Astrid Kaptijn  | © Georges Scherrer
Schweiz
Astrid Kaptijn | © Georges Scherrer

«Staat und Gesellschaft brauchen mehr Theologinnen»

Freiburg, 8.3.18 (kath.ch) Nur kein neues Konzil mit dem Thema «Frau»! Es muss schneller gehen, sagt die Kirchenrechtlerin und Vize-Rektorin der Universität Freiburg, Astrid Kaptijn. Zum «Internationalen Tag der Frau» am 8. März startet die Theologische Fakultät eine Sensibilisierungskampagne bei jungen Frauen. Ihnen wird ein Theologiestudium ans Herz gelegt.

Georges Scherrer

Der Internationale Tag der Frau weist aus der Sicht der Vize-Rektorin auf die spezielle Situation hin, dass die Gleichheit zwischen den Geschlechtern noch nicht überall realisiert ist. Zudem rege die Theologie junge Frauen nicht genügend zu einem Studium an. Lediglich ein Drittel der Studierenden an der Fakultät in Freiburg seien Frauen.

Die gebürtige Holländerin und nach Rektorin Astrid Epiney zweite Frau in der Leitung der Freiburger Hochschule sucht nach Gründen für dieses Desinteresse. Möglicherweise habe dies damit zu tun, dass die katholische Kirche das Gefühl vermittle, eine von Männern bestimmte Einrichtung zu sein. Die Kampagne soll dazu beitragen, dass Mädchen und Frauen ein anderes Bild von Kirche erhalten.

«Frauen haben ihren Platz nicht nur in Klöstern.»

«Frauen haben in der Kirche ihren Platz nicht nur in Klöstern», sagt Kaptijn mit Bestimmtheit. Die Kirche biete vielmehr eine ganze Palette an Berufsmöglichkeiten für Frauen an. Und auch ausserhalb der Kirche gebe es Anstellungsmöglichkeiten auf hohen Posten. Sie selber sei der lebende Beweis, schmunzelt die Vize-Rektorin.

Nun wolle sie in einem ersten Schritt die Frauenförderung an der theologischen Fakultät vorantreiben. Ein Hindernis könnte natürlich die katholische Kirche selber sein. Denn die wichtigsten Weiheämter sind den Männern vorbehalten. Das könnte Frauen von einem Theologiestudium abschrecken, sagt Kaptijn.

Theologie als idealer Einstieg ins Berufsleben

Astrid Kaptijn sieht dieses Verbot aber etwas differenzierter: Diese Beschränkung könnte zwar dazu führen, dass Frauen dem Theologiestudium ausweichen. Die Professorin für kanonisches Recht beobachtet aber an der Fakultät, dass diese Diskussion bei den Studentinnen nicht im Vordergrund stehe.

Die jungen Frauen sähen vielmehr die Möglichkeit, dass sich das Theologiestudium fächerübergreifend mit anderen Studienrichtungen verbinden lasse. Die Vize-Rektorin nennt die Theologie einen idealen Einstieg in das Berufsleben. Die Frauen verabschiedeten sich mit einem breiten Grundwissen von der Universität, zahlreiche interdisziplinäre Weiterbildungen öffneten verschiedene Perspektiven. «Ich denke, diese Vielfalt ist etwas, das Frauen sehr stark interessieren kann», meint die Vize-Rektorin.

Möglichkeiten, Verantwortung zu übernehmen

Das Theologiestudium werde vordergründig mit einer Arbeit in der Kirche verbunden. Dort gebe es viele Jobs, etwa als Pastoralassistentin, Gemeindeleiterin, Religionslehrerin, Seelsorgerin in nicht kirchlichen Einrichtungen wie Spitälern. Auch Hilfswerke suchten Theologinnen. Die Kirche Schweiz biete Frauen die Möglichkeit, in den Ordinariaten oder Bischofsvikariaten Verantwortung zu übernehmen, etwa als Kanzlerin oder Regionalverantwortliche.

Die Gesellschaft braucht Theologinnen.

Mit dem Studium allein ist es aber nicht getan. Wer als Theologin ausserhalb der Kirche einen Job suche, «muss man kreativ sein», bemerkt Kaptijn. Die Gesellschaft brauche aber Theologinnen und es wäre zudem «sehr gut, wenn der Staat mehr Theologinnen anstellt». Theologinnen würden «breite Kompetenzen» und das Gespür für Menschen in ihrem Portfolio mitführen.

An die Freiburger Kirchenrechtlerin geht die Frage, ob der «Internationale Tag der Frau» auch dazu anregt, im Kirchenrecht über die Bücher zu gehen und zu schauen, welche Rolle dieses der Frau zukommen lässt. Es sei schon einiges geschehen, beschwichtigt die Theologin. In der katholischen Ehe sei heute die Frau dem Mann mit den denselben Rechten und Pflichten gleichgestellt.

Über die Rolle der Frau in der Kirche Schweiz nachdenken

Die Lehre vom Zweiten Vatikanischen Konzil sei jedoch im Kirchenrecht noch nicht völlig umgesetzt. Das Konzil machte die Rolle der «Laien» in der Kirche zum Thema. Braucht es also ein neues Konzil, welches die Rolle der Frauen in der Kirche aufnimmt? Die Theologin winkt entsetzt ab: «Das Thema muss jetzt angegangen werden! Wenn wir auf ein neues Konzil warten, welches das Thema Frau wirklich ausarbeitet, dann wird es noch lange dauern.» Die neue Informationskampagne könne schon einmal die Kirche Schweiz dazu anregen, über die Rolle der Frau in ihren eigenen Reihen nachzudenken.

Vorerst will die Theologische Fakultät mit einem Flyer an die Schulen in der Schweiz gelangen, der die Schülerinnen über die Möglichkeiten des Theologiestudiums orientiert. Ein entsprechender Auftritt ist in den Social Media vorgesehen. Und nicht zuletzt stehen Mitglieder des Lehrkörpers der Fakultät zur Verfügung, um auf Anfrage mit den Klassen zu reden. Denn es sei wichtig, «dass die Leute uns sehen.»

 

Studentinnen an der Universität Luzern | © PH Luzern
Studentinnen an der Universität Luzern | © PH Luzern
Die bekannte Theologin Jacqueline Straub möchte Priesterin werden. | © Hans Merrouche
Die bekannte Theologin Jacqueline Straub möchte Priesterin werden. | © Hans Merrouche
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