholischen Landeskirche Thurgau zeigt sich derweil zuversichtlich angesichts der «positiven Schritte», die vom Bistum Basel mittlerweile als Reformen zur Missbrauchsbekämpfung eingeleitet worden seien, wie in einer Medienmitteilung berichtet wird. Gemeint ist damit unter anderem, dass das Bistum Basel inzwischen neu eine unabhängige Anwaltskanzlei für die Voruntersuchungen eingerichtet hat.
«Zugleich dürfen wir jetzt nicht lockerlassen.»
Cyrill Bischof, Kirchenratspräsident
Kirchenratspräsident Cyrill Bischof ordnet ein: «Die bisher umgesetzten Massnahmen stimmen uns positiv. Zugleich dürfen wir jetzt nicht lockerlassen. Wir möchten weiterhin den Druck auf die Kirchenleitung aufrechterhalten und konstruktiv mit der pastoralen Seite zusammenarbeiten. Die Exekutiven der zehn Landeskirchen des Bistums Basel sind in einem regelmässigen Austausch mit der Bistumsleitung.» (woz)
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