Ausland

Schweizergardisten ziehen sich für Exerzitien zurück

Die Fastenzeit lädt ein, innezuhalten und sich mit dem christlichen Glauben auseinanderzusetzen. In der Schweizergarde wird dem auch heute noch nachgelebt. Geistliche Inputs für die sogenannten Exerzitien liefert dieses Jahr unter anderen der Churer Weihbischof Marian Eleganti.

Barbara Ludwig

Jedes Jahr organisiert die päpstliche Schutztruppe in der vorösterlichen Busszeit Exerzitien für ihre Mitglieder. Dabei ziehen sich die Schweizergardisten für einige Tage an einen ruhigen Ort zurück.

Es ist eine lange Tradition. «Berichte zu den Exerzitien gehen auf das Jahr 1828 zurück», teilt Sprecher Urs Breitenmoser auf Anfrage von kath.ch mit. Man sei aber überzeugt, dass Exerzitien schon früher stattfanden. Die Garde blicke schliesslich auf eine über 500-jährige Geschichte zurück.

Glauben vertiefen und festigen

Die Besinnungstage seien für die Garde wichtig, um den Glauben zu vertiefen und zu festigen. «Der Dienst an Papst und Kirche verlangt, sich ständig mit dem Glauben auseinanderzusetzen», erklärt Breitenmoser, der auch Wachtmeister bei der Schweizergarde ist. An drei Tagen könnten die Gardisten «vom Alltagsstress Abstand nehmen», neue Kraft schöpfen und sich von geistlichen Impulsen der Exerzitienmeister inspirieren lassen.

Die Exerzitien beginnen am Aschermittwoch und finden – gestaffelt für die drei Geschwader der Truppe – während drei Mal drei Tagen statt. Damit die Gardisten den spirituellen Impulsen folgen können, werden laut Breitenmoser Sprachgruppen gebildet.

Schweizergardisten im Gebet

«Wir werden mit italienischer Küche verwöhnt.»

Nicht zu kurz kommt – Fastenzeit hin oder her  – das leibliche Wohl. «Natürlich erholen wir uns in diesen Tagen auch mit genügend Schlaf. Und wir werden mit guter italienischer Küche verwöhnt.»  Die Exerzitien finden ausserhalb des Vatikans südöstlich von Rom in den Albaner Bergen statt. Ein Kloster in der Kleinstadt Frascati, die für ihren gleichnamigen Weisswein berühmt ist, wird die Gardisten während der Besinnungstage beherbergen.

Kein Novum für Eleganti

Der Churer Weihbischof Marian Eleganti, hier mit jungen Frauen am Weltjugendtag 2019 in Panama

Die geistlichen Übungen werden jeweils vom Gardekaplan organisiert, der auch die Exerzitienmeister einlädt. Dieses Jahr wirkt der Churer Weihbischof Marian Eleganti als einer von drei Exerzitienmeistern mit. Das tut er laut dem Sprecher der Garde nicht zum ersten Mal. Man habe ihn in der Vergangenheit immer wieder angefragt.

Als Benediktinermönch, ehemaliger Novizenmeister mit entsprechender Menschenkenntnis und «tiefem geistlichem Hintergrund» sei er für diese Aufgabe bestens geeignet. Eleganti war während acht Jahren Jugendbischof für die Deutschschweiz. Er ist Mitglied der Abtei St. Otmarsberg im sankt-gallischen Uznach.

Mitinitiant von «Mission Manifest» engagiert

Karl Wallner

Die Garde versucht laut Breitenmoser jeweils, Priester und Bischöfe aus der Schweiz als Exerzitienmeister zu gewinnen. Dieses Jahr ist sie aber auch ausserhalb der Schweizer Landesgrenzen fündig geworden.

Ein weiterer Exerzitienleiter ist nämlich der österreichische Zisterzienser Karl Wallner, Nationaldirektor der Päpstlichen Missionswerke (Missio) in Österreich. Wallner ist als Referent und Buchautor bekannt. Der ehemalige Rektor der Philosophisch-Theologischen Hochschule Heiligenkreuz bei Wien gehört zu den Initianten des «Mission Manifests». Als dritter Exerzitienmeister wirkt René Roux, Rektor der Theologischen Fakultät Lugano.

Schweizergardisten sollen sich mit dem Glauben auseinandersetzen. | © Oliver Sittel
24. Februar 2020 | 10:19
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