Peter von Sury: «Um einen Mönch zu ersetzen, müssen wir fast drei Leute anstellen»
Vor einigen Tagen hat Peter von Sury sein Amt als Abt des Klosters Mariastein altershalber abgegeben. Im Podcast «Laut + Leis» schauen wir zurück auf seine Amtszeit und fragen, welche Perspektiven Klöster in Zukunft haben.
Sandra Leis
Als Peter von Sury vor 17 Jahren das Amt des Abtes in Mariastein übernommen hat, lebten 25 Mönche im Kloster. Heute sind es noch 13. Eingetreten ist in seiner Amtszeit kein einziger.
Auf die Frage, ob ihn dieser Umstand bedrücke, antwortet der alt Abt, der jetzt wieder Pater Peter ist: «Bedrücken, nein. Die Frage ist, wie gehe ich damit um? Meine Aufgabe ist es, alles zu tun, was möglich ist.» Sagts und zitiert einen entlastenden Satz aus dem Kirchenrecht: «Ad impossibile nemo tenetur. Zum Unmöglichen ist niemand verpflichtet. Punkt.»
Zukunftsprojekte seit zehn Jahren
Das mag etwas resigniert klingen, doch Peter von Sury hat angepackt und wollte die Zukunft von Mariastein gestalten: 2010 hat das Kloster eine externe Betriebsleiterin angestellt. Wenige Jahre später hat sie berufsbegleitend eine Masterarbeit geschrieben zum Thema «Mariastein – wie kann ein religiöser Ort nach wirtschaftlichen Kriterien geführt werden?».
Schnell sei klar geworden: «Wir müssen etwas tun.» Seit 2019 läuft jetzt das Projekt «Aufbruch ins Weite – Mariastein 2025». Projektleiter Mariano Tschuor betonte mehrfach, man müsse die Wallfahrt öffnen, Angebote schaffen für Menschen mit Migrationshintergrund und für konfessionell Ungebundene.
«Noch immer kommen Gruppen aus einem religiösen Grund nach Mariastein», sagt Pater Peter. Doch die seien kleiner geworden. Was zugenommen habe, seien Wallfahrtsgruppen aus fremdsprachigen Missionen.
Ausgeprägte Individualisierung
Peter von Sury stellt fest: «Es kommen immer Leute nach Mariastein.» Das mache den Reiz aus, aber auch die grosse Schwierigkeit: «Was wir in der Gesellschaft erleben, erleben wir auch hier – eine ausgeprägte Individualisierung.»
Viele Leute kämen ohne spezifische Erwartungen nach Mariastein. «Diese Menschen sind einfach froh, hierher zu kommen und hier zu sein.» Deshalb müsse man sich fragen, ob die Leute wirklich Angebote wollen.
Mönche arbeiten unentgeltlich
Betrieb und Unterhalt kosten Geld. Was die Mönche jahrzehntelang geleistet haben, schaffen sie heute nicht mehr: Ein Teil von ihnen ist pflegebedürftig, und der Nachwuchs fehlt.
Peter von Sury fasst die Situation so zusammen: «Die Klosterbetriebe und die Wallfahrt leben davon, dass Mönche unentgeltlich arbeiten und keinem Arbeitsgesetz unterstehen. Das heisst, sie können sieben Tage in der Woche von morgens sechs Uhr bis abends neun Uhr arbeiten, wenn es sein muss.»
Steigende Ausgaben
Fällt die Arbeitskraft Mönch alters- oder gesundheitsbedingt weg, werden externe Leute angestellt – nach Arbeitsrecht und mit einem Arbeitsvertrag. «Um einen Mönch zu ersetzen, müssen wir fast drei Leute anstellen», so Peter von Sury.
Das heisst, die Ausgaben steigen, während die Einnahmen sinken. Heute lebt Mariastein von einigen wenigen Eigenleistungen wie pastoralen Diensten und dem Verkauf von Honig im Klosterladen, von Schenkungen, Legaten und Spenden.
Andere religiöse Gemeinschaften angefragt
Was ist, wenn eines Tages kein Benediktiner mehr im Kloster Mariastein lebt? Das weiss auch Pater Peter nicht und verweist auf den Herrgott, der schon wissen werde, was komme. «Vielleicht muss auch zuerst etwas sterben, bevor Neues entstehen kann.»
Doch die Hände in den Schoss legen und abwarten, das macht Pater Peter nicht. «Wir haben andere religiöse Gemeinschaften angefragt, ob sie nach Mariastein kommen möchten. Doch entschieden ist noch nichts.»
Im Kloster Visitation in Solothurn hat es geklappt: Dort leben junge Schwestern der «Sisters of Sacred Sciences» aus Indien zusammen mit einer Visitationsschwester.
Als Beichtvater nach Rom
Peter von Sury wird im Juni 75 Jahre alt und hat deshalb seine Demission als Abt eingereicht. Jetzt ist er wieder Pater Peter und sieht eine seiner Aufgaben in der Betreuung der kranken Mönche. Über weitere mögliche Aufgaben wird er mit seinem Nachfolger sprechen, der am 4. April gewählt wird.
Doch zuvor nimmt sich Peter von Sury eine Auszeit: Er hat in einer Benediktiner Abtei in Rom angefragt, ob er im Heiligen Jahr als Beichtvater aushelfen kann. «Das wäre für mich gewissermassen eine Heimkehr, wenn ich zwei, drei Monate in Rom verbringen könnte. Denn ich lebte studienhalber fünf Jahre in Rom.»
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