«Marsch der Lebenden» gedachte den Holocaust-Opfern | © screenshot SRF-Player
Ausland
«Marsch der Lebenden» gedachte den Holocaust-Opfern | © screenshot SRF-Player

Schweizer marschierten erstmals am «Marsch der Lebenden» mit

Auschwitz, 25.4.17 (kath.ch) Am Montag wurde in Polen und Israel der Opfer des Holocaust gedacht. Laut der «Luzerner Zeitung» (25. April) hielten in Israel um 10 Uhr landesweit Autos an. Die Insassen stiegen aus hielten zwei Minuten inne. In Polen fand der «Marsch der Lebenden» statt, an dem erstmals auch Schweizer mitmarschierten.

Etwa 9000 Juden marschierten über zwei Kilometer. Vom ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz zum ehemaligen Vernichtungslager Birkenau liefen über In Polen fand der «Marsch der Lebenden» statt, wie das Schweizer Radio und Fernsehen (SRF, 24. Aprl) berichtete. Erstmals marschierten auch 30 Schweizer Jüdinnen und Juden am Marsch mit, der seit 1988 stattfindet.

«Gänsehaut und Trauer» oder «Das ist eine unmögliche Vorstellung» waren manche Eindrücke von Schweizern, die die Lager besuchten. Unter ihnen der Zürcher Gemeinderabbiner Noam Hertig. Für ihn sei der Marsch einerseits ein Gedenken der Toten. «Andererseits ist es eine Antithese der Nazis», so Hertig gegenüber SRF.

Ein Schweizer auf dem Podium

Mit Benno Bättig ist zum ersten mal ein Schweizer zum Präsidenten der internationalen Holocaust-Gedenk-Allianz gewählt worden. Für Bättig sei dies selbstverständlich, wie er gegenüber SRF sagte. Die Schweiz habe sich immer schon für Menschenrechte, Nicht-Diskriminierung, gegen Antisemitismus und Rassismus eingesetzt, so Bättig. «Es ist also nichts als logisch, dass die Schweiz sich dieses Jahr bereit erklärt hat, diese Organisation während eines Jahres zu führen.»

Alte Ressentiments gegen Juden

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, hat sich besorgt über steigenden Antisemitismus in Deutschland geäussert. Er fordert eine gezieltere Bekämpfung des Antisemitismus in Deutschland. «Denn wir spüren: Viele alte Ressentiments gegen Juden sind längst wieder aktiviert», schreibt Schuster in einem Gastbeitrag in der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» (25. April).

«Ein Antisemitismus-Beauftragter, der im Bundeskanzleramt angesiedelt sein sollte, sollte nachhaltig die Entwicklungen und die Umsetzung der Bekämpfungsstrategien im Blick behalten», fordert Schuster. «Er oder sie könnte Ansprechpartner und Frühwarnsystem in einem sein.»

Video: Zwei Schweigenminuten in Israel am 24. April 2017 (Quelle: Youtube.com / Agencia Efe)

«Importierter Antisemitismus»

Der Zentralrat der Juden habe schon 2015 im Zuge der Flüchtlingskrise vor einem «importierten Antisemitismus» gewarnt, schreibt Schuster weiter. Durch den am Montag vorgestellten Bericht des Unabhängigen Expertenkreises Antisemitismus fühle man sich bestätigt. «Ein vergleichsweise hohes Mass an antisemitischen Einstellungen sowie grosse Wissenslücken über den Holocaust stellen die Experten bei den geflüchteten Menschen fest», so Schuster.

Muslime nicht pauschal verurteilen

Für den Zentralrat der Juden bedeute dies «in keinem Fall, Muslime pauschal zu verurteilen oder gar Flüchtlinge abzuweisen». Es heisse aber, dass in den Integrationskursen und Schulen an dieser Stelle viel Arbeit geleistet werden müsse. Eine direkte Begegnung von Juden und Muslimen, vor allem unter Gleichaltrigen, könnte ein wichtiger Beitrag sein, um Vorurteile abzubauen und das gegenseitige Verständnis zu erhöhen, regte Schuster an.

Es darf zu keiner Opferkonkurrenz kommen.

Ebenso blende die jüdische Gemeinschaft nicht aus, dass auch Muslime in Deutschland massiven Vorurteilen und Anfeindungen ausgesetzt seien. Weitere Studien zu diesem Themenkomplex «wären hilfreich für die Bekämpfung anti-muslimischer Einstellungen». Zwischen Antisemitismus, Islamfeindlichkeit und Rassismus sollte dabei weiter deutlich unterschieden werden, mahnte Schuster. «Vor allem darf es nicht zu einer Art von Opferkonkurrenz kommen.»

Stimmen aus Israel

«Es ist falsch zu denken, dass jede Kritik an Israel Antisemitismus darstellt.» Das sagte laut dem Online-Portal «tachles» (25. April) Israels Präsident am Montag an der offiziellen Holocaustgedenkzeremonie in Jerusalem. Für ihn sei es falsch anzunehmen, dass jeder Israelhassende Führer einHitler sei, so tachles weiter.

Nicht jede Kritik an Israel ist Antisemitismus.

An der gleichen Zeremonie habe  Premier Netanyahu gesagt, dass die Welt nicht genügend unternehme, um heute, etwa an Orten wie Sudan oder Syrien, Massenmorde und Genozide zu verhindern. Generell habe laut Netanyahu heute in unserer Welt der Schwache eine «schwierige Zeit», wie tachles weiter berichtet. (kna/ft)

 

10'000 Juden marschierten in Auschwitz | © screenshot SRF-Player
10'000 Juden marschierten in Auschwitz | © screenshot SRF-Player
Gemeinderabbiner Zürich | © screenshot SRF-Player
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