Beim Gebet |© 2010 Barbara Ludwig
Vatikan
Beim Gebet |© 2010 Barbara Ludwig

Papst: Gott führt nicht in Versuchung

Rom, 6.12.17 (kath.ch) Papst Franziskus hat die Fassung der Vaterunser-Bitte «führe uns nicht in Versuchung» kritisiert. Dies sei «keine gute Übersetzung», sagte er in einem Interview des italienischen Senders TV2000, das am Mittwochabend ausgestrahlt wird. Es sei nicht Gott, der den Menschen in Versuchung stürze, um zu sehen, wie er falle. «Ein Vater tut so etwas nicht; ein Vater hilft sofort wieder aufzustehen. Wer dich in Versuchung führt, ist Satan», so der Papst.

Franziskus verwies stattdessen auf einen Beschluss der französischen Bischöfe, die offizielle Übersetzung zu ändern. In katholischen Gottesdiensten in Frankreich lautet die betreffende Bitte seit dem ersten Adventssonntag: «Lass uns nicht in Versuchung geraten». Der Papst äusserte sich in einer Kurzserie zu den Vaterunser-Bitten.

Diskussion im deutschen Sprachraum

Im Zusammenhang mit der französischen Initiative hatten auch Theologen im deutschen Sprachraum eine Anpassung verlangt. Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer warnte hingegen vergangene Woche vor einer «Verfälschung der Worte Jesu». Die Vaterunser-Bitte «führe uns nicht in Versuchung» sei genau so bei den Evangelisten Matthäus und Lukas überliefert. Es gehe nicht an, Jesus diesbezüglich zu korrigieren, so der frühere Dogmatikprofessor. Gleichwohl müssten und könnten diese Worte so erklärt werden, «dass das Gottesbild nicht verdunkelt wird».

Einführung in der Romandie zu Ostern 2018

In der Schweiz soll die geänderte Version des Vaterunsers in französischer Sprache erst zu Ostern 2018 eingeführt werden. Die Schweizer Bischofskonferenz (SBK) entschied sich aus Rücksicht auf die anderen christlichen Kirchen in der Westschweiz für die spätere Einführung. Die Reformierten in der Westschweiz hatten sich an der «einseitigen» Änderung des gemeinsamen Gebetstextes durch die SBK gestört. Die bisherige Fassung des französischen Vaterunsers in der Romandie ist das Resultat eines ökumenischen Kompromisses aus dem Jahr 1966; sie lautet deshalb in allen christlichen Kirchen der Westschweiz gleich. (cic/bal)

Die Transkription des Papst-Interviews zum Vaterunser in deutscher Übersetzung finden Sie hier.


Neues Westschweizer «Vater Unser» soll erst ab Ostern 2018 gelten

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