Rund 100 Personen an Marsch für Missbrauchsopfer in Fully
Am Sonntag hat das Bistum Sitten in Zusammenarbeit mit der Betroffenenorganisation Sapec einen Marsch für Missbrauchsopfer in Fully durchgeführt. Auch der anschliessende Gottesdienst stiess auf grosses Interesse. In der Pfarrei Fully soll es während Jahrzehnten zu Fällen von sexuellem Missbrauch gekommen sein.
Barbara Ludwig
Es waren Nachkommen von Missbrauchsopfern, die den Anlass in der Unterwalliser Gemeinde Fully angeregt hatten. Organisiert wurde der Marsch mit anschliessender Eucharistiefeier vom Bistum Sitten in Zusammenarbeit mit der Westschweizer Betroffenenorganisation Sapec.
«Viele Menschen leiden immer noch»
Im Rahmen des Heiligen Jahres sollte dieser Marsch die Anerkennung des begangenen Unrechts und des Leids aller Missbrauchsopfer zum Ausdruck bringen, verbunden mit einer Bitte um Vergebung im Geiste aufrichtiger Reue, hiess es in der Ankündigung. «Viele Menschen leiden noch immer unter diesen Verbrechen, die in der Diözese Sion und insbesondere in Fully begangen wurden.»
Ein unabhängiger externer Untersuchungsbericht hielt im Juni 2024 fest, mehrere Zeugenaussagen würden darauf hindeuten, dass zwischen 1929 und 1983 in der Pfarrei Fully unter der Ägide eines Pfarrers sexuelle Übergriffe begangen worden sein könnten. Zuvor hatte das Bistum Sitten einen Zeugenaufruf zu diesem Fall lanciert.
400 Gottesdienstbesucher – viele Konzelebranten
«Etwa 100 Personen haben am Marsch teilgenommen. Beim Gottesdienst war die grosse Pfarrkirche von Fully fast voll. Ich schätze, es waren zirka 400 Personen», sagt Gabriella Loser Friedli gegenüber von kath.ch. Loser-Friedli ist im Vorstand von Sapec für die Kommunikation zuständig.
Den Gottesdienst leitete Jean-Marie Lovey, Bischof von Sitten. Laut Loser Friedli haben viele weitere Priester an dem Anlass teilgenommen, zirka zehn Priester hätten am Altar konzelebriert. «In der Kirche war es extrem still, die Leute waren sehr konzentriert», umschreibt Loser Friedli die Stimmung. Es gab mehrere Ansprachen. Die erste hielt der Bischof, dann kam ein Missbrauchsopfer zu Wort und zum Schluss Marc Larivé vom Sapec-Vorstand.
«Viele Leute haben sich bei uns bedankt.»
Vor allem Menschen aus Fully und Umgebung hätten am Gedenkmarsch und am Gottesdienst teilgenommen, sagt Loser Friedli. «Als Aussenstehende hatte man hatte den Eindruck, dass alle sich kennen.»
Nach dem Gottesdienst, beim Apéro, verteilte die Betroffenenorganisation Sapec Flyer, um auf ihre Aktivitäten aufmerksam zu machen. «Viele Leute haben sich bei uns bedankt. Sie sind froh darüber, dass es Orte gibt, wo Opfer hingehen können», sagt Gabriella Loser Friedli.
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