Was ist Ihnen heilig? kath.ch und Fastenaktion gehen dem Hungertuch auf den Grund
Das neue Hungertuch stammt vom nigerianischen Künstler Emeka Udemba. Es stellt die Schöpfung ins Zentrum. Und zeigt, wie Klimawandel und Putins Angriffskrieg auf die Ukraine diese gefährden. kath.ch und Fastenaktion organisieren im März drei Gesprächsabende mit Hintergründen zum Hungertuch.
Raphael Rauch
Was ist Ihnen heilig? Diese Frage stellt der Künstler Emeka Udemba. Und diese Frage hat er auch sich selbst gestellt. Klar ist: die unheilige Allianz von Kirche und Staat in Russland gehört nicht dazu.
Nord-Süd-Dialog
Am Anfang des aktuellen Hungertuchs stand eine Zeitungscollage. Darauf zu sehen war auch jenes Bild, das kath.ch immer wieder gebracht hat: wie ein lammfrommer Putin die Osternacht 2022 mit einer Kerze mitfeiert. Und das mitten in Zeiten des Krieges, den Putin selbst angezettelt hat.
Auf das Putin-Bild und die anderen Zeitungsartikel legt der Künstler viel Farbe. Dann kratzt er viel ab. Am Ende steht eine Collage aus Zeitungsschnipseln, Kleber und Acryl. «Nachrichten, Infos, Fakten, Fakes – Schicht um Schicht reisst und klebt der Künstler diese Fragmente und komponiert aus ihnen etwas Neues», teilt das deutsche Hilfswerk «Misereor» mit. Es organisiert zusammen mit dem Schweizer Partner Fastenaktion die Hungertücher, die für den Nord-Süd-Dialog sensibilisieren sollen.
Der Planet als Spielball verschiedener Interessen
Von den Zeitungsartikeln bleibt am Ende wenig übrig. «Mach was mit deinem Geld», «Der Anfang», «Nachhaltig», «Mehr Geld zum Beispiel» gehören zu den wenigen Schlagzeilen, die ins Auge fallen. Im Zentrum des Bildes stehen zwei Handpaare und eine Erdkugel.
«Die Kugel bleibt in der Schwebe von Halten und Loslassen, Schutz und Preisgabe», teilt Misereor mit. «Rollt die Kugel im nächsten Moment nach links unten in den roten aufgeheizten Raum hinein? Wird sie kippen wie unser Klima? Die Erdkugel, gute Schöpfung und Heimatplanet oder Spielball verschiedener Interessen?»
Drei Zoom-Abende zum Hungertuch
Das Hungertuch lädt ein, über die Schöpfung nachzudenken: «Was ist uns noch heilig? Was ist unverfügbar? Was tasten wir nicht an? Was ist uns das Leben wert?»
Zum Hintergrund des Hungertuchs organisieren das Katholische Medienzentrum und Fastenaktion drei digitale Veranstaltungen. Zu Gast sind der Künstler Emeka Udemba, Fastenaktion-Mitarbeiterin Andrea Gisler und der ehemalige Fastenaktion-Kommunikationschef Toni Bernet-Strahm.
Woher kommt die Redewendung «Am Hungertuch nagen»?
«Seit 1976 werden in Kooperation mit dem deutschen Hilfswerk Misereor Hungertücher als meditatives Element für die Fastenzeit angeboten», sagt Sibylle Hardegger, Radio- und Fernsehbeauftragte des Katholischen Medienzentrums. «Wir zeigen zusammen mit Fastenaktion Hintergründe auf. Die Herkunft des sprichwörtlichen ‹am Hungertuch Nagen› ist heute weitgehend unbekannt und soll ebenso thematisiert werden wie die meditativen Texte zum diesjährigen Hungertuch.»
Den Auftakt macht am Mittwoch, 15. März, ein Gespräch mit dem nigerianischen Künstler Emeka Udemba. Er wurde 1968 in Nigeria geboren und lebt heute in Freiburg im Breisgau.
Texte von Jacqueline Keune
Eine Woche später, am 22. März, lautet das Thema: «Was ist uns heilig? Das aktuelle Hungertuch meditieren». Andrea Gisler von Fastenaktion leitet den Talk mit Texten der Schweizer Dichterin Jacqueline Keune.
Am Mittwoch, 29. März, geht es um die historische Kontextualisierung: «Hungertücher: eine mittelalterliche Tradition wieder neu aufgenommen von Fastenaktion und Misereor. Was steckt dahinter?» Der ehemalige Kommunikations-Leiter von Fastenaktion, Toni Bernet-Strahm, zeigt, wie Fastenaktion zusammen mit Misereor in den 1970er-Jahren die mittelalterliche Tradition des Hungertuchs wiederbelebt hat.
Die Zoom-Talks finden jeweils von 19 Uhr bis 19.45 Uhr statt. Mehr dazu hier.
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