Zuger Orgel ist von Schimmel befallen und wird restauriert
Die Orgel in der Kapelle St. Verena in Zug ist von Schimmel befallen und muss restauriert werden. Deshalb wurde sie jüngst abmontiert und temporär in die Kapuzinerkirche verlegt, wo die klimatischen Bedingungen besser sind. Der Kirchenrat rechnet, dass Ende April die Arbeiten abgeschlossen sein werden und die Orgel wieder voll erklingen kann.
Wolfgang Holz
Auf Grund von starkem Schimmelbefall wurde letzte Woche die schöne Edskes-Orgel der St. Verena-Kapelle abgebaut und Andreas Bösch – dem Nachfolger des bekannten Orgelbauers Bernhard Edskes – zur Restaurierung übergeben.
Fast ohne Schrauben gebaut
Laut Philipp Emanuel Gietl, Koordinator für Kirchenmusik der Katholischen Kirchgemeinde Zug, sind Edkes-Orgeln sehr hochwertige Instrumente, die vorwiegend dem barocken Orgelbau nachgebaut sind und fast keine Schrauben aufweisen. Orgelgehäuse bestehen überwiegend aus Holz, und Holz dehnt sich bei Feuchtigkeit aus und zieht sich bei Trockenheit zusammen. Schrauben würden diese Bewegungen «blockieren» und Spannungen würden entstehen. «Das kann zu Rissen, Verzug oder Klangveränderungen führen. Holzverbindungen sind flexibler und «arbeiten mit», so Gietl auf Anfrage von kath.ch.
Aber wie kann eine Orgel eigentlich schimmeln? «Die Sankt Verena-Kapelle am Fuss des Zugerbergs verfügt über keine Heizung, und die Edskes-Orgel war ursprünglich gar nicht für diese Kapelle vorgesehen», berichtet der Kirchenmusikexperte.
Hohe Temperaturunterschiede
Aufgrund dieser ungünstigen klimatischen Bedingungen und der hohen Temperaturunterschiede zwischen Winter- und Sommermonaten weist das Instrument einen hohen Schimmelbefall auf. Eine gründliche Reinigung und Revidierung sind deshalb unausweichlich, wie die Katholische Kirchgemeinde Zug schreibt.
«Man sieht den Befall anhand von schwarzen Flecken am Holz, insbesondere an den Holzpfeifen in der zweiten Reihe sowie unterhalb der Tastatur», schildert Gietl den Befall. Es sei prinzipiell gar nicht so selten, dass Orgeln von Schimmel befallen seien. Oft würde man es ihnen von aussen aber gar nicht ansehen, da sie im Innern befallen seien. «Klanglich zeitigt der Schimmel keine Auswirkungen auf die Orgel.» Die Reparatur der Orgel beläuft sich auf einen niedrigen fünfstelligen Betrag.
Die St. Verena Kapelle am Zugerberg wurde im 16. Jahrhundert als ein Verena-Heiligtum errichtet. Die Baurbeiten dauerten von 1705 bis 1710. Die heutige Kapelle besitzt ein ungewöhnliches Kreuzgiebel über der Kuppel und wurde am alten Pilgerweg nach Einsiedeln erbaut. Sie gilt als Werk des Benediktinerbruders Caspar Moosbrugger. 1709 erhielt die St. Verena Kapelle in Zug eine Relique vom Verenamünster in Zurzach, wo sich das Grab der Heiligen Verena befindet. Das erhöhte ihre Bedeutung für die Gläubigen.
Bald in der Kapuzinerkirche zu hören
Um die Orgel nach Abschluss der Arbeiten wieder öfters hören zu können, als dies im Moment in der St. Verena-Kapelle möglich ist, wurde sie temporär in die Kapuzinerkirche umquartiert. Dort sind die klimatischen Bedingungen besser. Ende April wird die Orgel zur Zwischennutzung der Gemeinschaft der Seligpreisungen übergeben. So könne das Instrument wieder jeden Sonntag in der Kapuzinerkirche erklingen. «Die Kapuzinerkirche soll aber, wie gesagt, nur eine Zwischennutzung sein», erklärt Gietl.
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