Raphael Rauch: Ich heisse Raphael, weil…
Von Tennis-Ikone Rafael Nadal bis hin zu Kardinal Raphael Sako im Irak: Der Name Raphael ist international und bedeutet «Gott heilt». Journalismus kann einen Beitrag für Heilung leisten, denn eine schonungslose Diagnose steht am Anfang eines Heilungsprozesses, findet kath.ch-Redaktionsleiter Raphael Rauch.
Warum haben Sie Ihre Eltern Raphael genannt?
Raphael Rauch*: Meinen Eltern gefiel die Bedeutung des Namens: «Gott heilt».
Gefällt Ihnen Ihr Name – und warum?
Rauch: Ja klar! Es gibt ihn nicht zu häufig. Und der Name funktioniert auch im Ausland. Als meine Eltern 1991 nach Bolivien zogen, wurde ich oft auf «Raphael» von den «Turtles» angesprochen. Heute kann ich auf den Tennis-Spieler Rafael Nadal verweisen. Oder, in katholischen Kreisen, auf Patriarch Raphael Minassian im Libanon oder Patriarch Raphael Sako im Irak. Mir gefallen auch meine Initialen «RR». Mein Geschichtslehrer meinte, «RR» stehe für Qualität: Rolls-Royce und Raphael Rauch.
Haben Sie einen Spitznamen?
Rauch: Nein. Wenn mich Leute «Raphi» oder «Rapha» nennen, dann sage ich, dass ich noch lieber auf den Namen Raphael höre. Manche denken auch, sie würden mir mit «Raffaellos» eine grosse Freude machen. Dabei schmeckt mir Kokos nicht.
Wie hätten Sie geheissen, wenn Sie ein Mädchen geworden wären?
Rauch: Eva-Maria. Witzigerweise halten manche in der Schweiz Raphael für einen Frauennamen. Ich bekomme öfter E-Mails mit der Anrede: «Sehr geehrte Frau Rauch.»
Raphael bedeutet «Gott heilt». Gefällt Ihnen diese Bedeutung?
Rauch: Wir alle suchen Glück und Gesundheit. Mir gefällt die Geschichte vom Erzengel Raphael, der den Jungen Tobias auf seiner Reise begleitet, um ein Medikament für seinen Vater zu finden. In der Corona-Pandemie hat diese Geschichte eine unerwartete Aktualität erhalten: Die Suche nach einem Impfstoff hatte für mich Parallelen zu Raphaels und Tobias’ Suche nach der richtigen Medizin.
«Nomen est omen» – was bedeutet das mit Blick auf Ihren Namen?
Rauch: Uns Journalistinnen und Journalisten wird öfter vorgeworfen, nicht zu heilen, sondern zu verletzen. Diesen Vorwurf kann ich nicht akzeptieren. Ich verstehe, dass manche Berichterstattung für die Betroffenen unschön ist und auch schwierige Konsequenzen haben kann. Aber es ist die Pflicht für Medienschaffende, Missstände anzuprangern und die Verantwortlichen zu benennen. Journalismus kann einen Beitrag für Heilung leisten, denn eine schonungslose Diagnose steht am Anfang eines Heilungsprozesses.
«Heilung ist mehr als Gesundheit im biomedizinischen Sinne.»
Was heisst Heilung?
Rauch: Ich habe von 2018 bis 2020 mit Simon Peng-Keller in einem Forschungsprojekt zur Spiritual Care gearbeitet. Dort habe ich gelernt, wie vielschichtig Heilung sein kann. Es gibt HIV- oder Krebspatienten im Endstadium, die von Heilung sprechen, wenn sie sich kurz vor dem Tod noch aussprechen oder versöhnen können. Heilung ist mehr als Gesundheit im biomedizinischen Sinne.
Was verbinden Sie mit Ihrem Namenspatron?
Rauch: Der Erzengel Raphael ist der Patron der Apotheker und der Reisenden. Da ich gerne und viel reise, passt das gut zu mir. Schön finde ich, wie der Benediktiner Anselm Grün schreibt, Raphael sei nicht nur der Engel, der Wunden heilt, sondern auch «heilsame Beziehungen» ermöglicht. Gelingende Beziehungen ist eine Lebensaufgabe – da gibt’s auch bei mir Luft nach oben. Raphael ist auch der Patron der Blinden. Ich möchte mal die Kapelle im Internationalen Blindenzentrum in Landschlacht TG besuchen, die nach dem Erzengel Raphael benannt ist.
«Wo gibt’s Verletzungen, die heilen sollen?»
Feiern Sie Namenstag?
Rauch: Jein. Ich nehme mir am Namenstag ganz bewusst Zeit, um darüber nachzudenken: Was ist meine Berufung? Was läuft gerade richtig gut? Und wo gibt’s Verletzungen, die heilen sollen? Ausser meinen Eltern gratuliert mir eigentlich niemand zum Namenstag. Früher habe ich in einem Altersheim der Vinzentinerinnen ministriert. Die haben mir zum Namenstag immer eine Tafel Schokolade geschenkt.
Haben Sie weitere Vornamen?
Rauch: Mein zweiter Vorname ist Benedikt. Meinen Eltern gefiel die Bedeutung, gesegnet zu sein. Und weil der Heilige Benedikt die europäische Kulturgeschichte stark geprägt hat. Meine Mutter hat auch mal im Kloster Wald unterrichtet – das ist ein von Benediktinerinnen geführtes Internat. Mein dritter Vorname ist Joseph. Mein Vater heisst Josef und er stammt aus einer Familie, in der der Namenstag wichtiger war als der Geburtstag. Im Allgäu ist auch heute noch der Josefstag ein Festtag. Am Josefstag gratuliere ich meinem Vater und er mir.
Was verbinden Sie mit Ihrem Namen Raphael noch?
Rauch: Ich habe von 2007 bis 2008 in Aix-en-Provence studiert. Damals war Nicolas Sarkozy französischer Präsident. Ich mochte Sarkozy nicht sonderlich. Aber seine Frau Carla Bruni hat einen schönen Song über meinen Vornamen geschrieben: «Quatre consonnes et trois voyelles / C’est le prénom de Raphaël…», also «Vier Konsonanten und drei Vokale / Das ist der Vorname von Raphael». Später heisst es: «Raphael sieht aus wie ein Engel / Doch ist er ein Liebesteufel.»
* Raphael Rauch (36) ist seit 2020 Redaktionsleiter von kath.ch. Er ist in Stuttgart, Cochabamba/Bolivien und Leutkirch im Allgäu aufgewachsen. Er hat in Tübingen, Aix-en-Provence und in Yale studiert und wurde in München promoviert.
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