Schweiz: Der Schweizer Judaistiker Clemens Thoma ist tot

Steinhausen ZG, 9.12.11 (Kipa) Der Schweizer Judaistiker Clemens Thoma ist am Mittwoch im Alter von 79 Jahren in Baar ZG gestorben. Dies teilten die Steyler Missionare Schweiz mit, deren Orden der Priester angehörte. Der Gründer des Instituts für Jüdisch-Christliche Forschung (IJCF) an der Universität Luzern gilt als grosser Förderer des jüdisch-christlichen Dialogs. Thoma wurde unter anderem mit der Buber-Rosenzweig-Medaille ausgezeichnet.

Thoma wurde 1932 in Kaltbrunn SG geboren. Nach theologischen Studien an den ordenseigenen Hochschulen St. Augustin bei Bonn und St. Gabriel bei Wien wurde er 1961 vom St. Galler Bischof Joseph Hasler zum Priester geweiht. Anschliessend studierte Thoma in Wien bei Kurt Schubert Judaistik. Von 1967 bis 1971 war er Assistenzprofessor am Institut für Jüdische Studien der Universität Wien. Bereits in dieser Zeit begann sein Engagement im jüdisch-christlichen Dialog.

Brückenbauer zwischen Juden und Christen

1971 wurde der Forscher als Ordinarius auf den Lehrstuhl für Judaistik und Bibelwissenschaft der Theologischen Hochschule Luzern berufen. 1981 gründete er das Institut für Jüdisch-Christliche Forschung (IJCF), das er bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2000 leitete. Das Institut ist heute integraler Bestandteil der Universität Luzern. Wie die heutige Leiterin Verena Lenzen in einem Nachruf schreibt, forschte Thoma im Bereich des antiken Judentums, insbesondere über die rabbinischen Gleichnisse.

Lenzen würdigt Thoma als einen der «grossen Brückenbauer in der Begegnung von Juden und Christen». Als Fachmann für den interreligiösen Dialog wurde er 1976 Konsultor der Vatikanischen Kommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum. Zudem beriet er die Schweizer Bischofskonferenz im Hinblick auf das christlich-jüdische Gespräch. 1994 wurde Thoma mit der Buber-Rosenzweig-Medaille ausgezeichnet.

Christliche Theologie des Judentums

Auf theologischer Ebene habe Thoma eine christliche Theologie des Judentums entworfen, so Lenzen. Sein Anliegen war, die christliche Lehre und Forschung mit ihren jüdischen Wurzeln zu versöhnen, schreiben die Steyler Missionare. Thoma habe gleichzeitig jeglichen Antisemitismus bekämpft.

Nach 2005 wirkte Thoma als Hausgeistlicher im Alters- und Pflegeheim Schänis SG. Die letzten drei Jahre seines Lebens verbrachte er, nun selber schwer erkrankt, im Missionshaus Maria-Hilf in Steinhausen ZG und schliesslich im Pflegezentrum Baar ZG.

Hinweis: Abschiedsgottesdienst Mittwoch, 14. Dezember, 14 Uhr, in der Don Bosco-Kirche Steinhausen. Anschliessend Beerdigung auf dem Friedhof Erli in Steinhausen. Dreissigster, Samstag, 21. Januar 2012, 17.30 Uhr, Don Bosco-Kirche Steinhausen.

(kipa/com/bal/pem)

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