Priesterweihe am Samstag: «Ich werde als Geweihter kein anderer Kapuziner sein»
Bischof Markus Büchel weiht am Samstag den Kapuziner Kletus Hutter (51) zum Priester. Im Gespräch mit einem Mitbruder erzählt er, warum er kein Problem hat, als Priester die Kirche zu putzen. Er fühlt sich dem Zweiten Vatikanischen Konzil verpflichtet und ist von Franz von Assisi inspiriert.
Walter Ludin*
Wann kam dir erstmals der Gedanke, Kapuziner zu werden?
Kletus Hutter*: Mit 30 Jahren habe ich mich bei der Gruppe für Berufungspastoral gemeldet, der «Spurensuche». Zu einem Treffen kam es aber nicht. Ich hatte wieder andere Pläne. Später war ich in Altdorf Gast im «Haus der Stille» der Kapuziner, dann im Kloster Rapperswil. Beide Orte entsprachen mir. In Rapperswil lernte ich einen «Bruder auf Zeit» kennen. Ich konnte mir vorstellen, dass es auch was für mich wäre, während drei Jahren im Orden zu leben und dann zurück in die Pfarreiseelsorge zu kehren, in der ich 13 Jahre tätig war.
Was bewegte dich zu diesem Entschluss?
Hutter: Ein Gemeinschaftsleben, in dem Spiritualität einen zentralen Stellenwert hat, das jedoch auch persönliche Freiheiten zulässt. Bis heute schätze ich das Privileg, viermal am Tag Zeiten der Stille und des Gebets in Gemeinschaft zu halten, ebenso die vielfältige Arbeit im Orden. Nicht zuletzt zog mich Franz von Assisi an, dieser aussergewöhnliche Heilige.
Wie fiel dein Entscheid, Priester zu werden?
Hutter: Schon seit jungen Jahren kam mir immer wieder der Gedanke, ob Priester werden etwas für mich wäre. Die Zeit war aber wohl nicht reif. Ich fand immer schlüssige Gründe, diesen Schritt nicht zu tun. Ein Schlüsselerlebnis hatte ich während meiner Zeit als Gast im Kloster Rapperswil: Eine halbe Stunde nach dem Gottesdienst putzte ich mit dem Zelebranten zusammen die Kirche. Diese Haltung gefiel mir: ein Orden, in dem jemand dem Gottesdienst vorstehen kann aber es auch selbstverständlich ist, sich bei Alltagsarbeiten die Hände schmutzig zu machen.
In der Tradition gab es die seltsame Vorstellung, ein Priester habe eine sehr hohe Würde. Als «Hochwürdiger» stehe er sogar über den Engeln. Wie reagierst du auf sowas?
Hutter (lacht): Ein solcher Priester wäre nicht von dieser Welt. Mit diesem Bild kann ich überhaupt nichts anfangen. Es würde auch nicht mit meinen Erfahrungen übereinstimmen. Während ich in Pfarreien des Bistums St. Gallen arbeitete, konnte ich dem Pfarrer und priesterlichen Mitarbeitern immer auf Augenhöhe begegnen. Der Priester ist für mich immer ein Mensch – auch auf der Suche nach Gott.
Deine Vorstellungen finden sich im Zweiten Vatikanischen Konzil.
Hutter: Ja, mit der Aussage, der Priester gehöre zum Volk Gottes, gemeinsam mit diesem unterwegs. 1971 geboren, habe ich in meinem Umfeld nichts anderes erlebt. Ich bin in einer Zeit aufgewachsen, in der das vorkonziliare Konzept nicht mehr anzutreffen war, auch auf dem Land nicht.
«Franz von Assisi ist für uns Kapuziner eine Inspiration für ein erfülltes Leben.»
Was ist dir in deinem künftigen priesterlichen Dienst besonders wichtig?
Hutter: Der Dienst am Menschen. Dies ist von der franziskanischen Spiritualität nicht zu trennen: der Blick auf die Nöte der Zeit. Es hat sehr stark mit Franz von Assisi zu tun, der ja für uns Kapuziner eine Inspiration für ein erfülltes Leben ist. Ebenso die Spendung der Sakramente, Zeichen der Zuneigung Gottes zu uns Menschen.
Du wirst also auch als Priester im franziskanischen Orden am richtigen Platz sein.
Hutter: Und ich werde als Geweihter kein anderer Kapuziner sein. Sonst würden meine Mitbrüder mich zum Glück daran erinnern… Ich bin und bleibe in erster Linie Kapuziner. Es kommen priesterliche Aufgaben zu den bisherigen. Darauf freue ich mich sehr. Und ich bin froh, dass im Orden nicht mehr wie früher ein Unterschied gemacht wird zwischen den Priestern und den andern Ordensmitgliedern. Alle sind Brüder. Einige Brüder sind Priester, die auch praktische Aufgaben übernehmen – wie der erwähnte Zelebrant beim Putzen. Und einige sind nicht geweiht und übernehmen seelsorgliche Aufgaben oder beispielsweise die Leitung von Exerzitien.
Kommen wir zurück zum «Offenen Kloster» Rapperswil, das ja auf deinem Weg in den Orden und zum Priestertum eine wichtige Rolle gespielt hat. Seit einem Jahr gibt es dort ein neues Konzept. Worin besteht dieses?
Hutter: Unser Kloster steht nach wie vor Menschen offen, die bei uns als Gast mitleben wollen. Neu ist, dass wir eine Lebensgemeinschaft bilden aus Brüdern und franziskanisch Interessierten, die ihren Lebensmittelpunkt im Kloster Rapperswil haben. Sie bleiben in der Gemeinschaft für mindestens ein Jahr und gehen einer Erwerbsarbeit ausserhalb des Klosters nach. Zusammen halten wir das Haus lebendig und gestalten den Alltag.
Welche Erfahrungen habt ihr damit bisher gemacht?
Hutter: Bis jetzt hat sich eine Frau auf dieses Projekt eingelassen, eine reformierte Pfarrerin. Sie passt sehr gut in unsere Runde, engagiert sich im Kernteam – also der Leitungsgruppe zusammen mit zwei Brüdern – und im Haus. Unser Konzept sieht noch weitere franziskanisch interessierte Menschen vor. Die suchen wir noch. Es gibt zwar einige Interessierte, ein verbindliches Zusammenleben stellt aber auch eine Herausforderung dar.
Du warst an der Neukonzeption beteiligt.
Hutter: Die Grundidee des Klosters zum Mitleben in Rapperswil für Kurz- und Langzeitgäste gibt es bereits über 30 Jahre. Ich durfte mithelfen, es weiter zu entwickeln. Es ist eine bereichernde Erfahrung.
* Kletus Hutter stammt aus Kriessern SG und arbeitete zunächst als kaufmännischer Verwaltungsangestellter. Später liess er sich in Luzern zum Religionspädagogen ausbilden. Er arbeitete fürs Bistum St. Gallen, bevor er Kapuziner wurde.
Der Journalist Walter Ludin ist ebenfalls Kapuziner und somit Kletus Hutters Mitbruder.
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