Wahlkampfplakat in Hergiswil.
Schweiz

«Stammtischaufsatz»: Stephan Schonhardt kritisiert Martin Kopp als «Spalter und Hetzer»

Im Hergiswiler Wahlkampf um den Kirchenrat ist ein brisanter Brief von 2019 aufgetaucht. Darin nennt der heutige Pfarrer Stephan Schonhardt den damaligen Generalvikar Martin Kopp einen «Spalter und Hetzer». Schonhardt bedauert seine damaligen Äusserungen – und lobt den ehemaligen Churer Bischof Vitus Huonder.

Thomas Vaszary 

Der Wahlkampf um den Kirchenrat und das Präsidium in Hergiswil nimmt immer groteskere Züge an. kath.ch berichtete am Dienstag über die Urnenwahl am 15. Mai. Im Zentrum stehen der amtierende Kirchenratspräsident Martin Dudle-Ammann und Herausforderer Daniel Sarbach.

Die reformierte Kirchenpflege schweigt

Sowohl der katholische Pfarrer Stephan Schonhardt als auch der neue reformierte Pfarrer Tobias Winkler leisten auf Plakaten Wahlkampf-Hilfe für den bestehenden Kirchenrat. Vor allem die Rolle der Reformierten wirft Fragen auf: Warum mischt sich ein reformierter Pfarrer in einen katholischen Wahlkampf ein? Die Evangelisch-Reformierte Kirche Nidwalden schweigt und verweist auf die Kirchenpflege Hergiswil. Doch auch diese will sich nicht äussern.

Der Priester Stephan Schonhardt im Frühjahr 2021.
Der Priester Stephan Schonhardt im Frühjahr 2021.

Nun ist ein brisanter Brief aufgetaucht. 2019 schrieb der damalige Vikar und heutige Pfarrer Stephan Schonhardt an den Hergiswiler Journalisten Kurt Liembd. Darin äussert sich Schonhardt über Martin Kopp, den damaligen Generalvikar der Urschweiz. Kopp war zu diesem Zeitpunkt auch Pfarradministrator der Gemeinde Hergiswil. Dort versuchte Kopp nach vielen Abgängen und Wechseln einen Neustart zu lancieren. Vorgesehen dafür war der 2018 vom damaligen Bischof Vitus Huonder zum Priester geweihte Stephan Schonhardt. 

Lob für Vitus Huonder

Im Brief vom 6. Juni 2019 greift Schonhardt zur Keule und schreibt, er nehme Kopp als gespaltete Person wahr, die mit gespaltener Zunge spreche. Kopp zeige narzisstische Züge, sei ein ausgesprochener Machtmensch, der sich als unfehlbar und herausragend darstelle. 

Martin Kopp (links) und sein Nachfolger als Generalvikar, Peter Camenzind.
Martin Kopp (links) und sein Nachfolger als Generalvikar, Peter Camenzind.

Kopp sei ein «Spalter und ein Hetzer, der nicht nach Versöhnung sucht». Schonhardt weiter: «Kopp kritisiert und verunglimpft den Bischof Huonder, weil dieser an der Lehre der Kirche festhält. Martin Kopp dagegen ist alles egal. Selbst seine Heiligen Messen entsprechen in Teilen nicht den Vorschriften und dem Messbuch. Er lässt einfach Dinge weg. Das geht einfach nicht.» Kopps Predigten seien überwiegend inhaltlich und spirituell nichtssagend, schreibt Schonhardt, und bezeichnet Bischof Huonders Predigten theologisch reichhaltig und fundiert. 

«Stammtischaufsatz»

Werner Marti, pensionierter Gemeindeschreiber von Hergiswil, konfrontierte letztes Jahr den Kirchenrat mit diesem Brief und bezeichnete die Aussagen Schonhardts «eines Priesters unwürdig». In einem sechsseitigen Antwortschreiben nannte der Kirchenrat Marti einen selbsternannten Richter und versuchte die Äusserungen Schonhardts abzuschwächen. 

Schonhardts Herz habe auf der Zunge gelegen, schrieb der Kirchenrat, und gab zu, das Schreiben sei leider teilweise verfasst im Stil eines «Stammtischaufsatzes» mit unangebrachten und überzeichneten Formulierungen.

Was denkt Pfarrer Stephan Schonhardt heute über seinen Brief von 2019? Über seinen Anwalt lässt Stephan Schonhardt mitteilen:

Stellungnahme von Stephan Schonhardt

«Das damalige Schreiben habe ich nicht in meiner Funktion als Vikar geschrieben, sondern als Privatperson. Die darin enthaltene Meinung entsprach meiner Meinung als Privatperson. Inhaltlich bezog ich im privaten Brief Stellung zu einem damaligen Zeitungsartikel des Tagesanzeigers vom 24.05.2019. 

Der ehemalige Bischof Huonder wurde in jenem Artikel negativ und einseitig dargestellt. Bischof Huonder war und ist für mich persönlich eine Person mit Vorbildfunktion mit vielen positiven Eigenschaften. Schliesslich hat er mich auch geweiht. Er hat meine Einstellung zur Kirche und zum Leben massgebend mitgeprägt. Diese Bewunderung führte dazu, dass ich damals naturgemäss auf die Vorlage dieses Artikels sehr emotional reagierte. 

Vitus Huonder hängt in der Ahnengalerie im Rittersaal des bischöflichen Schlosses in Chur.
Vitus Huonder hängt in der Ahnengalerie im Rittersaal des bischöflichen Schlosses in Chur.

Hinzukam, dass Herr Kopp vor meinem Antritt in Hergiswil und hinter meinem Rücken versuchte, meine Anstellung als Pfarrer zu verhindern, obwohl er mir gegenüber sich nie in diese Richtung äusserte. Dieses Verhalten löste nachvollziehbarerweise auf meiner Seite keine Sympathie aus. Ich möchte anmerken, dass Herr Kopp später wegen seines Verhaltens fristlos entlassen wurde. 

Der Brief war nie für die Öffentlichkeit bestimmt. Eine Bitte um Entschuldigung habe ich bereits vor einem Jahr ausgesprochen. In der Sache bin ich heute wie auch damals klar der Auffassung, dass Herr Kopp und ich nicht die gleiche Einstellung zur Kirche teilen.»

Vitus Huonder war bis 2019 Bischof von Chur. Seitdem lebt er in einem Knabeninstitut bei den schismatischen Piusbrüdern, wo er die Messe nur noch auf Latein feiert.

50 Jahre Priester: Altbischof Vitus Huonder feiert mit den Piusbrüdern.
50 Jahre Priester: Altbischof Vitus Huonder feiert mit den Piusbrüdern.

Martin Kopp sagte zu kath.ch, er wolle sich nicht in einen laufenden Wahlkampf einmischen und werde sich daher jetzt nicht zu Schonhardts Brief äussern. Ob er dies nach den Wahlen am Sonntag tun werde, liess Kopp offen.


Wahlkampfplakat in Hergiswil. | © Thomas Vaszary
12. Mai 2022 | 18:02
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