Schweiz

Stichwort: Eisheilige

Zürich, 11.5.17 (kath.ch) Bauern, Gärtner und Winzer fürchteten sie: Die Eisheiligen, deren Namenstage die katholische Kirche vom 11. bis 15. Mai feiert. Rund um diese Zeit der frostempfindlichen Vegetationsperiode gab es nicht selten nochmals Bodenfrost. In den letzten Jahren sind die Eisheiligen ihrem Ruf jedoch nicht mehr oft gerecht geworden.

Als Eisheilige werden die fünf Heiligen bezeichnet, deren Namenstage die katholische Kirche zwischen dem 11. und 15. Mai feiert. Der Name «Eisheilige» rührt daher, dass häufig Mitte Mai eine Wetterperiode mit Zufuhr arktischer Meeresluft einsetzt, die als kritisch für die Landwirtschaft gilt. An diesen Tagen droht nach den Erfahrungen der Bauern der letzte Frost und damit eine grosse Gefahr für die Ernte.

Die Eisheiligen dauern vom 11. bis 15. Mai. Mammertus (11. Mai) war im fünften Jahrhundert Bischof im französischen Vienne. Pankratius (12. Mai) wurde ein Jahrhundert früher in Rom als Märtyrer hingerichtet, und Servatius (13. Mai) war im vierten Jahrhundert Bischof im belgischen Tongern. Mit dem am 14. Mai gefeierten heiligen Bonifatius ist nicht der als «Apostel der Deutschen» bekannte angelsächsische Benediktinermönch, sondern ein gleichnamiger sizilianischer Märtyrer aus dem vierten Jahrhundert gemeint. Die Mailänderin Sophia (15. Mai), im Volksmund als «kalte Sophie» bekannt, starb im zweiten Jahrhundert in Rom als Märtyrerin.

«Vor Nachtfrost bist du sicher nicht, bevor Sophie vorüber ist.»

Viele Volksweisheiten bezeugen den Respekt der Winzer, Bauern und Gärtner vor den Eisheiligen: «Wenn’s an Pankratius gefriert, so wird im Garten viel ruiniert.» – «Servaz muss vorüber sein, will man vor Nachtfrost sicher sein» oder «Vor Nachtfrost bist du sicher nicht, bevor Sophie vorüber ist» sind nur einige der zahlreichen Bauernregeln zu den Eisheiligen.
Die besondere Bedeutung der Eisheiligen ergab sich aus der Tatsache, dass der Polarlufteinfluss in eine kritische, frostempfindliche Vegetationsperiode fiel, etwa in die Zeit der Obstblüte. In den vergangenen Jahren aber ist die Obstblüte auch wegen des Klimawandels durchschnittlich etwas früher eingetreten, so dass sich nun die Eisheiligen nicht mehr so stark auf die Vegetation auswirken.  Laut Angaben der Wetterforscher sind die Eisheiligen ihrem Ruf in den vergangenen zwei Jahrzehnten immer seltener gerecht geworden.

«Servaz muss vorüber sein, will man vor Nachtfrost sicher sein.»

Dennoch führt das Bundesamt für Meteorologie den Begriff auf seiner Website auf und schreibt dazu: «Auch wenn die Eisheiligen im strengen Sinne der Überlieferung mit häufigem Bodenfrost um ein bestimmtes Datum im Mai im Schweizer Flachland kein eindeutiges Klimaphänomen darstellen, so tritt Bodenfrost im Mai insgesamt dennoch regelmässig auf. Im überwiegenden Teil der Jahre weist die Messreihe in Payerne VD zumindest an einem bis zwei Tagen im Mai Bodenfrost auf. In knapp der Hälfte der Jahre gibt es im Mai mehr als zwei Tage mit Bodenfrost.» (kna/sys)

Eiszapfen | © pixabay.com CC0
11. Mai 2017 | 07:00
Teilen Sie diesen Artikel!