Gebäude des «Giornale del Popolo», der Zeitung des Bischofs von Lugano | © zVg
Schweiz
Gebäude des «Giornale del Popolo», der Zeitung des Bischofs von Lugano | © zVg

Redaktion kämpft ums Überleben des Giornale del Popolo

Lugano, 22.5.18 (kath.ch) Die Redaktion der Tessiner Tageszeitung «Giornale del Popolo» (GdP) will das Ende ihres Blattes nicht hinnehmen. Bislang haben über 1000 Personen ihren Aufruf unterstützt, «eine historische Stimme der italienischen Schweiz zu retten». Der Herausgeber Valerio Lazzeri, der Bischof von Lugano, hatte vergangene Woche die abrupte Schliessung der letzten katholischen Tageszeitung der Schweiz angekündigt.

«Helft uns, die Informationsvielfalt zu erhalten», heisst es in dem Aufruf der Redaktion, den man online unterstützen kann. Dieser wurde in der letzten Ausgabe der katholischen Zeitung vom Samstag (19. Mai) publiziert, die online erschien. Bislang haben sich über 1000 Personen, darunter zahlreiche Politiker und Journalisten, dem Appell angeschlossen.

Zahlreiche Zeichen der Solidarität

Im Editorial der letzten Ausgabe dankte die Direktorin des «Giornale del Popolo», Alessandra Zumthor, für die zahlreichen Zeichen der Wertschätzung, die man erhalten habe. Auf drei Seiten wurden Leserbriefe und Kinderzeichnungen abgedruckt, in denen das Bedauern über die Schliessung der Zeitung und die Solidarität mit den Machern der Zeitung zum Ausdruck gebracht wird.

Parallell zum Aufruf hat die Redaktion auch eine Fundraising-Aktion gestartet, wie aus dem Editorial von Alessandra Zumthor hervorgeht. So können Spenden auf ein Konto der «Associazione Amici del GdP» einbezahlt werden.

Kein Sozialplan für Angestellte

Gegenüber der Tessiner Tageszeitung «Corriere del Ticino» (17. Mai) gab die Direktorin an, dass dem GdP 400’000 Franken fehlten und es keinen Sozialplan für die rund 30 Angestellten der Zeitung gebe, die dem Bistum Lugano gehört. «Wenn jemand die Zeitung gernhat, so ist jetzt der Augenblick gekommen, sich zu melden», so Zumthor. Wenn Investoren Interesse zeigten, könnte sich die Kurie dazu entschliessen, die Zeitung zu retten, sagte sie weiter. Dies müsse aber schnell geschehen.

Valerio Lazzeri, der Bischof von Lugano, wollte seinerseits die von Zumthor angegebenen Angaben zum Fehlbetrag bei der katholischen Zeitung nicht bestätigen oder kommentieren, wie er gegenüber dem «Corriere del Ticino» (18. Mai) sagte. Das Verfahren liege nun in den Händen des Bezirksrichters, der feststellen werde, in welcher finanziellen Situation sich die Zeitung befinde. Die Tagesschau des Tessiner Radio und Fernsehen (RSI) meldete am 17. Mai, der Lohn der Angestellten sei noch für den Monat Mai garantiert.

Folge von Publicitas-Debakel

Der Herausgeber, der Bischof von Lugano, hatte am Donnerstag die abrupte Schliessung der letzten katholischen Tageszeitung der Schweiz angekündigt. Das Bistum Lugano begründete die Entscheidung mit der laufenden Liquidation des Werbevermarkters Publicitas im zürcherischen Opfikon. Der «Giornale del Popolo» war 1926 gegründet worden. (bal)


Grounding der letzten katholischen Tageszeitung der Schweiz

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