Unterschriftensammlung Allianz «Es reicht» | @ zVG
Schweiz
Unterschriftensammlung Allianz «Es reicht» | @ zVG

Allianz ist schockiert nach Besuch bei Nuntius Gullickson

Luzern, 8.2.17 (kath.ch) Die Allianz «Es reicht» kehrt schockiert von ihrem Besuch bei Nuntius Thomas E. Gullickson zurück. Eine Veränderung der Ausrichtung im Bistum Chur ist vom Nuntius nicht zu erwarten, sagt Andreas Heggli im Interview mit kath.ch. Dieser habe ein einseitig negatives Bild von der katholischen Kirche Schweiz.

Sylvia Stam

Sie haben Anfang Woche die Petition mit der Bitte um einen Administrator für das Bistum Chur dem Nuntius übergeben. Wie hat er reagiert?

Heggli: Er hat gesagt, dass er den Brief in geeigneter Form dem Papst übergeben wird. Einen zeitlichen Rahmen hat er nicht genannt. Seine Haltung ist allerdings klar: Unsere Forderung nach einem Administrator findet er nicht dienlich. Er hält das für kein sinnvolles Vorgehen. Er glaubt, mit einer formal korrekt durchgeführten Bischofswahl die Situation im Bistum Chur beruhigen zu können.

Sind Sie also enttäuscht?

Heggli: Wir sind regelrecht aufgeschreckt! Im Verlauf des zweistündigen Gesprächs haben wir gemerkt, dass wir von ihm kaum erhoffen können, dass es eine Veränderung in der Ausrichtung des Bistums Chur gibt.

Woraus schliessen Sie das?

Heggli: Wir haben von Gullickson gehört, dass er im Sinn hat, wie es das Wahlprozedere im Bistum Chur vorsieht, eine anständige Dreierliste zusammenzustellen. Die letzte Auswahl dazu liegt bei ihm.  Nach allem, was wir in diesem Gespräch von ihm gehört haben, ist für uns klar, nach welchen Kriterien er diese Liste aufstellen wird. Er hat nämlich gesagt, dass Bischof Vitus Huonder der glaubens- und kirchentreuste Bischof der Schweiz sei. Daraus schliessen wir, dass er die jetzige Linie des Bistums Chur beibehalten wird.

Wie sieht Gullickson die Schweizer Kirche insgesamt?

Heggli: Nuntius Gullickson hat unserer Meinung nach eine sehr pessimistische, einseitige Sicht auf die Kirche Schweiz. Er hat sie als eine «dysfunktionale Familie» bezeichnet. Niemand kümmere sich um Verständigung und ein Grossteil der Gläubigen würde den rechten Glauben geringschätzen. Auch das duale System der Kirche Schweiz macht ihm keine Freude.

Was schliessen Sie aus dem Besuch beim Nuntius?

Heggli: Die Stimme des Nuntius darf aus unserer Sicht nicht die einzige bleiben, die beim Papst und in den an der Bischofswahl beteiligten Gremien gehört wird. Jetzt muss ein Ruck geschehen! Es ist notwendig, dass möglichst viele qualifizierte Stimmen sich zu Wort melden. Darum appellieren wir an alle wichtigen Gremien der katholischen Kirche Schweiz, an Landeskirchen, Synodalräte, die Bischofskonferenz und die einzelnen Bischöfe, sich für einen Administrator als Übergangslösung im Bistum Chur einzusetzen. Man muss jetzt aktiv werden, und nicht erst hinterher!

Was kann ein einzelner Bischof, sagen wir Markus Büchel oder Felix Gmür, denn konkret tun?

Heggli: Ein einzelner Bischof kann zum Beispiel in Rom vorstellig werden und dem Papst sagen: «Ich mache mir Sorgen um die Situation im Bistum Chur. Das hat auch Auswirkungen auf mein Bistum.»

Und die Bischofskonferenz?

Heggli: Die Bischofskonferenz ist gemäss Kirchenrecht verpflichtet, für das Bischofsamt geeignete Leute nach Rom zu melden. Nicht nur der Nuntius, auch die Bischofskonferenz hat ihre Verantwortung wahrzunehmen.

Was wird die Allianz selber weiter unternehmen?

Heggli: Die Petition ist mit der Übergabe und der heute versendeten Medienmitteilung abgeschlossen. Jetzt schauen wir, welche Wirkung unser Aufruf hat und entscheiden dann, was uns kapazitätsmässig möglich ist. Was wir sicherlich nicht tun: Wir puschen keine Personen. Wir haben nie über Namen diskutiert, auch intern nicht, sondern immer nur über Qualitäten, die ein Administrator haben muss: Egal, ob er etwas mehr oder weniger konservative Ansichten vertritt, es muss jemand sein, der Kontakte herstellen, Brücken bauen und wieder Vertrauen schaffen kann.

Die Allianz «Es reicht» ist ein Zusammenschluss von katholischen Verbänden, die sich für Reformen in der katholischen Kirche einsetzen. Zur Allianz gehören unter anderen der Schweizerische Katholische Frauenbund, die Herbert-Haag-Stiftung, die Katholische Arbeitnehmerinnen-und Arbeitnehmer-Bewegung, die Pfarrei-Initiative, der Verein Tagsatzung.ch sowie der Verein der vom Zölibat betroffenen Frauen. Die Allianz trat als solche erstmals im März 2014 an die Öffentlichkeit, als sie mit einer Demonstration in St. Gallen den damaligen Präsidenten der Schweizer Bischofskonferenz, Markus Büchel, aufforderte, sich für einen Administrator im Bistum Chur einzusetzen.


Allianz «Es reicht»: Nuntius lehnt Administrator für Bistum Chur ab

Bischof Vitus Huonder | © Georges Scherrer
Bischof Vitus Huonder | © Georges Scherrer
Unterschriftensammlung Allianz "Es reicht" | @ zVG
Unterschriftensammlung Allianz "Es reicht" | @ zVG
Kathedrale Chur mit Haupteingang | © 2015 Georges Scherrer
Kathedrale Chur mit Haupteingang | © 2015 Georges Scherrer
 Jacqueline Keune von der katholischen Allianz "Es reicht" an der Demonstration 2014 | ©  Sylvia Stam
Jacqueline Keune von der katholischen Allianz "Es reicht" an der Demonstration 2014 | © Sylvia Stam
Thomas E. Gullickson, Nuntius für die Schweiz und Lichtenstein | © 2015 zVg
Thomas E. Gullickson, Nuntius für die Schweiz und Lichtenstein | © 2015 zVg

Unterstützung aus Unterwalden

Unterstützung erhielt das Anliegen der Allianz «Es reicht» bereits aus den Halbkantonen Ob- und Nidwalden. Auf einem Podium anlässlich der Dekanatsversammlung der beiden Halbkantone diskutierten Martin Kopp, Generalvikar für die Urschweiz, Christian Meyer, Abt des Klosters Engelberg, sowie Vertreter der Landeskirchen die Bischofswahl im Bistum Chur. «So wie jetzt kann es ohne Folgen fürs religiöse Miteinander nicht weitergehen», sagte Meyer gemäss «Obwaldner Zeitung» (3. Februar). Es brauche gegenüber Rom «eine klare Stellungnahme von höchster Ebene in unserem Land». Im Raum stand die Frage, ob Politiker in die Verantwortung gerufen werden könnten, analog zu den Interventionen der früheren Bundesräte Flavio Cotti und Pascal Couchepin.

«Ich sehe keine andere Möglichkeit, als einen von Papst Franziskus eingesetzten Administrator, allerdings erst dann, wenn er und seine Mitarbeiter die Situation in Chur, ohne Einflussnahme der aktuellen Bistumsleitung, genau überprüfen können», sagte Kopp auf dem Podium.

Aus dem Publikum kam der Vorschlag, dass alle Dekanate und Landeskirchen einen Brief an den Vatikan schreiben sollen. «Wenn Papst Franziskus wirklich informiert wird über die Situation und sich ein Bild macht, wird er wohl handeln», begrüsste Kopp diesen Vorschlag. (sys)

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