Bischof Jean-Marie Lovey - an der Pressekonferenz über Massnahmen gegen Missbrauch, 11. Juni 2024 in Sitten.
Schweiz

Spät geht auch Bischof Lovey gegen Points-Cœur vor

Vor einem Jahr hat der Vatikan verboten, mit der NGO Points-Cœur zusammenzuarbeiten. Erst jetzt spricht der Bischof von Sitten, Jean-Marie Lovey, dieses Verbot aus. Der Westschweizer Bischof Charles Morerod hat dies bereits im März getan – und eine bistumsinterne Untersuchung in Auftrag gegeben.

Im Bistum Sitten darf es ab sofort keine Werbung für die Aktivitäten von Points-Cœur geben. Das schreibt der Bischof von Sitten, Jean-Marie Lovey, in einem Brief an seine Pastoralbeauftragten.

Keine Räume für Points-Cœur

Kirchen, Kapellen und Gemeinderäume dürften nicht mehr von Points-Cœur genutzt werden. Und niemand dürfe im Namen der Kirche auf eine Points-Cœur-Mission geschickt werden. Und auch die menschlichen, sozialen und anderen Netzwerke der katholischen Kirche dürften nicht mehr zur Unterstützung von Points-Cœur genutzt werden.

Die Basilika Notre-Dame von Valeria thront auf einem Burghügel bei Sitten.
Die Basilika Notre-Dame von Valeria thront auf einem Burghügel bei Sitten.

Die Nachfolge-NGOs der Points-Cœur-Vereinigungen selbst dürfen sich «keinesfalls als religiöse Gemeinschaften darstellen oder Aktivitäten kirchlicher Natur anbieten», betont Lovey.

Keine Verantwortung für Missionseinsätze

Das Bistum lehnt auch jede rechtliche, kirchenrechtliche und menschliche Verantwortung für Probleme ab, denen junge Katholikinnen und Katholiken während eines Einsatzes bei der NGO Points-Cœur begegneten, heisst es weiter.

Zu diesem Schritt hat sich Lovey nach Anhörung von ehemaligen Mitarbeitenden von Points-Cœur entschlossen. Diese hätten die Fallstricke beschrieben, in die sie geraten waren.

Das Schreiben des Staatssekretäts

Mit der neuen Vorgabe reagiert Lovey auch – mit einem Jahr Verspätung – auf ein Schreiben von Pietro Parolin, dem Kardinalstaatssekretär des Vatikans, vom August 2023. Parolin erinnerte damals an die schweren und langanhaltenden Verfehlungen von Points-Coeur. Dass ihr Gründer Thierry de Roucy 2018 aus dem Klerikerstand entlassen wurde. Und der Vatikan die dazugehörigen Molokau-Priesterbruderschaft und Dienerinnen der Gegenwart Gottes aufgelöst habe. Points-Coeur hatte sich in eine NGO umgewandelt. Nun gebe es keine kirchenrechtliche Verbindung mehr zur katholischen Kirche, so Parolin.

Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin – hier auf Schweiz-Besuch, 2021
Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin – hier auf Schweiz-Besuch, 2021

Bischof Lovey macht die neue Vorgabe im Bewusstsein, dass einige Walliserinnen und Walliser im Dienst von Points-Cœur für die Armen dieser Welt «schöne Erfahrungen gemacht haben, die sogar für ihr Leben entscheidend waren», wie er schreibt.

Bischof Morerod regierte im März

Mit dieser Aufforderung schliesst sich der Bischof Jean-Marie Lovey dem Bischof von Lausanne, Genf, Freiburg an. Bischof Charles Morerod hatte bereits im März den kirchlichen Organisationen und Netzwerken seines Bistums verboten, mit Points-Cœur zusammenzuarbeiten.

Auch er war von ehemaligen Mitgliedern gewarnt worden. Morerod beauftragte zudem die diözesane Präventionsbeauftragte Mari Carmen Avila, die Aktivitäten von Points-Cœur zu untersuchen. (cath.ch/rp)


Bischof Jean-Marie Lovey – an der Pressekonferenz über Massnahmen gegen Missbrauch, 11. Juni 2024 in Sitten. | © Barbara Ludwig
30. August 2024 | 14:03
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