Kirchlicher Protest gegen Wirtschaft in Frankfurt am Main | © Vera Rüttimann
Schweiz
Kirchlicher Protest gegen Wirtschaft in Frankfurt am Main | © Vera Rüttimann

Rechtspolitiker wollen auch die Stimme der Kirchenleute hören

Zürich, 22.1.19 (kath.ch) Von einem Maulkorb für Kirchenvertreter wollen Politiker, die im konservativen Parteiensegment aktiv sind, nichts wissen. Der Zürcher EVP-Regierungsratskandidat Hanspeter Hugentobler bezeichnet die Stimme der Kirche als wertvoll. SVP-Nationalrat Gregor Rutz sieht keinen Grund, wegen politischer Äusserungen von Kirchenvertretern aus der Kirche auszutreten.

CVP-Präsident Gerhard Pfister und die Freiburger FDP-Politikerin Béatrice Acklin Zimmermann sind Co-Gründer eines Thinktanks «Kirche/Politik». Beide raten Kirchenleuten davon ab, sich in die Tagespolitik einzumischen.

Keine Freude an dieser Forderung hat Hanspeter Hugentobler, der am 24. März für die EVP in den Zürcher Regierungsrat will. «Stellungnahmen der Kirchen aufgrund ihrer ethischen Werthaltungen sollen den Menschen auch in politischen Fragen als Orientierungshilfe dienen», schreibt Hugentobler in einer Presseaussendung von Dienstag.

«Fundierte und werteorientierte Hinweise»

Der EVP-Mann verspricht, falls er gewählt werde, werde er ein offenes Ohr für kritische Stimmen haben und ergänzt: «Wir brauchen fundierte und werteorientierte Hinweise der Kirchen, welche uns Politiker und Politikerinnen an langfristiges und verantwortungsvolles Handeln erinnern, wie es auch die Präambel unserer Bundesverfassung verlangt.»

Der Zürcher SVP-Nationalrat Gregor Rutz ärgere sich zwar über kritische Worte von Kirchenvertretern, schreibt der «Tages Anzeiger» von Dienstag. Rutz lässt sich in der Zeitung mit den Worten zitieren: «Wegen solcher Aussagen trete ich aber nicht aus der Körperschaft aus. Es ist wichtig, dass man dort auch seine Meinung sagt.»

Kirche muss sich raushalten

Ganz anders tönt es bei Natalie Rickli, die für die SVP in den Zürcher Regierungsrat will. Sie ist wegen Äusserungen an ihrer politischen Haltung aus Protest aus der katholischen Kantonalkirche ausgetreten und begründete den Schritt gegenüber kath.ch mit den Worten: «Ich habe mich oft darüber aufgeregt, dass sich Vertreter der Kirche in die Politik eingemischt haben. Dies ist falsch, denn die Kirche muss für alle ihre Mitglieder da sein: für Alt und Jung, für Reich und Arm, für SP und SVP».

Churer Solidaritätsfonds

Auch der Zürcher SVP Nationalrat Claudio Zanetti und der Schwiegersohn von Christoph Blocher, Roberto Martullo, seien aus Protest ausgetreten, schreibt der «Tages Anzeiger». Sie würden heute einen Solidaritätsfonds des Churer Bischofs Huonder speisen und im Kanton Zürich keine Kirchensteuern mehr bezahlen..

Die Zeitung hat in Chur nachgefragt, wie es mit diesem Fonds heute stehe. Die direkten Beiträge in den Solidaritätsfonds der Diözese Chur seien «momentan am Steigen», erklärte Bistumssprecher Giuseppe Gracia. Die Gelder würden für das Infoblatt des Bistums, für Jugendarbeit und Behindertenseelsorge verwendet. (gs)

 

News ›
Medienspiegel ›
Katholisches Medienzentrum