Schweizer Bischöfe besuchen Flüchtlings-Durchgangszentrum – und setzen ein Zeichen
Zu Beginn ihrer Ordentlichen Versammlung in Einsiedeln hat die Schweizer Bischofskonferenz (SBK) gemeinsam mit der Schwyzer Regierungsrätin Petra Steimen-Rickenbacher das kantonale Durchgangszentrum Nuolen besucht. Ein Besuch mit Symbolcharakter.
(woz/rp) Eine konkrete Parole zur migrationskritischen Abstimmungsvorlage «Keine 10-Millionen-Schweiz» der SVP, über die das Schweizer Stimmvolk am 14. Juni befindet, hat die Schweizer Bischofskonferenz bekanntlich nicht abgegeben – weil sie nicht explizit parteipolitisch agieren will.
Seit Februar 2025 im ehemaligen Patres-Haus
Konkret Solidarität gezeigt für Migrantinnen und Migranten haben die Schweizer Bischöfe indes zu Beginn ihrer Versammlung in Einsiedeln, als sie das kantonale Durchgangszentrum im schwyzerischen Nuolen besuchten.
Das Zentrum, das seit Februar 2025 im ehemaligen Patres-Haus betrieben wird, bietet geflüchteten Menschen vorübergehend Unterkunft und Betreuung. Es wird im Auftrag des Kantons Schwyz von der ORS Service AG geführt und beherbergt aktuell bis zu 35 Personen, vor allem Familien mit Kindern sowie alleinstehende Frauen.
Zeichen der Nähe
Der Besuch sollte aus Sicht der Bischofskonferenz bewusst als ein Zeichen der Nähe gegenüber Menschen verstanden werden, die oft nach belastenden Erfahrungen auf der Suche nach Schutz und Perspektiven seien, heisst es in einem Communiqué der SBK: «Neben der politischen und organisatorischen Verantwortung wurde damit auch die menschliche und gesellschaftliche Dimension von Migration sichtbar gemacht», heisst es im O-Ton.
Das Durchgangszentrum Nuolen soll exemplarisch für einen Ansatz stehen, der Betreuung, Struktur und Integration verbindet. Die Bewohnerinnen und Bewohner werden rund um die Uhr begleitet, nehmen an Sprachkursen teil und gestalten ihren Alltag innerhalb klarer Rahmenbedingungen weitgehend selbstständig. Ziel sei es, ihnen in einer ersten Phase Stabilität zu bieten und sie auf ein Leben in den Gemeinden vorzubereiten.
Gemeinsames Essen
Die Bischöfe zeigten sich weltoffen und kontaktfreudig und suchten nicht nur das Gespräch mit den Flüchtlingen – manchmal mit Hilfe von Gesten oder technischen Übersetzungsmitteln, manchmal auch in deutscher Sprache, wie SBK-Kommunikationsleiter Maurice Greder gegenüber kath.ch berichtet.
«Die Räumlichkeiten wurden von uns besucht, und die dort arbeitenden Personen erklärten eindrücklich und klar das, was ihre Aufgabe ist. Dadurch, dass wir mit den Menschen gemeinsam gegessen haben, mit vielen Spezialitäten aus mehreren Ländern, war das manchmal einfach der Beginn einer Unterhaltung», so Greder.
«Migration stellt Staat und Gesellschaft vor Herausforderungen, eröffnet aber zugleich die Möglichkeit, grundlegende Werte wie Würde, Verantwortung und Zusammenhalt konkret werden zu lassen.»
Mit ihrem Besuch will die SBK die Bedeutung eines respektvollen und solidarischen Miteinanders unterstreichen. «Migration stellt Staat und Gesellschaft vor Herausforderungen, eröffnet aber zugleich die Möglichkeit, grundlegende Werte wie Würde, Verantwortung und Zusammenhalt konkret werden zu lassen», so die SBK. Es gehe darum, Menschen in prekären Lebenssituationen nicht aus dem Blick zu verlieren, sondern ihnen mit Aufmerksamkeit und Respekt zu begegnen.
«Begegnungen sind wesentlich für ein gegenseitiges Ankommen, besonders in einer sehr multikulturellen Situation. Die wohlwollende Gastfreundschaft dieser leidenden Menschen war sehr bewegend», sagt SBK-Präsident Bischof Charles Morerod gegenüber kath.ch.
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