Islamkritikerin Saida Keller-Messahli kritisiert Behörder und linke Politiker scharf  | © Keystone/Christian Beutler
Schweiz
Islamkritikerin Saida Keller-Messahli kritisiert Behörder und linke Politiker scharf | © Keystone/Christian Beutler

Saïda Keller-Messahli fordert Moscheen-Stopp

Zürich, 30.8.17 (kath.ch) Wieder soll ein Imam in einer Schweizer Moschee zu Hass aufgerufen haben. Das Land verlassen muss der Prediger und Sozialhilfebezüger aus Biel jedoch nicht. Die Islamkritikerin Saïda Keller-Messahli geht mit den Behörden und Politikern hart ins Gericht.

Francesca Trento

Saida Keller-Messahli glaubt, dass Moschee in Netstal vom Ausland finanziert wurde | © screenshot youtube.com

Für Saïda Keller-Messahli ist klar: Die meisten Schweizer Imame sind Islamisten. Das sagte sie am Wochenende gegenüber der NZZ am Sonntag (26. August). Der libysche Imam Abu Ramadan, der in Biel zum Hass ausgerufen hat, darf bis jetzt in der Schweiz bleiben. Das sei der Beweis, dass die Schweizer Behörden die Moscheen und Imame nicht im Griff hätten – obwohl es ihrer Meinung nach möglich sei.

Die Schweiz müsste laut der Islamkritikerin Folgendes tun:

  • Imame sollten in der Schweiz ausgebildet werden
  • Ein Register von Imamen führen (ob aus der Schweiz oder aus dem Ausland)
  • Finanzen der Moscheen müssen kontrolliert werden
  • Sofortige Ausweisung bzw. Einreiseverbot von islamistischen ausländischen Imamen
  • Zusammenarbeit mit ausländischen Behörden im Zusammenhang mit Islamisten

«Es braucht kein Imam-Register, sondern ein Imam-Kritiker-Register.»

Gegen ein Imam-Register ist der Bieler Verein «Islamische Zentralrat Schweiz (IZRS), den die Bundesbehörden in die Nähe des Salafismus rücken . Qaasim Illi, Sprecher des IZRS, hat ein zusätzliches Register im Sinn, nämlich ein Islam-Kritiker-Register. Ein solches Register sei nötig, um den Behörden zu ermöglichen, sowohl Imame, wie auch Islam-Kritiker zu kontrollieren. Das sei nur konsequent, so Illi gegenüber kath.ch.

«300 Moscheen sind mehr als genug.»

300 Moscheen hat die Schweiz bis jetzt. Nach Keller-Messahli sind das mehr als genug. Ebenso ist sie überzeugt, dass die meisten Moscheen vom Ausland – vor allem von Saudi-Arabien – finanziert werden. Und das ohne Hemmungen, die Kosten zu zeigen. Das sei an den Moscheen in Netstal GL, Volketswil ZH, Wil SG und demnächst in Frauenfeld TG ersichtlich. Alle hätten zwischen zwei bis fünf Millionen gekostet. »Irgendwann müssen wir sagen: Stopp. Wir müssen das Risiko eingehen und Saudiarabien die Stirn bieten», sagte sie gegenüber der Zeitung.

Kein politischer Wille da

«Wenn ein politischer Wille da ist, kann die Schweiz ausländische islamistische Prediger konsequent ausweisen oder ihre Einreise in die Schweiz verhindern», ist Keller-Messahli überzeugt. Diese Nulltoleranz für ausländische islamistische Imame komme nicht überall gut an. Vor allem bei den Linken, wie sie gegenüber der Zeitung weiter sagte. Sie verwies damit auf die «von der SP geleitete Zürcher Justizbehörde», die sie kürzlich zurückgepfiffen habe, als sie öffentlich über die Schwierigkeiten der Imame in Gefängnissen sprach.

Das Unwissen der Linken

Laut der Islamkritikerin herrscht bei den Linken «eine Mischung aus Unwissen und paternalistischem Getue». Sie würden Minderheiten um jeden Preis schützen wollen – ob gefährlich oder nicht. Und das nur, um einer anderen Partei wie der SVP keinen Nährboden für anti-islamische Parole zu ebnen, so Keller-Messahli weiter.

«Ich habe null Verständnis für Hassprediger.»

Der Grüne Zürcher Nationalrat Bastien Girod weist jedoch diese Kritik entschieden zurück. »Ich habe Null Verständnis für Hassprediger und Finanzierung von Moschen aus dem Ausland», wie er auf Anfrage sagte. Ihm sei es ein Rätsel, dass in der Schweiz nicht mehr dagegen gemacht werde.

Die SP-Nationalrätin Min Li Marti ist mit der Kritik gegen die Linken ebenso nicht ganz einverstanden, wie sie auf Anfrage meinte. Die Linken seien schliesslich die einzigen, die Keller-Messahlils Rezept gegen den Islamismus unterstützen würden. Aber da «in den letzten Jahren gewisse politische Kreise allgemein Stimmung gegen den Islam» gemacht hätten, hielten sich wohl einige aus dieser Diskussion zurück, wie sie gegenüber kath.ch sagte.

Rat der Religionen soll nicht schweigen

Der Stiftungsrat der «Christlich-Jüdischen Projekte» (CJP) in der Nordwestschweiz ist bestürzt über die Aussagen des Imam aus Biel. Dieser habe neben Juden und Christen auch «integrationswillige Sunniten in der Schweiz mit der Androhung der ewigen Verdammnis» angegriffen. Die CJP erwarten auch angesichts des grossen öffentlichen Interesses dieses Falls, dass der Präsident des Schweizerischen Rats der Religionen, Gottfried Locher, und die weiteren Mitglieder dieses interreligiösen Gremiums, ein deutliches Wort der Verurteilung finden.

Massenschlägerei im Aargau

Nicht nur der Kritikerin eines extremen Islams sind radikale Muslime ein Dorn im Auge. Sondern auch innerhalb muslimischer Kreise ist das Problem hoch aktuell. In der Moschee in Gebenstorf AG kam es kürzlich zu einer Massenschlägerei, wie das Online-Portal «Watson» (31.August) berichtete. Der Grund: Die Moschee hat einen radikalen Imam rausgeworfen. Gemässigte und radikale Mitglieder gerieten in Folge des Rauswurfs aneinander, teilte Watson weiter mit. Die Polizei musste anrücken.

Anschuldigung des Islamismus unbegründet

Der Verein «Islamischer Zentralrat Schweiz» nimmt den libyschen Prediger in einer Stellungnahme (30. August) in Schutz. Die hasserfüllten Aussagen seien laut dem IZRS vom Schweizer Fernsehen aus dem arabischen ins Deutsche falsch übersetzt und aus dem Kontext gerissen worden. Der IZRS kritisiert somit die SRF-Sendung «Rundschau», die über den Vorfall in Biel berichtete (23. August). Die Sendung habe sowohl dem Prediger als auch der Bieler Arrahma Moschee «Unrecht» getan.

SRF wies die Vorwürfe postwendend zurück. Die Zitate seien von drei verschiedenen Übersetzern geprüft worden, sagte ein Sprecher gegenüber dem «Tages-Anzeiger» (30. August). (aktualisiert: 1.9./sys)

Wie sieht es überhaupt in einer Moschee aus? Eine Führung durch die Moschee in Netstal GL.

Drei Fragen an Sozialethiker Hansjörg Schmid

Sind die meisten Imame Islamisten?

Nein. Wir haben im Schweizerischen Zentrum für Islam und Gesellschaft mit 95 Imamen in verschiedenen Weiterbildungen gearbeitet und auch Imame in einem Forschungsprojekt interviewt. Die grosse Mehrheit der Imame und Muslime in der Schweiz sind keine Islamisten. Viele mögen konservative und intensiv praktizierende Muslime sein, die aber voll hinter dem säkularen Rechtsstaat stehen.

Ausländische Imame haben nicht zum ersten Mal zu Hass ausgerufen. Wieso wird nichts dagegen unternommen?

Die Behörden sind bereits stark sensibilisiert und pflegen oft Kontakte zu den muslimischen Gemeinden. In der Praxis bestehen Integrationsvereinbarungen für religiöse Betreuungspersonen aus Drittstaaten. Solange keine Gesetzesverstösse vorliegen, ist es manchmal schwer zu intervenieren. Wenn die Muslime merken, dass sie als Akteure in der Gesellschaft ernst genommen werden und dass die Öffentlichkeit genau hinschaut, dann stärkt das die dialogorientierten Kräfte in den muslimischen Gemeinden. Ebenso sollte man verstärkt auf Weiterbildungen setzen, die sich als Standard für Imame etablieren können. 

Finanziert Saudi-Arabien die hiesigen Moscheen?

Die meisten Moscheen finanzieren sich über Mitgliedsbeiträge und Spenden aus dem Inland. Auf diese Weise wurden etwa die neuen Moscheen in Will und Netstal finanziert. Es gibt natürlich auch Fälle von ausländischen Geldquellen, was sich in einer globalisierten Welt kaum gänzlich unterbinden lässt. Die Frage der Finanzierung sollte daher in den nächsten Jahren verstärkt angegangen werden. Durch eine öffentlich-rechtliche Anerkennung bekämen Muslime bessere Möglichkeiten, sich im Inland zu finanzieren. (ft)

Hansjörg Schmid ist Leiter des Schweizerischen Zentrums für Islam und Gesellschaft (SZIG) der Universität Freiburg.

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