Bereit zur Rückkehr nach Israel: der bisherige Basler Rabbiner Yaron Nisenholz mit Familie | © 2015 zVg
Schweiz
Bereit zur Rückkehr nach Israel: der bisherige Basler Rabbiner Yaron Nisenholz mit Familie | © 2015 zVg

Rabbiner Yaron Nisenholz: «Fünf Kinder in Israel zu haben, wäre zu viel»

Basel, 10.8.15 (kath.ch) Yaron Nisenholz war 13 Jahre in der Israelitischen Gemeinde Basel tätig, sieben Jahre davon als Rabbiner. Nun wandert er mit seiner Familie zurück nach Israel. Hauptsächlich wegen der Ausbildung seiner fünf Kinder, sagt er im Interview mit kath.ch. Ausserdem habe er schon immer an eine Rückkehr in seine Heimat gedacht. Ähnliche Auswanderungsgründe ortet der Rabbiner bei anderen Ex-Baslern.

Regula Pfeifer

Weshalb gehen Sie nun zurück nach Israel?

Israel ist unsere Heimat. Wir wussten, wir würden irgendwann zurückkehren. Vielleicht wären wir länger geblieben, hätte es in Basel weiterführende jüdische Schulen gegeben, die religiöse mit profanen Inhalten verbinden. Unsere zwei ältesten Söhne sind bereits nach Israel gegangen, um das Gymnasium zu besuchen. Nun wäre unsere Tochter an der Reihe. Meine Frau und ich beschlossen, alle unsere fünf Kinder in Israel zu haben, wäre zu viel. Wir wollten als Eltern näher bei ihnen sein.

Hat Ihre Rückkehr auch mit der Situation der Juden in der Schweiz zu tun? Wenn ja, inwiefern?

Nein, hätten wir keine Kinder oder welche im Erwachsenenalter, wären wir vermutlich länger hier geblieben.

Sind andere Juden von hier nach Israel ausgewandert? Aus welchen Gründen?

Das gab und gibt es in Basel immer wieder. Die jüdische Gemeinde hier ist sehr verbunden mit Israel. Es gibt Hunderte jüdischer Ex-Basler in Israel. Ich stelle zwei Trends fest. Ältere Menschen reisen zum Ende ihres Arbeitslebens nach Israel aus, und zwar aus familiären Gründen. Sie wollen ihren Kindern und Enkeln nahe sein. Jugendliche verlassen Basel nach der Matura und bilden sich in Israel weiter. Sie wollen auch jüdische Gleichaltrige kennen lernen. In Basel ist der Kreis sehr klein. Deshalb wechseln manche nach Zürich, andere nach London oder eben nach Israel. In Israel ist das Leben einfacher für sie. Sie können koscher essen und haben auch bei der Partnersuche mehr Möglichkeiten.

Wie schätzen Sie die Situation der Juden in der Schweiz ein?

Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern, etwa Frankreich, Deutschland oder Schweden, ist die Situation hier ziemlich gut. Es gibt selten offen antisemitische Angriffe, Gott sei Dank. Gleichzeitig ist die antiisraelische Stimmung ziemlich stark. Viele Leute, die sich negativ über Israel äussern, tun das auch gegenüber Juden. Diese Tendenz breitet sich aus, in der Schweiz wie anderen europäischen Ländern. Das macht mir Sorgen.

Sie werden künftig in Tel Aviv als Gemeinderabbiner arbeiten. Was wird anders sein im Vergleich zu Basel?

Ich werde kein staatlich angestellter Rabbiner sein, sondern in einem kleinen Pensum für einen privaten Verein arbeiten. Zudem werde ich an einem Gymnasium unterrichten. Rabbiner sein ist in Israel kein Vollzeitamt, das ist der Unterschied zu hier.

In der Schweiz waren Sie im interreligiösen Dialog engagiert. Haben Sie das in Israel auch vor?

In Basel war ich Vizepräsident der lokalen Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen. Den Kontakt zu den Leuten, die ich da kennen lernte, möchte ich aufrechterhalten. In Israel habe ich so etwas im Moment nicht vor. Dort ist das Verhältnis Juden-Christen kein Thema. Probleme gibt es vielmehr zwischen Juden und Muslimen, wegen dem Palästina-Konflikt. Da wäre ein interreligiöser Dialog nötig.

In Basel war Ihre Frau als Lehrerin tätig – wird sie das in Israel auch sein?

Sie war in Basel Primarlehrerin, ausgebildet dafür hat sie sich in Israel. Nun wird sie sich etwas Neues suchen im Erziehungsbereich.

Nach den Attentaten in Paris und Dänemark Anfang Jahr forderte der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu die Juden in Europa zur Auswanderung nach Israel auf. Fanden Sie den Aufruf richtig?

Man sollte nicht aus Angst oder als Flucht nach Israel auswandern. Der Grund dafür sollte positiv sein, es sollte ein Entscheid sein, in die Heimat des jüdischen Volkes zu gehen.

Folgten deshalb Juden in der Schweiz dem Aufruf?

Nein, nicht deswegen wanderten sie aus. (rp)

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