Papst Franziskus trennt sich überraschend von Kurienkardinal Müller

Rom,1.7.17 (kath.ch) Papst Franziskus hat sich überraschend von einem seiner ranghöchsten Mitarbeiter getrennt. Wie die deutsche Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) am Freitagabend im Vatikan erfuhr, wird die Amtszeit von Kardinal Gerhard Ludwig Müller (69) als Leiter der Römischen Glaubenskongregation nicht verlängert. Sie endet nach fünf Jahren fristgerecht am 2. Juli. Über die Gründe für die Entscheidung von Papst Franziskus wurde zunächst nichts bekannt. Zu seinem Nachfolger ernannte Papst Franziskus den bisherigen Stellvertreter Müllers, Kurienerzbischof Luis Francisco Ladaria Ferrer (73).

Medien spekulierten bereits seit einiger Zeit über eine Ablösung Müllers. Der deutsche Kardinal spielte im Gegensatz zu seinen Vorgängern im Amt, vor allem dem damaligen Kardinal Joseph Ratzinger, unter Franziskus keine zentrale Rolle.

Nach Informationen der Jesuiten-Zeitschrift «America» sollen mehrere Kardinäle Franziskus um eine Entlassung des deutschen Kardinals gebeten haben, weil er sich wiederholt öffentlich von päpstlichen Positionen distanziert habe.

Auslegung von «Amoris Laetita»

Offensichtlich wurden gegensätzliche Auffassungen zwischen dem Müller und dem Papst bei der Interpretation des päpstlichen Schreiben «Amoris laeitita» vom April 2015. Mülller vertrat öffentlich die Auffassung, dass auch nach diesem Dokument der Kommunionempfang für geschiedene Katholiken, die zum zweiten Mal geheiratet haben, nur dann möglich sei, wenn sie in dieser Verbindung sexuell enthaltsam lebten. Der Papst hiess hingegen Interpretationen gut, die einen Kommunionempfang auch ohne eine solche Lebensweise in Einzelfällen gestatteten.

Der am 31. Dezember 1947 im heutigen Mainz-Finthen geborene Müller ist ein Theologe von internationalem Ruf. Bereits 1997 berief Papst Johannes Paul II. den Münchener Dogmatik-Professor in die Internationale Theologenkommission, einen theologischen Thinktank für Papst und Kurie. Nach seiner Bischofsernennung 2002 wurde er Mitglied der Glaubenskongregation – als einer von nur vier Nicht-Kardinälen. Müller ist zudem Herausgeber der gesammelten Ratzinger-Werke.

Freundschaft mit Befreiungstheologen

Mit Müllers Ernennung zum Präfekten der Glaubenskongregation setzte sich Benedikt XVI. damals über Bedenken mancher kirchlichen Würdenträger hinweg, denen Müllers persönliche Freundschaft mit Gustavo Gutierrez (84), dem Vater der Befreiungstheologie, suspekt war. (kna)

Gerhard Ludwig Müller | © Roberto Conciatori Photographer SBF
1. Juli 2017 | 07:56
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