Allianz «Es reicht!» lanciert am 11. November 2016  in Chur die Petition «Gemeinsam für einen Neuanfang im  Bistum Chur. | © zVg
Schweiz
Allianz «Es reicht!» lanciert am 11. November 2016 in Chur die Petition «Gemeinsam für einen Neuanfang im Bistum Chur. | © zVg

Ohrfeige und Weckruf für die Schweizer Bischöfe

Zürich, 13.2.17 (kath.ch) Schlechte Noten für die katholische Kirche Schweiz gab’s vergangene Woche von Thomas E. Gullickson. Dass der Papstbotschafter die hiesigen kirchlichen Verhältnisse derart negativ sieht, sollte die Schweizer Bischöfe aufrütteln – gerade auch mit Blick auf das Bistum Chur. Dies findet kath.ch-Redaktorin Barbara Ludwig in ihrem Kommentar.

Wenn man den Aussagen der Allianz «Es reicht!» Glauben schenken darf, hat Thomas E. Gullickson ein vernichtendes Urteil über die Kirche Schweiz gefällt. Den Kriterien des Nuntius hält offenbar nur gerade der aktuelle Churer Bischof Vitus Huonder stand. Das ist nichts weniger als eine Ohrfeige für die übrigen Mitglieder der Bischofskonferenz.

Ob das bei ihnen auch so rüberkommt? Haben sie bereits zum Telefonhörer gegriffen, um mit dem päpstlichen Botschafter ein klärendes Gespräch zu führen? Oder lassen sie sich von der Schelte des US-Amerikaners einschüchtern – und verlieren den Mut, das zu tun, was heute viele Katholiken und vor allem kirchliche Mitarbeiter von ihnen wünschen oder erwarten? Nämlich, dass sie Gullickson und anderen massgeblichen Instanzen in Rom klar machen, wie dringlich eine Befriedung des Bistums nötig ist und welcher Persönlichkeit sie diese Aufgabe zutrauen.

Haben sie und andere einflussreiche Kenner der Schweizer Kirche in all den Jahren genug in diese Richtung getan? Wir wissen es nicht. Das Treffen der Reformkatholiken mit dem Nuntius lässt eher auf das Gegenteil schliessen – und ist deshalb ein Weckruf. Jetzt gilt es ernst.

Und doch wünschte man sich manchmal etwas Gelassenheit. Das Bistum Chur steckt seit einer Ewigkeit in einer Krise. Unmöglich, dass die Nachricht darüber noch nicht nach Rom und zum Papst gelangt ist. Die Verantwortung für den künftigen Frieden oder Unfrieden liegt deshalb zu einem nicht geringen Teil bei ihm, der den neuen Bischof von Chur ernennen wird. Da dürften sich doch auch die Reformkatholiken für einen Moment zurücklehnen. Und auf ein Wunder hoffen. Oder nicht? (bal)

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