Schweiz

Theologische Fakultät greift wegen Homophobie durch

Die Theologische Fakultät Freiburg suspendiert ab sofort eine Lehrbeauftragte. Sie soll an ihrem Kurs über sexuelle Ethik Homosexuelle als krank bezeichnet und Adressen von Therapiezentren zur «Heilung» empfohlen haben. Die Universität untersucht nun den Fall.

Am Dienstagabend fand eine Kundgebung vor der Universität statt. Zwischen 100 und 150 Personen, darunter auch Theologieprofessoren, protestierten gemäss Medienberichten gegen die Anstellung der Lehrbeauftragten, die ihre Vorlesung in der französisch-sprachigen Abteilung der Fakultät hielt. Auf Plakaten war unter anderem zu lesen: «Homophobie ist keine Einstellung, sondern Gewalt.»

Öffentlich ins Rollen brachte den Fall ein anonymer Beitrag, der in der September-Nummer der Studierenden-Zeitschrift «Spectrum» erschien. Die Lehrperson wurde dort scharf angegriffen, wie die Theologische Fakultät in einer Mitteilung von Mittwoch schreibt. Die Lehrbeauftragte habe in ihrem Kurs im Herbstsemester 2017 über «Christliche Sexualethik» mit ihren Äusserungen im Zusammenhang mit dem Genderdiskurs und der Homosexualität das Nichtdiskriminierungsprinzip verletzt und Homophobie betrieben.

Spiritueller Missbrauch

Die Theologische Fakultät nehme die anonymen Vorwürfe ernst und werde sie gründlich untersuchen. «Denn ‘Homophobie’ widerspricht nicht nur dem Selbstverständnis unseres Rechtsstaates und den Qualitätskriterien akademischer Lehre, sondern auch den Prinzipien einer guten Theologie auf dem Boden des Zweiten Vatikanischen Konzils, die für Lehre und Forschung an unserer Fakultät verbindlich sind», heisst es in der Mitteilung.

Die Fakultät betont weiter, dass in der katholischen Tradition die Homosexualität nicht als Krankheit betrachtet werde, die man mit «Therapien» behandeln sollte. Diese Aussagen, «die den Kern der aktuellen Polemik bilden», seien in keiner Weise Teil der Lehre der katholischen Kirche. Sie seien eher «Ausdruck jener spiritueller Missbräuche, die von Papst Franziskus kritisiert werden», so die Medienaussendung.

Fakultät behält sich weitere Schritte vor

Nach Rücksprache mit der Lehrperson, die als Lehrbeauftragte ohne festes Anstellungsverhältnis an der Fakultät alle zwei Jahre eine solche Vorlesung halte, wurde die laufende Vorlesung in diesem Semester suspendiert, heisst es im Schreiben der Fakultät.

Sollten sich die Vorwürfe erhärten, was mit der Suspendierung des laufenden Kurses in keiner Weise präjudiziert werde, werde die Fakultät «die nötigen Massnahmen» ergreifen. Die Mitteilung der Fakultät ist von Dekan Mariano Delgado gezeichnet.

Die anonyme Aussage

Bei einem Anlass der Studierendenorganisation «Lago», die sich für die Rechte von Homo-, Bi- sowie Transsexuellen und Menschen mit anderen sexuellen Ausrichtungen einsetzt, war die Co-Chefredaktorin von «Spectrum» auf die Vorwürfe aufmerksam geworden. Die Auskunftsperson wollte «Spectrum» jedoch nur anonym Auskunft geben, da sie noch studiere und Repressalien befürchte, heisst es einem Beitrag der «Freiburger Nachrichten» von Dienstag.

Wenn es stimme, dass die Lehrperson diese Äusserungen gemacht habe, dann verstosse das klar gegen die Statuten der Universität, sagt Rektorin Astrid Epiney gegenüber der Zeitung. In diesen sei festgehalten, dass die Universität Freiburg «in all ihren Tätigkeiten dem Grundsatz der Nichtdiskriminierung verpflichtet» sei. (gs)

Seelsorge für Homosexuelle | © Georges Scherrer
9. Oktober 2019 | 15:09
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