Emmanuel Macron bei Papst Franziskus
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Verkrampftes Verhältnis zu den Religionen in Frankreich

«Jedes Jahr in der Advents­zeit strei­tet Frank­reich darüber, ob Weih­nachts­krip­pen in Rathäu­sern und ande­ren öffent­li­chen Gebäu­den aufge­stellt werden dürfen. Den Verfech­tern einer strik­ten Laizi­tät sind die volks­tüm­li­chen Krip­pen­fi­gu­ren, die soge­nann­ten Santons, ein Graus. Sie sehen in ihnen christ­li­che Symbo­le, die in Rathäu­sern nichts zu suchen haben.

Ausgangssperre an Heiligabend, nicht aber an Silvester

Immer wieder müssen sich Gerich­te mit der Frage befas­sen, ob Weih­nachts­krip­pen mit dem 1905 beschlos­se­nen Gesetz über die Tren­nung von Kirche und Staat in Einklang zu brin­gen seien. Einige urteil­ten, dass es sich um Kultur­gü­ter hande­le, die «konform» seien, andere wieder­um verlang­ten, die figür­li­che Darstel­lung der Geburt Jesu abzu­bau­en. Der rechts­na­tio­na­le Bürger­meis­ter von Béziers hat eigens einen Roll­wa­gen für die Weih­nachts­krip­pe bauen lassen, um sie im Falle des Falles wegschie­ben zu können. 

Der alljähr­li­che Krip­pen­streit ist sympto­ma­tisch für das verkrampf­te Verhält­nis zu den Reli­gio­nen in Frank­reich. Das Pande­mie-Krisen­ma­nage­ment bleibt davon nicht ausge­nom­men. Gegen die Aufhe­bung der nächt­li­chen Ausgangs­sper­re an Heilig­abend, nicht aber in der Silves­ter­nacht regt sich Protest. Die Entschei­dung zuguns­ten des christ­li­chen Festes sei «schwer diskri­mi­nie­rend», schrieb die Poli­to­lo­gin Françoi­se Drey­fus in einem Zeitungs­bei­trag. Sie berück­sich­ti­ge die Inter­es­sen der Musli­me, Juden und Ungläu­bi­gen nicht.

Unlogische Entscheide

Die katho­li­sche Kirche wieder­um wähnt die Reli­gi­ons­frei­heit in Gefahr, weil die Regie­rung sich unter dem Vorwand der Pande­mie­be­kämp­fung immer mehr in Kultus­ent­schei­dun­gen einmi­sche. Der Bischof von Lille beklag­te, die Regie­rung stelle eine Rang­ord­nung auf, wenn sie bei Beer­di­gun­gen 30, bei Eheschlie­ssun­gen sechs und bei Taufen keine Gläu­bi­gen zulas­se.

Auch die vom höchs­ten Verwal­tungs­ge­richt annul­lier­te Ober­gren­ze von 30 Besu­chern beim Gottes­dienst selbst in Kathe­dra­len sei ein Versuch gewe­sen, die Kultus­frei­heit zu beschnei­den. «Wer die Reli­gio­nen so behan­delt, der betrach­tet den Glau­ben von Millio­nen Fran­zo­sen als neben­säch­lich», schrieb der Vorsit­zen­de der Fran­zö­si­schen Bischofskonferenz.»

Michaela Wiegel kommentiert in der «FAZ» die aktuelle Religionspolitik Frankreichs. (rr)


Emmanuel Macron bei Papst Franziskus | © Keystone
19. Dezember 2020 | 07:28
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