Weihbischof Josef Stübi
Schweiz

«Transparenz stösst an Grenzen»: Weihbischof Josef Stübi

Jahrhundertelang hat die Kirche Missstände vertuscht – insbesondere in Sachen Missbrauch. Deshalb brauche es nun Transparenz, hat jüngst der neu gewählte Präsident der Schweizer Bischofskonferenz, Bischof Charles Morerod, in einem Interview mit kath.ch gefordert. Ist diese Transparenz denn bei allen Bischöfen angekommen? Medienbischof Josef Stübi nimmt Stellung. Kurz.

Wolfgang Holz

«Was mich betrifft, so ist es mir seit langem ein Anliegen, unabhängige Instanzen, die auf Wunsch von Opfern gegründet wurde, und die Zusammenarbeit mit der Polizei sowie die Ausbildung zur Prävention zu fördern. Wir brauchen Transparenz nach Jahrhunderten der Vertuschung», unterstreicht Bischof Charles Morerod neulich nach seiner Wahl zum Präsidenten der Schweizer Bischofskonferenz (SBK) in einem Interview mit kath.ch.

Vertrauen der Gläubigen zurückgewinnen

Er verspricht sich mittels solcher Massnahmen, insbesondere durch Transparenz angesichts des Missbrauchsskandals und der massiven Kirchaustrittswelle in der Schweiz, das Vertrauen der Gläubigen zurückgewinnen zu können.

Charles Morerod mit nachdenklicher Geste.
Charles Morerod mit nachdenklicher Geste.

Im Jahr 2023 sind laut dem Schweizerischen Pastoralsoziologischen Institut (SPI) in St. Gallen 67’497 Personen aus der römisch-katholischen Kirche ausgetreten. Das sind rund doppelt so viele Menschen wie im Vorjahr. Der Missbrauchsskandal, der mit der Pilotstudie der Universität Zürich bekannt wurde, hatte also verheerende Auswirkungen.

Apropos jahrelangem Missbrauch und jahrelanger Vertuschung in der katholischen Kirche. Da fragt man sich: Inwiefern ist dieses Gebot der Transparenz denn in der gesamten Schweizer Bischofskonferenz angekommen oder gar etwas ganz Neues?

«Selbstverständlich!»

Denn selbstverständlich ist Transparenz unter den Schweizer Bischöfen in den vergangenen Jahren in Sachen der Missbrauchsverarbeitung nicht gewesen. Das räumte etwa St. Gallens Bischof Markus Büchel bei der SPI-Präsentation der Kirchenaustrittszahlen ein: Die Austritte infolge der Missbrauchsstudie seien aus «Empörung und Entrüstung» auch über die Bischöfe geschehen.

Die Schweizer Bischofskonferenz 2024 in St. Gallen
Die Schweizer Bischofskonferenz 2024 in St. Gallen

«Selbstverständlich ist diese Transparenz in Bezug auf die Missbrauchsfälle in der ganzen Schweizer Bischofskonferenz angekommen», versichert Weihbischof Josef Stübi auf Nachfrage von kath.ch, mit Ausrufezeichen. «Diese Transparenzforderung ist nicht neu. Aber Transparenz stösst an Grenzen, wenn es um den Schutz von Daten und Persönlichkeitsrechten geht. Das hat aber ausdrücklich nichts mit Vertuschung zu tun», gibt Stübi zu bedenken.

«Transparenz ist wichtig, aber…»

So weit so gut. Soll es für diese bischöfliche «Glasnost» künftig spezielle institutionalisierte Informationskanäle geben? Und ist mit selbstverständlicher Transparenz gemeint, dass die Bischöfe in Zukunft einfach von sich aus, ohne Druck von aussen sozusagen, in Zukunft über Missbrauchsfälle sowie über Präventions- und disziplinarische Massnahmen informieren? Nicht zuletzt wurden ja bekanntlich sechs Schweizer Bischöfe vom Vatikan wegen ihres Umgangs in Missbrauchsfällen gerügt.

Weihbischof Josef Stübi
Weihbischof Josef Stübi

«Was meinen Sie mit «institutionalisierten Informationskanälen»? Transparenz ist wichtig – aber unter Einhaltung bestimmter gesetzlicher und medienethischer Regeln», zeigt sich Weihbischof Josef Stübi sichtlich irritiert.

Desinteressierte Medien?

Sagt es und rechtfertigt die bisherige Praxis der Schweizer Bischofskonferenz in Sachen Missbrauchskommunikation. O-Ton Stübi: «Im Laufe dieses Jahres gab es zwei ausführliche Medienmitteilungen zum Stand der Aufarbeitung von Meldungen zu sexuellen Übergriffen und zur Präventionsarbeit im Bistum Basel – und weitere werden zu gegebener Zeit kommen. Wenn die Medien – wie übrigens auch kath.ch – diese nicht rezipieren, ist das deren Problem.»

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Aber ist mit dieser Transparenzforderung auch ein Aufruf der Schweizer Bischöfe gekoppelt, sich allenfalls auch für die Öffnung bislang noch nicht zugänglicher Archive einzusetzen?

«Verstösst gegen internationales Recht»

«Hier müsste ich wissen, von welchen Archiven die Rede ist», antwortet Weihbischof Josef Stübi auf die Frage von kath.ch. «Wenn damit die Archivöffnung der Nuntiatur in Bern gemeint ist: Dies würde gegen das internationale Recht verstossen» erklärt der Medienbischof. Das Wiener Übereinkommen über diplomatische Beziehungen vom 18. April 1961 halte fest, dass die Archive und Schriftstücke unverletzlich sind und daher nicht eingesehen werden können. «An diesem Recht kann auch eine Nuntiatur als Botschaft des Heiligen Stuhles nicht rütteln.»


Weihbischof Josef Stübi | © Flavia Müller Fotografie
16. Dezember 2024 | 12:00
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