Trauer um Alois Albrecht: Er wollte sich noch zu Franz Sabo und Röschenz äussern
Der ehemalige Generalvikar des Erzbistums Bamberg, Alois Albrecht, ist im Alter von 86 Jahren gestorben. Am Sonntag wollte er sich gegenüber kath.ch zum Fall Röschenz und Franz Sabo äussern. Mit Liedern wie «Kleines Senfkorn Hoffnung» und «Unser Leben sei ein Fest» machte er sich unsterblich.
Raphael Rauch
«Ich bin zur Zeit noch in Reha. Am 27.11. werde ich sicher entlassen sein. Sie könnten mich dann am Kunigundendamm 18 besuchen. Zeit: 16.00 Uhr.» Das war die letzte E-Mail, die kath.ch von Alois Albrecht erhalten hat. Die E-Mail datierte vom 7. November. Alois Albrecht wusste, dass es ihm gesundheitlich nicht mehr gut ging. Aber er war voller Hoffnung.
Alois Albrecht war Franz Sabos Generalvikar
Zu der geplanten Begegnung an diesem Sonntag kommt es nicht mehr. Für das Treffen hätte es zwei Gründe gegeben. Zum einen ein Wiedersehen – Alois Albrecht kannte den Verfasser dieser Zeilen als kleinen Jungen in Bolivien. Albrecht hatte sich bis zuletzt im Missionskreis Ayopaya engagiert, der kirchliche Hilfsprojekte in Cochabamba unterstützt.
Zum anderen ist da aber noch der Fall Röschenz und die Kontroverse um Franz Sabo. Sabo ist Priester des Erzbistums Bamberg und kam laut eigenen Angaben aus privaten Gründen in die Schweiz.
Franz Sabo über Alois Albrecht: «Äusserst korrekt»
Bistumswechsel sind eher ungewöhnlich. Für Alois Albrecht, der seit 1990 Generalvikar des Erzbistums Bamberg war und somit praktisch alles über die Diözese wusste, gab es rund um Franz Sabo und den Fall Röschenz noch etwas, was ihm auf dem Herzen lag. Das wollte er kath.ch erzählen – doch geplante Telefonate und Treffen musste er aus gesundheitlichen Gründen immer wieder verschieben.
Was Alois Albrecht über Franz Sabo noch loswerden wollte, kann sich Sabo nicht erklären: «Über derart mediale Fähigkeiten verfüge ich nicht», teilt Sabo kath.ch mit. «Ich habe Alois Albrecht nur einmal kurz amtlich getroffen, als er den Entscheid seines verstorbenen Vorgängers umsetzte, mich in die Schweiz ziehen zu lassen – ungern, aber äusserst korrekt.»
«Die Sache Jesu braucht Begeisterte»
Alois Albrecht hat mit dem «Neuen Geistlichen Lied» Kirchengeschichte geschrieben. Er wurde auch «Poet des Dombergs» genannt, schliesslich stammen von ihm populäre Lieder wie «Kleines Senfkorn Hoffnung», «Unser Leben sei ein Fest» und «Die Sache Jesu braucht Begeisterte».
Alois Albrecht verstand sich als Reformer und rief erst vor einem Jahr dazu auf: «Unsere kirchlichen Oberen sollten den Mut haben, Katechismus und Kirchenrecht für die heutige Zeit und Situation der Kirche weiterzudenken, weiter zu entwickeln und fruchtbar zu machen.» Es bedürfe eines Umdenkens weg vom «weiter so».
Jugendsynode zur Vorbereitung der Synode 72
Als Jugendseelsorger hatte er 1970 eine Jugendsynode zur Vorbereitung auf die Synode der westdeutschen Bistümer in Würzburg organisiert (1971–1975).
Geboren im schwäbischen Backnang, aufgewachsen in Bayreuth, ging Albrecht nach dem Abitur ins Priesterseminar und empfing 1962 die Priesterweihe. Nach Jahren der Seelsorge als Kaplan und Pfarrer wurde er 1987 Domkapitular. Erzbischof Elmar Maria Kredel ernannte ihn 1990 zum Generalvikar. In diesem Amt diente er auch Kredels Nachfolgern Karl Braun und Ludwig Schick bis 2006.
Kritik an der monarchischen Struktur der Kirche
Im September 2019 hatte Alois Albrecht sein literarisch-musikalisches Kirchenstück «Wir haben einen Traum» veröffentlicht. Darin plädierte der Protonotar für Reformen wie die Aufhebung des Pflichtzölibats.
«Die Verfassung der Kirche stimmt einfach nicht», sagte er einmal im Gespräch mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Man könne Menschen in einer demokratischen Gesellschaft nicht mit einem monarchisch-hierarchischen Kirchenbild überzeugen. «Die Kirche ist nicht mehr inkulturiert.» Sie müsse von unten her gedacht werden. Die Gemeinden bräuchten mehr Verantwortung.
Synodaler Weg als Hoffnungsschimmer
Ausserdem müsse mehr auf die Besonderheiten in einzelnen Ländern Rücksicht genommen werden, so Albrecht damals. «Eine deutsche Kirche ist keine indische Kirche, keine polnische Kirche und gar keine italienische Kirche.» Den Synodalen Weg wertete Alois Albrecht als Hoffnungsschimmer.
Den Zölibat machte der ehemalige Generalvikar mitverantwortlich für sexuellen Missbrauch durch Priester. «Jeder Mensch hat eine bestimmte Sexualität und die möchte ausgelebt werden.» Er selbst habe früher oft bei Anschuldigungen gegen Priester solche Taten nicht für möglich gehalten. «Ich habe das nicht geglaubt, ich habe es nicht glauben können, weil wir so erzogen waren.» Man habe damals solche Fälle im kirchlichen Bereich klären wollen.
Seine Lieder füllten die Herzen
Eines der bekanntesten Lieder von Alois Albrecht lautet «Kleines Senfkorn Hoffnung». Die letzte Strophe lautet: «Kleines Wörtchen Hoffnung, mir umsonst geschenkt, werde ich dich singen, dass dich jeder hört, dass du wirst zum Liede, das die Herzen füllt, Freude weckt in allen, allen, die in Schmerzen sind.»
Mit seinen Worten der Hoffnung und seinen die Herzen füllenden Liedern hat Alois Albrecht zu einer Inkulturation der Kirche nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil beigetragen. Er wird fehlen. Seine Lieder bleiben: «Unser Leben sei ein Fest – in dieser Stunde und jedem Tag.»
(mit Material von kna)
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