Pater Philipp Steiner
Schweiz

Pater Philipp Steiner: «Für mich ist Maria eine wunderbare Mutter, die mir von Jesus Christus zur Seite gestellt worden ist»

Die vatikanische Glaubensbehörde hat jüngst davon abgeraten, die Gottesmutter Maria als «Miterlöserin» zu benennen. Jesus Christus stehe höher als Maria. Damit sollen wichtige ökumenische Akzente gesetzt werden. Doch wie betreffen solche Ermahnungen die alltägliche Marienverehrung an Wallfahrtsorten? Wallfahrtspater Philipp Steiner vom Kloster Einsiedeln nimmt Stellung.

Wolfgang Holz

Pater Philipp, was meinen Sie kurz gesagt als Wallfahrtspater zur neuen «Lehrmässigen Note» des Vatikans zur Marienverehrung?

Pater Philipp Steiner: Als Verantwortlicher des Einsiedler Wallfahrtsbüros habe ich die Note mit grossem Interesse gelesen und begrüsse deren Inhalt. Ich kann die Lektüre des Textes allen Interessierten nur wärmstens empfehlen.

Das Kloster Einsiedeln ist der grösste Wallfahrtsort der Schweiz.
Das Kloster Einsiedeln ist der grösste Wallfahrtsort der Schweiz.

Wie wichtig stufen Sie deren Bedeutung ein für Sie als Wallfahrtspater, und finden Sie die Ermahnung des Vatikans in Sachen Grenzen der Marienverehrung wirklich als notwendig?

«Wir sind ein starker Ort der Marienverehrung, die allerdings immer auf den dreifaltigen Gott und dessen Heilswirken an uns Menschen hin geordnet ist.»

Pater Philipp: Die Note wird nicht ohne Grund publiziert worden sein. Für mich persönlich und für unseren Wallfahrtsort Einsiedeln bestätigt die Note unsere auf die Tradition der Kirche gründende Verehrung der Gottesmutter Maria, die ein gesundes Mass wahrt und stets Jesus Christus ins Zentrum stellt.

Die Gottesmutter Maria und ihr Sohn Jesus Christus: Pieta in der Klosterkirche Einsiedeln
Die Gottesmutter Maria und ihr Sohn Jesus Christus: Pieta in der Klosterkirche Einsiedeln

Wie nehmen Sie die Art der Marienverehrung unter Pilgernden im Kloster Einsiedeln wahr? In der Gnadenkappelle dominiert ja die Schwarze Madonna. Haben Sie das Gefühl, dass deshalb unter den Pilgernden Maria wichtiger erscheint als Jesus, der Gottessohn?

Pater Philipp: Die Schwarze Madonna gibt unserem Wallfahrtsort tatsächlich eine besondere Prägung. Wir sind ein starker Ort der Marienverehrung, die allerdings immer auf den dreifaltigen Gott und dessen Heilswirken an uns Menschen hin geordnet ist. Das zeigt sich bei uns sehr schön in der Architektur: Die Gnadenkapelle mit der Schwarzen Madonna steht in der nach Osten gerichteten Klosterkirche – mit dem Osten als Ort der aufgehenden Sonne als Symbol für Jesus Christus und seine Auferstehung – im Westen, im Eingangsbereich.

Die Schwarze Madonna in Einsiedeln
Die Schwarze Madonna in Einsiedeln

Die Gottesmutter Maria begrüsst dort die Pilgernden und Gottesdienstbesucherinnen und -besucher, heisst sie willkommen und führt sie zu Jesus. Ziel einer Wallfahrt ist die Begegnung mit dem lebendigen Gott in der Mitfeier der Eucharistie sowie im persönlichen und gemeinschaftlichen Gebet.

«Die Mutter Jesu bindet niemanden an sich, sondern führt und begleitet sie zu ihrem Sohn Jesus Christus.»

Kann diese beeindruckende Marien-Architektur Pilgernde nicht auch ablenken?

Pater Philipp: Die Mutter Jesu bindet niemanden an sich, sondern führt und begleitet sie zu ihrem Sohn Jesus Christus. Ich bin dankbar, dass die Architektur unseres Marienheiligtums diese geistliche Aufgabe der Mutter Jesu konkret veranschaulicht. Die Jungfrau Maria wird im Kloster Einsiedeln als Fürsprecherin angerufen und als Mutter Jesu und als unsere Mutter verehrt. Das deckt sich zu hundert Prozent mit dem Anliegen der vom Dikasterium für die Glaubenslehre publizierten Note.

Gibt es aus Ihrer Sicht übertriebene Formen der Marienverehrung im Kloster Einsiedeln?

Pater Phiipp: Nein. Wir sind ein Wallfahrtsort, der auf die gesunde Tradition katholischer Marienverehrung gegründet ist, stark geprägt von der Heiligen Schrift und einer geerdeten benediktinischen Spiritualität.

Votivtafeln in der Einsiedler Klosterkirche: Danksagungen von Gläubigen für die Hilfe der Gottesmutter.
Votivtafeln in der Einsiedler Klosterkirche: Danksagungen von Gläubigen für die Hilfe der Gottesmutter.

Ausdruck der Marienverehrung sind neben den zahlreichen Wallfahrten das tägliche «Salve Regina» von uns Mönchen in der Gnadenkapelle, das jeden Abend gepflegte gemeinsame Rosenkranzgebet und die vom Gesang der «Lauretanischen Litanei» begleiteten Prozessionen jeweils am ersten Sonntag im Monat. Als benediktinisches Marienheiligtum ziehen wir keine Formen übertriebener Marienverehrung an und wollen diese auch nicht fördern.

«Die Jungfrau Maria hat als Mutter des menschgewordenen Wortes Gottes einen herausragenden Platz in der Heilsgeschichte.»

Wie gewichten Sie selbst als Mönch den Unterschied zwischen Jesus als Erlöser und Maria als Mutter Gottes?

Pater Philipp: Wie die Note klar darlegt, ist Jesus Christus der einzige Erlöser der Menschheit und Mittler zwischen ihr und Gott. Die Jungfrau Maria hat als Mutter des menschgewordenen Wortes Gottes einen herausragenden Platz in der Heilsgeschichte und wirkt an ihr durch ihre Verfügbarkeit, Fürsprache und mütterliche Präsenz mit. Für mich persönlich ist sie eine wunderbare Mutter, die mir von Jesus Christus für meinen persönlichen Glaubensweg zur Seite gestellt worden ist.

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Ich hatte immer Mühe mit dem von manchen Gläubigen und Gruppierungen geförderten Marientitel «Miterlöserin» und dem damit geforderten Dogma. Dass der Vatikan dies in aller Klarheit zurückgewiesen hat, ist für mich eine schöne Bestätigung, selbst auf dem guten und gesunden Boden katholischer Theologie und Marienverehrung zu stehen. Das möchte ich als Wallfahrtsverantwortlicher auch gerne anderen Menschen so mitgeben.

Wie wichtig ist aus Ihrer Sicht Maria für die Gläubigen in der katholischen Kirche?

Pater Philipp: Die Jungfrau Maria hat als Gottesmutter einen besonderen, ja herausragenden Platz in der Heilsgeschichte und im Leben der Kirche. Dies soll sich auch im Glaubensleben der Gläubigen auf eine angemessene Weise zeigen. Eine Wallfahrt zu einem Marienheiligtum wie Einsiedeln ist ein schöner Ausdruck dafür.


Pater Philipp Steiner | © Wolfgang Holz
6. November 2025 | 17:00
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