Tessiner Priester bitten um Verzeihung für allfällige Verletzungen
Die Kleriker des Bistums Lugano haben sich Anfang Woche ausgetauscht. Nun bitten sie die Gläubigen um Verzeihung, «wenn wir euch manchmal mit Worten oder Gesten verletzt haben.» Von «Missbrauch» und dem jüngsten Fall des Priesters D.L. ist nicht die Rede.
Regula Pfeifer
«Wir haben für euch das Geschenk der Weihe empfangen, das uns übertrifft, und sind uns unserer menschlichen Schwäche bewusst», heisst es in der Botschaft der Priester und Diakone der Diözese Lugano sowie von Bischof Alain de Raemy.
Diese richteten sie an die Tessiner Katholikinnen und Katholiken nach ihrer Versammlung vom 2. und 3. September. «Wenn wir euch manchmal mit Worten oder Gesten verletzt haben, bitten wir euch demütig um Verzeihung», schreiben sie.
Austausch als neuer Programmpunkt
Die Kleriker haben sich an ihrer Versammlung auch zu ihrer Situation nach der Inhaftierung des Priesters D.L. ausgetauscht. Dies sagte der Versammlungs-Initiator und Koordinator Marco Dania am 31. August gegenüber catt.ch. Es sei eine Phase des gegenseitigen Zuhörens über das Thema «Zerbrechlichkeit» in die Versammlung aufgenommen worden, so Dania. Dies «aufgrund der Ereignisse diesen Sommer und der allgemeinen Entrüstung im Bistum».
«Wir wollen jedem Priester ermöglichen, sich zum Erlebten zu äussern», so Dania im Vorfeld. Und auch zu seinem Alltagsleben, den Beziehungen zu den Laienkatholikinnen und -katholiken, den Jungen und allen.
Priester wollen «pastorale Verantwortung wahrnehmen»
Der Austausch habe ihnen «die Notwendigkeit vor Augen geführt, unseren Dienst in immer grösserer Geschwisterlichkeit untereinander und mit Ihnen zu leben», schreiben die Tessiner Kleriker nun in ihrer Botschaft. Und sie versprechen: «Wir wollen unsere pastorale Verantwortung mit Wahrheit, Demut und Nächstenliebe wahrnehmen.»
Dabei bitten sie die Gläubigen um Unterstützung: «Seid uns immer nahe, offen und kritisch.» Und sie äussern den Wunsch, gemeinsam missionarisch tätig zu sein. «Wir bitten euch uns dabei zu helfen, wahrhaftige und gute Hirten der Herde zu sein, zu der ihr und wir als missionarische Jünger Christi gehören.»
Tabu-Wort «Missbrauch»
Den eigentlichen Grund für Aufruf nennen die Tessiner Kleriker nicht. Kein Wort vom inhaftierten Priester, keine Aussage zur Problematik des sexuellen Missbrauchs ist darin zu lesen. Da war ein Schreiben von Bischof Alain de Raemy leicht deutlicher. Zwar war auch dort nichts über «Missbrauch» zu lesen. Aber – wie in den meisten Tessiner Medien – der Name des inhaftierten Priesters.
Der Priester D.L. wurde am 7. August von der Polizei verhaftet. Er war tags zuvor von einer Pilgerreise mit Jugendlichen der Bistumspastoral zurückgekehrt. Wenige Tage später wurde er in Untersuchungshaft genommen. Gegen den Kleriker ermittelt die Tessiner Staatsanwaltschaft wegen mutmasslichem sexuellem Kindsmissbrauch. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Die Versammlung der Priester des Bistums Lugano fand letzten Montag und Dienstag im «Centro Spazio aperto» in Bellinzona statt. Es war nach 2022 die zweite solche Versammlung. Unter den Referierenden befanden sich Schwester Nathalie Becquart, die Untersekretärin der Weltsynode, sowie der Priester Piero Coda von der Internationalen Theologiekommission, die eine Beratungsfunktion am Heiligen Stuhl hat. (mit Informationen von catt.ch)
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