Poetisches Eintauchen in die Welt eines Heiligen
Am 25. September wird der offizielle Gedenktag von Bruder Klaus gefeiert – dem Schutzpatron der Schweiz. Erstmals gibt es die Möglichkeit, nicht nur die historischen Orte und Kirchen in Obwalden zu Ehren des Heiligen zu besuchen. Im «Lumeum» in St. Niklausen kann man die Geschichte von Bruder Klaus und seiner Ehefrau Dorothee in einer 360-Grad-Lichtshow miterleben.
Wolfgang Holz
Noch lässt sich das Rechteck des ehemaligen 25-Meter-Schwimmbeckens des Klosters Bethanien in St. Niklausen gut erkennen, wenn man die Räumlichkeit der Lichtprojektion «Niklaus & Dorothee Alive – eine immersive Reise» betritt.
Kuschelige Flusskiesel
Eine Assoziation zu Wasser ist sogar noch vorhanden – liegen doch in dem Erlebnisraum riesige Flusskiesel am Boden verstreut. Steine, die sich bei näherem Betasten als weiche Sitzkissen entpuppen, auf denen Besuchende ebenfalls bequem die rund 40-minütige Lichtshow verfolgen können.
Wer anfangs etwas skeptisch die Lichtshow auf sich wirken lässt – in der Befürchtung, dass die Heiligengeschichte von Niklaus von Flüe und seiner Ehefrau Dorothee Wyss möglicherweise allzu kitschig und volkstümmelnd erzählt werden könnte –, kann sich schon nach wenigen Momenten entspannt und ästhetisch beruhigt zurücklehnen.
Faszinierende Zeit- und Bildreise
Denn es ist eine faszinierende Zeit- und Bilderreise, die einem als Betrachtenden dargeboten wird. Mit einfühlsamer Musik und interessanten Bildcollagen und Fokussierungen. Mal ist die audiovisuelle Szenerie realistisch-bunt. Mal beherrschen abstrakte Darstellungen den Raum. Vor allem ist «Lumeum» (lumen=lateinisch für Licht) nicht nur eine rein lineare Narration der Heiligengeschichte.
Es fliesst viel Atmosphärisches in das Kaleidoskop dieser filmischen Bruder Klaus-Biografie ein. Atmosphärisches, das beispielsweise die bergige Landschaft in Obwalden, aber auch jahreszeitliche Stimmungen und persönliche Momente in der Lebensgeschichte von Niklaus und Dorothee erspüren lassen. Vor allem wirkt alles sehr lebendig und lebensnah.
1441 heiratete er Dorothee Wyss
Erinnern wir uns kurz: Niklaus von der Flüe, der von 1417 bis 1487 lebte, stammte aus einer Obwaldner Bauernfamilie und heiratete 1441 Dorothee Wyss. Sie hatten zusammen zehn Kinder. Niklaus von Flüe war Bauer, amtete aber auch als Richter und Ratsherr. Im Alter von 50 Jahren verliess er seine Frau und seine Familie, um Einsiedler zu werden.
Nach einigen Pilgerreisen kehrte er in die Ranftschlucht seiner Heimat zurück, wo er ein asketisches Leben führte – verankert im Gebet und im Fasten. Berichten nach soll er 20 Jahre lang nur die Heilige Kommunion und Wasser zu sich genommen haben. 1481 trug er entscheidend zum Friedensschluss von Stans bei.
Im Alter von exakt 70 Jahren starb Bruder Klaus, der 1947 heiliggesprochen wurde. Vielen Menschen ist er auch heute noch ein Vorbild in Mystik und Spiritualität, für Gesellschaft und Politik.
«Mich hat vor allem die Rolle von Bruder Klaus als Friedensstifter beeindruckt», bekennt Silvère Lang gegenüber kath.ch. Insgesamt hat das Projektteam unter seiner Leitung zwei Millionen Franken in die gut fünfjährige Planung und Realisation des Grossprojektes investiert. Zahlreiche Gönner und Spender, darunter auch einige kirchliche Institutionen, haben ihn dabei unterstützt.
Team von 40 Fachpersonen
Der Betreiber des Gästehauses im Kloster Bethanien und Dokumentarfilmer vereinte ein Team von rund 40 Fachpersonen aus Kunst, Technik und Wissenschaft, die mit Leidenschaft und technischer wie auch historischer Expertise das Erlebnis realisiert haben.
Für den 66-jährigen Lang und seine Frau Anny ist zum einen die Lektüre eines Buchs über Dorothee Wyss während der Corona-Zeit Auslöser für die Idee der immersiven Lichtprojektion Lumeum gewesen.
«Zum anderen hat eine ähnliche 360-Grad-Lichtprojektion zur Malerei von Van Gogh in Berlin den Ausschlag gegeben», betont der gebürtige Elsässer, der mit einem charmanten französischen Akzent parliert.
«Lumeum» soll eine Ergänzung sein
Gleichzeitig unterstreicht Lang, dass er den bekannten Wallfahrtsorten von Bruder Klaus in Obwalden keinen weiteren neuen hinzufügen möchte. Bescheiden erklärt er: «Das Lumeum soll eine Ergänzung sein.»
Wobei er durchaus auch einräumt, dass seine Ehefrau und er anfangs kaum verstanden haben, wie Niklaus von Flüe seine Frau und seine Kinder für sein neues Einsiedlerdasein von heute auf morgen einfach verlassen konnte. «Wir dachten, das ist verrückt. Nun verstehen wir es etwas besser.»
Die Umsetzung des «Lumeums» von Silvère Lang stellt eine innovative und geniale Nachnutzung einer bestehenden Infrastruktur dar. 325 Quadratmeter Projektionsfläche, 24 hochauflösende Laserbeamer und speziell entwickelte Sound- und Lichttechnik verwandeln, wie gesagt, ein ehemaliges Schwimmbad im Kloster Bethanien St. Niklausen in der Obwaldner Gemeinde Kerns in einen begehbaren Erzählraum. Originalgemälde des französischen Künstlers Olivier Desvaux wurden digital animiert und mit akustischen und visuellen Effekten zu einer dynamischen Erzählung verbunden.
Gemälde zu Filmspur zusammengefügt
Die französische Digital Art Direktorin Abeille Brissaud und die Animations-Expertin Izabela Bartozik fügten die Gemälde zu einer Filmspur zusammen. Unterstützt wurden sie vom einheimischen Komponisten Joel von Moos, dem Streichmusik- und Hackbrett-Ensemble Geschwister Küng, der Jodlerin Nadja Räss und Marina Poydenot mit eigens für die Inszenierung komponierten Musiklandschaften.
Besucherinnen und Besucher sind sichtlich begeistert von dem immersiven Erlebnisraum. «Das ist wirklich sehr eindrücklich», meint ein Chamer, der Teil einer kirchlichen Delegation ist, die gerade das «Lumeum» besucht hat. Ein anderer betont, dass ihm vor allem das «Pittoreske» der audiovisuellen Sakral-Schau gefallen habe. Das Malerische der Szenerie, also.
Nicht nur pittoresk: Poetisch
Silvère Lang freut sich über solches Lob. Für ihn ist das «Lumeum» aber nicht nur malerisch. «Ich finde, es spricht eine tiefere Ebene in uns an, die ich als poetisch bezeichnen möchte. Nur über den Weg der Poesie können wir in diese Atmosphäre des Heiligen und auch zu uns selbst gelangen.»
*Die offizielle Einweihung des «Lumeums» erfolgt mit der offiziellen Eröffnung am 11. Oktober. Schon jetzt kann man den Erlebnisraum besuchen: Von Mittwoch bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr. Die Eintrittspreise betragen für Erwachsene 28 Franken, für Studierende und Senioren 22 Franken und für Kinder 15 Franken.
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