Die frisch restaurierte Heiliggrab-Kulisse in der Rischer Kirche St. Verena
Schweiz

Nun ist das Heiliggrab in Risch frisch restauriert

Seit vielen Jahren schlummerte ein Kulissengrab auf dem Estrich des Pfarrhauses in Risch ZG. 1978 war es in der Erinnerung von einigen Rischerinnen und Rischern zum letzten Mal aufgestellt worden. Nun wurde es in aufwändiger Arbeit restauriert und ist in der Karwoche in seiner vollen Grösse aufgestellt.

Wolfgang Holz

Fast fünf Meter breit und acht Meter hoch ist das Kulissengrab aus der Barockzeit. Es besteht aus zusammensteckbaren Kulissenelementen und ist auf der Vorderseite mit Leimfarbe bemalt. Lange war das Grab in Risch nicht öffentlich.

250-Jahr-Jubiläum des Grabs

Wie die Katholische Kirchengemeinde Risch und der Pastoralraum Zug Südwest nun mitteilen, wurde es in Stans aufwändig restauriert und wird anlässlich des 250-Jahre-Jubiläums des Grabs in der Kirche St. Verena der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Solche Kulissenheiliggräber waren in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts verbreitet, jedoch sind bis heute nur wenige vollständig erhalten geblieben. 2025 jährt sich die Fertigstellung des Heiligengrabs zum 250. Mal.

Lauschig direkt neben der St. Verena-Kirche gelegen: Das Rischer Pfarrhaus.
Lauschig direkt neben der St. Verena-Kirche gelegen: Das Rischer Pfarrhaus.

«Derartige Kulissengräber waren im Mittelalter sehr beliebt, sind heute aber nur noch an wenigen Orten erhalten», erklärt Michèle Adam, Rischer Pastoralraumleiterin, gegenüber kath.ch. «Sie dienten dazu, in der Karwoche die biblischen Ereignisse zu verdeutlichen, um sie somit noch besser verinnerlichen zu können.»

Volkstümliche Liturgieformen

Durch die Erneuerung der gesamten Osterfeier im Rahmen des Zweiten Vatikanischen Konzils und die liturgische Bewegung im Vorfeld des Konzils seien diese volkstümlichen Formen durch zeitgemässe Liturgieformen ersetzt worden.

Pastoralraumleiterin Michèle Adam mit Hündin Kayra
Pastoralraumleiterin Michèle Adam mit Hündin Kayra

«So sind die restaurierten Gräber Zeitzeugen. Auch wenn die farbenfroh bemalten Kulissen in vergangenen Zeiten eine ‹Bibel für die Armen› waren, die nicht Lesen und Schreiben konnten, so können sie als Verbindung zu früheren Generationen auf uns wirken, und uns Aufschlüsse über das Glaubensverständnis der Vorfahren geben», sagt Michèle Adam.

In kleineren Kirchen, wie der Kirche St. Verena in Risch, sei das Heilige Grab meist vor dem Hochaltar aufgeschlagen worden und habe diesen für das Volk während der Feier der Karwoche überdeckt.

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«Heilige Gräber sollen nicht das Ostergeschehen ersetzen, sondern näher ans Ostergeheimnis führen», erklärt Adam. Somit könne das Heilig Grab in Risch in den Kartagen als Unterstützung angesehen werden, «uns mit dem österlichen Geheimnis auseinanderzusetzen, unseren Glauben zu vertiefen und uns mit den Generationen vor uns zu verbinden.»

Theologische Umdeutung: Erhebung des Sakramentes

«Die nachgebildete Auferstehung aus dem Grab geschah zuerst auf einfache Weise vor der Osternachtfeier», sagt Michèle Adam. «Ursprünglich begann diese mit einer Vigil (Ostermatutin), die von Trauer über den Tod Jesu und Fasten geprägt war, als heilige Nachtwache, die aber auch von den Gläubigen in Erwartung der Wiederkehr Christi gefeiert wurde.»

Später verband sich diese «Auferstehungsszene» laut Adam mit Elementen von Osterspielen, die nach der Matutin in Form eines Dialogs zwischen den Frauen und den Engeln am Grab entstand, um dann in einer dramatischen Auferstehungsfeier, bis hin zum Emporziehen einer Figur des Auferstandenen, mit einer ausgeklügelten Mechanik mittels Seilwinden, gipfelte. An verschiedenen Orten wurden auch in einer Öffnung der Grablegungsfigur die restlichen Hostien der letzten Eucharistiefeier aufbewahrt, welche dann am Ostersonntag in einer feierlichen Prozession wieder hervorgeholt wurden.

«So entwickelte sich die theologische Umdeutung, die Auferstehung durch Erhebung des Sakramentes statt des Kreuzes darzustellen. Dem zugrunde liegt die symbolische Deutung des Kreuzes als Zeichen der Erniedrigung und des Todes und nicht mehr des Triumphes über den Tod», so Michèle Adam. (woz)

*Die Pfarrei Risch und der Kirchenrat laden zur Besichtigung und zum Festakt ein: Dienstag, 15. April von 19 – 19.45 Uhr, Kunsthistorische Einordnung und Restaurierung; Mittwoch, 16. April von 19-20.30 Uhr: Festakt mit anschliessendem Apéro; Donnerstag, 17. April, 19.30-20.15 Uhr: Texte und Musik zum Hohen Donnerstag; Freitag, 18. April, 15-16 Uhr: Karfreitagsliturgie mit dem Kirchenchor; Freie Besichtigung, Dienstag, 15. April bis Karfreitag, 18. April, 10 – 12 und 13.30 – 17 Uhr.


Die frisch restaurierte Heiliggrab-Kulisse in der Rischer Kirche St. Verena | © zVg
11. April 2025 | 17:15
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