Vatikan

Papst wäscht zwölf Häftlingen die Füsse

Rom, 29.3.18 (kath.ch) Am Donnerstagnachmittag fährt Papst Franziskus in das römische Stadtgefängnis Regina Coeli, um dort den Abendmahlsgottesdienst am Gründonnerstag zu feiern. Bei dem dazu gehörenden Ritus der Fusswaschung wird der Papst zwölf Häftlingen die Füsse waschen. Acht davon sind Katholiken.

Die Männer stammen aus Italien, von den Philippinen, aus Marokko, Moldawien, Kolumbien, Nigeria und Sierra Leone. Neben den acht Katholiken sind zwei Muslime, ein orthodoxer Christ und ein Buddhist unter ihnen. Der Ritus erinnert an die Demutsgeste Jesu beim Letzten Abendmahl, wonach der Grösste der Diener aller sein soll.

Auch Sexualstraftäter dabei

Den Besuch beginnt der Papst um 16.00 Uhr auf der Krankenstation der Haftanstalt, bevor er in der zentral gelegenen Rotunde den Gottesdienst mit Fusswaschung feiert. Am Ende des Besuchs ist eine Begegnung mit Insassen der VIII. Abteilung geplant; dort sind unter anderem Sexualstraftäter inhaftiert.

Nicht öffentlich

Bei Besuch und Gottesdienstfeier ist die Öffentlichkeit ausgeschlossen; lediglich eine Übertragung von Radio Vaticana Italia sowie ein Audiostream im Internet ist geplant. Anschliessend verbreitet der Vatikan gewöhnlich eine kurze Information und einige Fotos.

Der Papst versteht auch Seele eines Häftlings.

Die Männer sähen den Papst «wie einen Freund mit grossem Herzen, der auch die Seele eines Häftlings verstehen kann», sagte Gefängnisseelsorger Vittorio Trani der Website Vatican News. Trani hat die Häftlinge für die Fusswaschung ausgewählt. Vor Franziskus hatten bereits Johannes Paul II. im Jahr 2000, Paul VI. 1964 sowie Johannes XXIII. 1958 das Gefängnis Regina Coeli im Stadtteil Trastevere unweit des Vatikan besucht, allerdings nicht am Gründonnerstag.

Fusswaschung nur für Priester

Schon früher als Erzbischof von Buenos Aires feierte Jose Mario Bergoglio den Gründonnerstagsgottesdienst in einem Gefängnis. Als Papst setzte er die Tradition in Rom fort, wo er 2013, 2015 und 2017 an Gründonnerstag ins Gefängnis ging. Vor Franziskus feierten die Päpste den Abendmahlsgottesdienst in der Regel in ihrer Bischofskirche, der Lateranbasilika, wo sie zwölf Priestern die Füsse wuschen. (cic)

 

Papst wäscht Migranten, darunter Muslime, die Füsse | © KNA
29. März 2018 | 08:51
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