Sie kennen sich bereits aus Näfels: Nuntius Martin Krebs (Mitte) und Thomas Franck von der St. Galler Kantonalkirche (Archivbild vom März 2022).
Schweiz

Nuntius in St. Gallen: Auch die Nachfolge von Bischof Markus Büchel war Thema

Hoher Besuch in St. Gallen: Papst-Botschafter Martin Krebs hat Vertreterinnen und Vertreter von Bistum und Körperschaft besucht. «Selbstverständlich war die bevorstehende Bischofswahl ein Thema», heisst es aus St. Gallen. Hier gibt es ein weltweit einzigartiges Bischofswahlrecht. Bischof Markus Büchel wird nächstes Jahr 75.

Raphael Rauch

Der Synodale Weg in Deutschland träumt von einer breiten Beteiligung bei Bischofsernennungen. Papst Franziskus verspricht in der neuen Kurienverfassung »Praedicate Evangelium», bei Bischofsernennungen «in geeigneter Form auch die Mitglieder des Gottesvolkes der betreffenden Diözesen» einzubeziehen. So schön, so unkonkret.

Weltweit einzigartiges Bischofswahlrecht

In St. Gallen ist das alles längst gelebte Selbstverständlichkeit. Laut Konkordat und päpstlicher Bulle kann nur ein Priester des Bistums St. Gallen Bischof werden, den das Domkapitel gewählt hat.

Bischof Markus Büchel
Bischof Markus Büchel

Und da das Bistum St. Gallen auf pastorale Nähe setzt, drücken die Domherren nicht einfach ihren Favoriten durch, sondern hören sich um, wer als besonders gut geeignet gilt. So war es zumindest bei der Nachfolge von Bischof Ivo Fürer 2005.

Breiter Konsultationsprozess

Damals gab es einen breiten Konsultationsprozess. «Am Freitag, 21. Oktober 2005, erhielten Seelsorgerinnen und Seelsorger, diözesane und pfarreiliche Räte, Klöster, Administrationsrat und diverse weitere Gremien Post vom Domkapitel des Bistums St. Gallen. Einzelpersonen konnten ebenfalls Fragebogen anfordern», ist dem kath.ch-Archiv zu entnehmen. «Am 19. Dezember war die Konsultation zur Bischofswahl abgeschlossen. 630 eingegangene Fragebogen wurden von einer Arbeitsgruppe gesichtet und dem Domkapitel überreicht.»

Von links Domdekan Guido Scherrer, die Landkanoniker Josef Benz, Michael Pfiffner und Erich Guntli sowie Bischof Markus Büchel, 2018.
Von links Domdekan Guido Scherrer, die Landkanoniker Josef Benz, Michael Pfiffner und Erich Guntli sowie Bischof Markus Büchel, 2018.

Am Ende wurde Markus Büchel Bischof. Der wird nächstes Jahr 75. Wer ihn beerbt, ist unklar. Als Favorit gilt Domdekan und Generalvikar Guido Scherrer.

«Selbstverständlich war die bevorstehende Bischofswahl ein Thema»

Details zur bevorstehenden Bischofswahl sind aus St. Gallen nicht zu erfahren. Doch sie kam beim Besuch von Nuntius Martin Krebs am Montag in St. Gallen zur Sprache. «Selbstverständlich war die bevorstehende Bischofswahl ein Thema, welche gestützt auf das Konkordat beziehungsweise die päpstliche Bulle ablaufen wird», sagt Roger Fuchs zu kath.ch. Er ist der Sprecher der St. Galler Kantonalkirche, die offiziell «Katholischer Konfessionsteil des Kantons St. Gallen» heisst.

V.li: P. Gerschwiler, G. Scherrer, T. Englberger, F. Kreissl, Nuntius M. Krebs, M. Büchel, I. Krucker, B. Grögli, S. Rüthemann, F. Sontheimer.
V.li: P. Gerschwiler, G. Scherrer, T. Englberger, F. Kreissl, Nuntius M. Krebs, M. Büchel, I. Krucker, B. Grögli, S. Rüthemann, F. Sontheimer.

Laut Roger Fuchs hat der Nuntius die Eigenheiten der St. Galler Bischofswahl bestätigt. «Die vertraulichen Gespräche sind ansonsten nicht weiter für die Öffentlichkeit bestimmt», sagt Roger Fuchs zu kath.ch.

«Nuntius sehr beeindruckt»

Laut einer gemeinsamen Medienmitteilung des Bistums und des Konfessionsteils interessiert sich der Nuntius «sehr für die Situation der Kirche im Bistum St. Gallen». Das duale System zwischen kirchlichen und staatskirchenrechtlichen Institutionen funktioniere in St. Gallen bestens. 

T. Franck und R. Kühne zeigen dem Nuntius die Gründungsbulle des Bistums.
T. Franck und R. Kühne zeigen dem Nuntius die Gründungsbulle des Bistums.

Weiter heisst es in der Medienmitteilung: «Der Nuntius zeigte sich im Rahmen des Gesprächs sehr beeindruckt, dass im Administrationsrat auch die Seelsorge mit einem gleichwertigen Mitglied vertreten ist. Diese Integration in die Exekutive der staatskirchenrechtlichen Seite mache die Kooperation sicher einfacher, so der Nuntius.»

Besuch in der Stiftsbibliothek

Ob der Nuntius mit Bischof Markus Büchel auch über die Situation im benachbarten Erzbistum Vaduz gesprochen hat? Vielleicht, auch wenn das niemals öffentlich würde: «Wie es sich für einen Diplomaten gehört, erzählte der Nuntius keine Details seiner aktuellen Aufgaben», hält die Medienmitteilung fest. Auch das Gespräch mit Bischof Markus Büchel habe «in vertraulichem Rahmen» stattgefunden.

Stiftsbibliothekar Cornel Dora erläutert dem Nuntius das Weltkulturerbe.
Stiftsbibliothekar Cornel Dora erläutert dem Nuntius das Weltkulturerbe.

Und was hat der Nuntius sonst noch so in St. Gallen gemacht? «Der Administrationsrat zeigte dem Nuntius die Gründungsbulle des Bistums. Diese wird bis heute vom Katholischen Konfessionsteil aufbewahrt», ist der Medienmitteilung zu entnehmen. Auch stand ein Besuch bei der St. Galler Regierung und in der Stiftsbibliothek auf dem Programm.


Sie kennen sich bereits aus Näfels: Nuntius Martin Krebs (Mitte) und Thomas Franck von der St. Galler Kantonalkirche (Archivbild vom März 2022). | © Christian Merz
21. März 2023 | 14:29
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