Kardinal Sean Patrick O´Malley, Erzbischof von Boston, in der Kapuzinerkutte.
Vatikan

Vatikan-Kinderschutzchef: «Gab Wachstumsschmerzen in Kommission»

Kardinal Sean O’Malley, Leiter der päpstlichen Kinderschutzkommission, räumte erstmals Schwierigkeiten ein. Er sprach am Montag von «Wachstumsschmerzen». Zuvor hatte der renommierte Kinderschutzexperte, Hans Zollner, die Kommission verlassen.

2022 hat Papst Franziskus seine Kinderschutzkommission umstrukturiert. Sie erhielt ein erweitertes Mandat und mehr Mitarbeitende. Zudem wurde sie an die vatikanische Glaubensbehörde angegliedert. Über die Veränderungen im letzten halben Jahr berieten die Kommissionsmitglieder in der vergangenen Woche in Rom.

Zollner verliess Kommission aus Protest

Etwa einen Monat zuvor hatte der renommierte Kinderschutzexperte Hans Zollner die Kommission verlassen. Als Gründe führte er etwa unzureichende Verantwortungsübernahme und mangelnde Transparenz an. So seien etwa die Auswahlkriterien für die Kommissionsmitglieder sowie deren genaue Rollen und Aufgaben unklar.

Hans Zollner verliess die päpstliche Kinderschutzkommission aus Protest.
Hans Zollner verliess die päpstliche Kinderschutzkommission aus Protest.

Die Probleme in der Kommission hätten mit ihrer Zuordnung zur Glaubensbehörde zwar nicht begonnen, sich aber verschärft. Es fehle seither etwa an Kompetenz im wichtigen Bereich Kirchenrecht. Weiter befand er die finanziellen Rechenschaftspflichten des Gremiums für unzureichend.

O’Malley gibt sich zuversichtlich

In seinem Statement betonte O’Malley, die Kommission habe wichtige Anpassungen an der Arbeitsmethodik vorgenommen, um die verschiedenen Rollen zu klären und ein Gefühl der gemeinsamen Verantwortung für das Mandat und dessen Umsetzung zu schaffen.

«Wir haben uns um die notwendigen Ressourcen bemüht, um angemessen reagieren zu können, und wir sind zuversichtlich, was den Plan und die Menschen angeht, die mit uns zusammenarbeiten,» so der Kardinal.

Kommission legt erste Reformen zur Prüfung vor

Wie die Kommission mitteilte, wurden die kirchlichen Leitlinien zum Schutz von Kindern und schutzbedürftigen Erwachsenen von 2011 aktualisiert und nun zur Prüfung verschiedenen Gruppen vorgelegt.

Weiter wurde ein Fonds eingerichtet, um Programme zu Prävention und Betreuung von Missbrauchsopfern in ärmeren Teilen der Welt zu ermöglichen. Finanzstärkere Bischofskonferenzen, wie etwa die italienische, zahlen darin ein. Pilotprojekt ist die katholische
Kirche in Ruanda.

Zudem verabschiedete die Kommission einen Fünf-Jahres-Strategieplan mit Zielen und Leistungsparametern, um den Fortschritt zu messen und Rechenschaft vor den Interessensgruppen ablegen zu können (kna)

Kardinal Sean Patrick O´Malley, Erzbischof von Boston, in der Kapuzinerkutte. | © KNA
9. Mai 2023 | 11:27
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