Daniel Nydegger
Schweiz

Daniel Nydegger: «Nach Feuerwehreinsatz beginnt Verarbeitung»

Eine Serie von Waldbränden wütet in Südeuropa. Auch in der Schweiz ist die Waldbrandgefahr hoch. Daniel Nydegger, Feuerwehrmann und Präsident des Vereins christlicher Feuerwehrleute (VCF), erklärt, weshalb das Gebet für ihn ebenso wichtig ist wie der Einsatz an der Brandfront.

Jacqueline Straub

Die Bilder aus Spanien, Portugal und Frankreich sind erschreckend. Angesichts der aktuellen Hitze in der Schweiz: Müssen wir uns auch hier auf mehr Wald- und Flurbrände einstellen?

Daniel Nydegger*: Die Situation in der Schweiz ist weniger angespannt als im Ausland. Dennoch ist auch hier die Waldbrandgefahr gross. Ein Feuerverbot ist sinnvoll. Denn es kann auch hier in der Schweiz zu grösseren Waldbränden kommen.

Waldbrand in Spanien
Waldbrand in Spanien

Wer wäre davon besonders betroffen?

Nydegger: Mehrheitlich Bergregionen. Sie sind zwar weniger dicht besiedelt, dennoch können dort bei massiven Bränden Existenzen zerstört werden.

Sie sind der Präsident des Verein christlicher Feuerwehrleute. Ist jemand von Ihrem Verein bei den Löschaktionen in Südeuropa?

Nydegger: Dafür sind wir nicht ausgebildet. Wir sind alle nur bei der Ortsfeuerwehr. Das Bekämpfen von Waldbränden bedarf einer weiteren Ausbildung. Wir machen aber das, was wir können, nämlich beten.

«Unser Verein betet für Feuerwehrleute.»

Und hilft das?

Nydegger: Ja, ich bin davon überzeugt, dass Gebet hilft. Unser Verein hat sich das Ziel gesetzt, für Feuerwehrleute zu beten – also auch für alle Einsatzkräfte im Ausland.

Feuerwehrmann Daniel Nydegger
Feuerwehrmann Daniel Nydegger

Wie genau organisieren Sie sich?

Nydegger: Wir haben verschiedene regionale Gebetsgruppen. Manche treffen sich monatlich, andere nur zwei- oder dreimal im Jahr. Zudem haben wir noch einen Chat, in dem wir auch Gebetsanliegen austauschen.

Wie blicken Sie persönlich derzeit in die Regionen, die von Bränden betroffen sind?

Nydegger: Meine Gedanken sind zuerst bei den Einsatzkräften. Denn sie tragen ein hohes Risiko. Sie könnten bei ihrem Einsatz ums Leben kommen. Das Löschen von Waldbränden ist zudem sehr anstrengend, weil sie sich über Tage oder Wochen hinziehen. Das hinterlässt Spuren bei den Einsatzkräften.

Welcher Einsatz ist Ihnen aufgrund der Härte noch gut in Erinnerung?

Nydegger: Vor zwei Jahren hatte ich einen Einsatz, bei dem eine Person nach einem Wohnungsbrand alles verloren hatte. Alle Erinnerungen waren wie ausgelöscht.

Daniel Nydegger bei einem Feuerwehreinsatz
Daniel Nydegger bei einem Feuerwehreinsatz

Was löste das bei Ihnen aus?

Nydegger: Es ging mir sehr nahe. Beim Einsatz habe ich funktioniert. Aber danach wurde mir wieder bewusst, wie vergänglich alles auf der Welt ist. Ich bin gleichzeitig dankbar, dass ich die Perspektive über das Endliche hinaus habe.

Welche Rolle spielt der christliche Glaube, wenn Feuerwehrleute bei solchen Katastrophen an ihre Grenzen kommen?

Nydegger: Der Glaube kann eine Hilfe sein, zu wissen, dass Gott immer bei einem ist. Zudem beten wir im Verein auch füreinander. Manchmal ist es schwierig, während eines Einsatzes die anderen zu informieren, dass sie bitte beten sollen. Denn dann funktioniert man einfach. Aber nach einem Feuerwehreinsatz beginnt der Prozess der Verarbeitung. Da können wir jederzeit der Gruppe schreiben, damit sie einen ins Gebet einschliessen.

*Daniel Nydegger ist seit 2009 bei der Feuerwehr, seit viereinhalb Jahren ist er in der Feuerwehr Münsingen (BE) aktiv. Dem Verein christlicher Feuerwehrleute gehören rund 30 Menschen aus der Deutschschweiz an. Nydegger ist Präsident des Vereins.

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Daniel Nydegger | © zvg
5. August 2026 | 17:00
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