Martin Hirzel | © 2013 zVg AGCK
Schweiz
Martin Hirzel | © 2013 zVg AGCK

Papst warnte vor kirchlich-konfessionellem Egoismus

Bern, 22.6.18 (kath.ch) Papst Franziskus brachte eine klare Botschaft zur Lage der Ökumene nach Genf. Darum nahm er auch die Strapazen der für ihn anstrengenden Reise auf sich, sagt der reformierte Schweizer Ökumene-Experte Martin Hirzel in einem Kommentar für kath.ch.

Als ökumenischen Pilgerweg war der Besuchstag des Papstes beim Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) gestaltet. Und als Pilger kam auch das müde und gebrechlich wirkende Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche nach Genf. Er wolle persönlich an den Feierlichkeiten der 70-Jahr-Feier des ÖRK teilnehmen, «auch um den Einsatz der katholischen Kirche für die ökumenische Sache zu bekräftigen und zur Zusammenarbeit mit den Mitgliedskirchen und den ökumenischen Partnern zu ermutigen».

Dies ist ein starkes Zeichen auch für die Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in der Schweiz (AGCK.CH), die als assoziiertes Mitglied sozusagen ein ÖRK auf nationaler Ebene ist. Dies allerdings mit dem grossen Unterschied, dass die römisch-katholische Kirche Vollmitglied der AGCK.CH ist.

Klar bekennen sich alle Kirchen zur Ökumene.

Die AGCK.CH lebt Ökumene vielfältig in Gottesdiensten und gemeinsamen Projekten und will ihre Mitgliedkirchen in ihrem Streben nach Einheit unterstützen. Wie erfolgreich sie dabei ist, wird unterschiedlich beurteilt. Klar bekennen sich alle Kirchen – und vermehrt auch die Freikirchen – zur Ökumene. Dies führt allerdings nicht dazu, dass sie vermehrt Ressourcen in die AGCK.CH investierten.

In der Tat: Ökumene ist «ein grosses Verlustgeschäft», wie der Papst in seiner Besinnung während der Gebetsfeier im ökumenischen Zentrum meinte. «Aber es handelt sich um einen dem Evangelium gemässen Verlust entsprechend der von Jesus vorgezeichneten Spur.» Es ging dem Papst um den Verlust von kirchlich-konfessionellem Egoismus, von Gleichgültigkeit und Eigeninteressen. Feindseligkeiten und jahrhundertealte Gegensätze zu überwinden, sei jedoch schwierig.

Das Motto des Tages blieb somit nicht nur ein schönes Wort.

Sein ökumenischer Realismus ging aber dann noch weiter, als Papst Franziskus auf die Versuchung hinwies, bei der Ökumene zwar mitzumachen, aber mit der versteckten Absicht, Eigeninteressen durchzusetzen.

Der Besuch in Genf war ein Appell, es mit der Ökumene ernst zu nehmen und vom Heiligen Geist geleitet den Weg der Einheit und des Friedens zu gehen. Dafür nahm er die Strapazen einer Tagesreise nach Genf in Kauf. Das Motto des Tages «Ökumenischer Pilgerweg: Gemeinsam unterwegs sein, beten und arbeiten» blieb somit nicht nur ein schönes Wort. Gelebte Einheit durch Feiern, Beten und die gegenseitige Verpflichtung der Kirchen für Versöhnung, Gerechtigkeit und Frieden einzustehen, wurde an diesem Tag sichtbar.

Spürbar wurde der Schmerz, als die Gäste an der Messfeier im Palexpo teilnahmen.

Spürbar wurde neben der Freude über die Begegnung von Vertreterinnen und Vertreter der Weltchristenheit allerdings auch der Schmerz über die Grenze dieser Einheit; spätestens für diejenigen rund 150 nicht-katholischen Kirchenvertreter, die nach dem mit grösster Sorgfalt und Sympathie vorbereiteten Besuch des Papstes beim ÖRK als Gäste an der grossen Messfeier im Palexpo teilnahmen, getrennt vom Tisch des Herrn.

Martin Hirzel ist Mitglied des Präsidiums der AGCK.CH und Beauftragter für Ökumene und Religionsgemeinschaften beim Schweizerischen Evangelischen Kirchenbund (SEK).

 

 

 

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