Papst Franziskus an einer Pressekonferenz während dem Flug in die Demokratische Republik Kongo, 31. Januar 2023
Vatikan

Papst nach zehn Jahren noch nicht amtsmüde

Papst Franziskus sieht die katholische Kirche in 20 Jahren pastoraler, gerechter und offener. Ein Rücktritt ist für den 86-Jährigen zurzeit kein Thema. Der «Wind der Reform» sei im Konklave von 2013 entstanden –und «nicht durch den Papst», sagt das Kirchenoberhaupt.

Papst Franziskus (86) hat nach zehn Jahren im Amt noch Pläne und Träume. Er wolle «Türen öffnen und Wege gehen», sagte er der argentinischen Zeitung «La Nacion». In der Leitungszentrale der Kirche spüre er den «Wind der Reform». Aber es gebe «noch immer viel zu tun», so der Argentinier, der am 13. März 2013 zum Papst gewählt worden war. Starke Kniebeschwerden nährten Spekulationen über einen Rücktritt, den Franziskus grundsätzlich nicht ausschliesst.

Papst nennt sich ungeduldig

Was ihn in der bisherigen Amtszeit froh gemacht habe, sei alles, was mit Vergebung und Verständnis für die Menschen zu tun habe. Er wolle «allen einen Platz in der Kirche geben», sagte Franziskus in dem Online-Beitrag vom Freitag. Als persönlichen Fehler nannte er «ein bisschen Ungeduld». «Wenn man die Ruhe verliert, rutscht man aus und macht Fehler», sagte der Papst – dies sei ihm «mehr als einmal» passiert, auch wenn es nicht in der Zeitung gestanden habe.

Papst Franziskus am 13. März 2013 nach seiner Wahl auf der Loggia des Petersdomes.
Papst Franziskus am 13. März 2013 nach seiner Wahl auf der Loggia des Petersdomes.

Die katholische Kirche in zwanzig Jahren stelle er sich «pastoraler, gerechter, offener» vor. Die Geschichte verändere Situationen und die Wege der christlichen Verkündigung, sagte der Papst. «Mir geht es darum, immer einen offenen Horizont zu haben und das Heute zu leben.» Die zehn Jahre an der Spitze der Kirche seien «schnell vergangen, wie mein ganzes Leben». Seine eigene Schulzeit komme ihm vor «wie gestern».

Umgestaltung des Papsttums begann früher

Zum Vorhaben der Kurienreform, mit dem er 2013 vor dem Hintergrund von Misswirtschaft und Netzwerken im Vatikan angetreten war, sagte Franziskus, er habe Veränderungen «in Gang gesetzt». Dabei erinnerte er an den im Januar verstorbenen Kardinal George Pell, der das Finanzwesen aufräumte.

Papst Benedikt XVI. und Jorge Mario Bergoglio 2007 in Aparecida.
Papst Benedikt XVI. und Jorge Mario Bergoglio 2007 in Aparecida.

Die Umgestaltung des Papsttums habe nicht mit ihm selbst begonnen, sondern schon mit Paul VI. (1963-1978), sagte Franziskus. Auch seinen Vorgänger Benedikt XVI. (2005-2013) würdigte er als Mann der klaren Linie und als ersten Papst, der sich mit dem Thema Missbrauch auseinandersetzte.

Konklave von 2013 brachte «Wind der Reform»

Den «Wind der Reform» brachte Franziskus mit der Papstwahl vom März 2013 in Verbindung. «Er ist im Konklave entstanden, nicht durch den Papst; der Papst gehorcht dem Konklave», sagte er. Wirtschaftlich habe sich der Vatikan konsolidiert von ” schmutzigen Investments» getrennt.

Auf den Umstand, dass in seinem engsten Beratergremium von neun Kardinälen nach dem Tod Pells und dem Ausscheiden des Münchener Kardinals Reinhard Marx kein Wirtschaftsexperte mehr vertreten ist, ging der Papst nicht ein.

Auch Jesus erlebte Widerstand

Zur Frage nach internen Gegnern sagte Franziskus, Widerstand werde es «immer und überall geben – gegen jeden Fortschritt, jede Veränderung». Auch Jesus habe Widerstand erlebt. «Denn er hatte diese Botschaft: Hier muss man keiner politischen oder kirchlichen Partei angehören», sagte der Papst. (cic)


Papst Franziskus an einer Pressekonferenz während dem Flug in die Demokratische Republik Kongo, 31. Januar 2023 | © KNA
11. März 2023 | 17:08
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