Walliser Missbrauchsfall: Vater lieferte Kinder dem Pfarrer aus

Gerichtsdokumente zeigen die grauenhafte Dimension eines Walliser Missbrauchsfalls. Ein Vater hat zusammen mit einem Priester seine beiden Kinder missbraucht. Strafrechtlich ist der Fall verjährt. Der Priester wurde im Oktober 2023 vom Vatikan in den Laienstand versetzt.

Regula Pfeifer

Am 7. Oktober versetzte Papst Franziskus einen Walliser Pfarrer in den Laienstand. Zuvor war der Priester in einem kirchlichen Gerichtsverfahren sexueller Handlungen an Minderjährigen für schuldig befunden worden. kath.ch hat darüber berichtet. Recherchen der Westschweizer Zeitung «Le Nouvelliste» haben nun neue Dimensionen des Falles ans Licht gebracht.

Neue Enthüllung

«Le Nouvelliste» berichtete am Samstag über eine bisher unbekannte Dimension des Missbrauchsfalls. Die Zeitung hatte Zugang zu den Akten der strafrechtlichen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen den Pfarrer, welche aber wegen Verjährung zu keiner Verurteilung geführt hatten.

Kathedrale von Sitten
Kathedrale von Sitten

Laut den Akten unterhielt der Pfarrer eine Liebesbeziehung zum Vater der beiden Kinder, welche durch den Pfarrer missbraucht wurden. Die Beziehung zu dem Kindsvater reichte in die Zeit zurück, bevor Letzterer eine Familie gründete. Auch nach der Familiengründung sollen die beiden Männer ihre Beziehung weitergeführt haben. Der Priester verbrachte Wochenenden und Ferien mit der Familie.

Zwei Männer gegen zwei Kinder

Die beiden Männer missbrauchten die beiden Kinder, einen Buben und ein Mädchen, und zwar vom Kleinkindesalter an – wie beim Buben festgestellt wurde. Das Mädchen soll im späteren Kindesalter von den beiden Männern vergwaltigt worden sein. Die Übergriffe fanden laut der Zeitung von Ende der 1970er- bis Anfang 1990er-Jahre statt. Die betroffenen Kinder litten an psychischen Folgen, von Depressionen bis Suizidversuchen.

Schutzbehauptungen

Die späte Strafverfolgung liegt laut der Zeitung daran, dass sich der damalige Bub erst 2017 im Rahmen einer Psychotherapie an die erlittene Gewalt erinnerte. Der Vater hat in einem Brief an seinen Sohn die sexuellen Übergriffe zugegeben. Er behauptete, der Priester habe ihn dazu gebracht – er erinnere sich an dessen «diabolisches Lächeln».

Der Priester seinerseits hatte gegenüber der Zeitung ausgesagt, er habe «nicht die geringste sexuelle Anziehungskraft gegenüber Kindern verspürt.» Laut der Staatsanwaltschaft hätten sowohl der Vater als auch der Priester als Kirchenmann die Aufgabe gehabt, die Kinder zu schützen. Beide seien ihrer Verantwortung in keinster Weise nachgekommen. Die damaligen Kinder sind heute erwachsen, die beiden Täter im Pensionsalter.

Anlaufstellen für Missbrauchsbetroffene

Eine Liste mit kirchlichen und weiteren Anlaufstellen für Missbrauchsbetroffene ist hier zu finden.

Für eine unabhängige Beratung ist die «Opferhilfe Schweiz» zu empfehlen.


Missbrauch (Symbolbild) | © Pixabay/Magwood Photography, Inhaltslizenz
8. Januar 2024 | 12:36
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