Sterbeuntensilien eines Seelsorgers im Hospiz
Schweiz

Vorbereitungen für die letzte Reise

Was geschieht eigentlich im Sterben? Die Aktionswoche «endlich.menschlich» lädt vom 24. Oktober bis 1. November mit 60 Veranstaltungen in Zürich ein, das Lebensende neu zu entdecken. Auch die Kirchen beteiligen sich mit überraschenden Angeboten.

Sabine Zgraggen

Jeder Mensch wird sterben. Die einen verdrängen diesen Gedanken möglichst lange, andere planen frühzeitig ihre Abdankung, verfassen Patientenverfügungen oder regeln ihren Nachlass. Doch eine Frage bleibt erstaunlich oft unbeantwortet: Wie geht Sterben eigentlich?

Eine Reise nach Innen

Was geschieht auf den letzten Metern des Lebens? Wie erleben Menschen den Übergang, wenn sich Körper, Bewusstsein und Wahrnehmung verändern? Und was bedeutet das für jene, die sie begleiten?

Sterben lässt sich nicht nur auf das Versagen körperlicher Funktionen reduzieren. Es betrifft den ganzen Menschen: Körper, Geist und Seele. Und es geschieht immer in Beziehungen. Niemand stirbt losgelöst von seiner Lebensgeschichte und den Menschen, die dazugehören. Dennoch bleibt der letzte Weg eine zutiefst persönliche Erfahrung. Die Reise geht nach innen, hin zum letzten Atemzug.

Die Theologin und Sterbeforscherin Monika Renz beschreibt Sterben als tiefgreifenden Wandlungsprozess. Sie unterscheidet drei innere Zustände: das «Davor», das «Hindurch» und das «Danach». Menschen werden dabei eine Bewusstseinsschwelle überschreiten, Ängste durchleben und schliesslich eine andere Form von Wahrnehmung erfahren.

Eine ganze Stadt spricht über das Lebensende

Genau hier setzt «endlich.menschlich» an. Die Initiative begann vor zwei Jahren in Bern und kommt nun erstmals nach Zürich. Organisiert wird die Aktionswoche von «Palliative zh+sh», der Fachorganisation für Palliative Care in Zürich und Schaffhausen. Das Anliegen: Sterben, Tod und Trauer aus der gesellschaftlichen Tabuzone holen.

Mit Workshops, Ausstellungen, Filmen, Musik und Gesprächen wird die Stadt zum Experimentierfeld für einen bewussteren Umgang mit der Endlichkeit. Nicht alles muss ernst und schwer sein. Manchmal helfen gerade spielerische Zugänge, Sprachlosigkeit zu überwinden.

Kirchen öffnen Räume und ermöglichen Begegnungen

Die Kirchen gestalten diesen Dialog aktiv mit. Am 26. Oktober lädt die katholische Pfarrei Herz Jesu Wiedikon ein. Palliativseelsorger Daniel Burger-Müller erzählt in Gedichten und Geschichten aus seinem Berufsalltag. Musik begleitet die Erfahrungen zwischen Verletzlichkeit, Verzweiflung und Lebensfreude.

Am 27. Oktober bieten die katholische Pfarrei St. Anton und die reformierte Kirche einen geschützten Raum für Gespräche unter Trauernden. Zwei Tage später lädt die Pfarrei Herz Jesu gemeinsam mit dem reformierten Kirchenkreis drei zum Filmabend «Ente, Tod und Tulpe» ein. Der berührende Animationsfilm eröffnet einen beinahe spielerischen Zugang zu den grossen Fragen des Lebens.

Auch die Pfarrei Dreikönigen beteiligt sich: Am 31. Oktober geht es um die Begleitung schwerkranker Angehöriger, die weit entfernt leben – eine Herausforderung zwischen Liebe, Verantwortung und Ohnmacht.

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Neugierig statt sprachlos

Wer lieber praktisch entdeckt, kann ein Pflegebett probeweise erleben, das Krematorium Nordheim besichtigen oder bei einer Tasse Kaffee an einer Sargbar über das Leben sprechen. Die Fotoausstellung «Palliative Care – Bilder einer Realität» in der Wasserkirche zeigt, wie vielfältig der Alltag schwerkranker Menschen tatsächlich ist.

Die Woche will keine fertigen Antworten liefern. Sie lädt vielmehr dazu ein, Fragen zu stellen, Unsicherheiten zuzulassen und miteinander ins Gespräch zu kommen. Vielleicht verändert sich dadurch nicht nur unser Blick auf das Sterben, sondern auch auf das Leben.


Sterbeuntensilien eines Seelsorgers im Hospiz | © Sabine Zgraggen
19. Oktober 2026 | 12:00
Lesezeit : ca. 2  Min.
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