Schweiz

Neues Hungertuch zeigt die Idee einer besseren Welt

Das neue Hungertuch des katholischen Entwicklungshilfswerks Misereor ist fertig. Das Werk wird auch im kommenden Jahr auch von den Schweizer Hilfswerken Fastenopfer und Brot für alle verwendet.

Die aus Chile stammende Künstlerin Lilian Moreno Sanchez (52) hat ihr Werk «Du stellst meine Füsse auf weiten Raum – Die Kraft des Wandels» am Montag in Augsburg vorgestellt. Das sogenannte Hungertuch für die Fastenzeit in den Jahren 2021/22 ist ein formal wie farblich reduziertes Bild, das als Triptychon auf drei bettwäschebespannten Keilrahmen angelegt ist.

Gebrochene und verdrehte Knochen

Als Basis dienen Röntgenbilder. Diese zeigen die teils gebrochenen und verdrehten Knochen und Gelenke eines Fusses, einer Ferse und eines Unterschenkels von Menschen, die im Oktober 2019 in Santiago de Chile bei Demonstrationen gegen soziale Ungleichheiten verletzt wurden. Die Staub- und Erdflecken auf der Bettwäsche stammen ebenso vom Ort der Proteste. Die Künstlerin will damit nach eigenen Worten auf den Lauf durchs Leben und die Verletzlichkeit von Menschen und Systemen verweisen, die derzeit wanken – Stichwort Corona.

Im Lichte der pandemiebedingten Lockdown-Erfahrungen lässt sich demnach auch der erste Teil des Hungertuch-Titels, der auf einem Bibelpsalm beruht, verstehen: Jeder Mensch, der sich eingeengt fühle, wisse um die Befreiung, wenn man wieder in die Weite komme.

Von der Idee des Wandels

Überdies soll das Bild den Blick hin zu einer neuen Perspektive, der Idee des möglichen Wandels, eröffnen, wie Moreno Sanchez erklärte. Die Pandemie habe sichtbar gemacht, was möglich sei, wenn Menschen angesichts einer gemeinsamen Bedrohung Verantwortung füreinander übernähmen: «Aufmerksamkeit und Unterstützung für die Schwächsten, Bereitschaft zu Verzicht und Einschränkung im Interesse des Gemeinwohls.» Es sei deutlich geworden: «Eine andere Welt ist möglich. Diese Hoffnung will ich verbreiten», so die Künstlerin. (kna/ms)

Lilian Moreno Sanchez vor dem von ihr gestalteten Hungertuch für das Hilfswerk Misereor. | © KNA
9. Juni 2020 | 06:10
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Solidarität und Gerechtigkeit

Misereor lässt seit 1976 alle zwei Jahre ein Hungertuch von Künstlern aus den Südkontinenten zu Themen der globalen Solidarität und Gerechtigkeit gestalten. Das Hungertuch wird auf Stoff vervielfältigt und von vielen Pfarreien, kirchlichen Gemeinden, Schulen und anderen Gruppen während der Fastenzeit genutzt.

Mit Hungertüchern werden traditionell in der Fastenzeit in katholischen Kirchen der Altarraum oder zumindest dortige Kreuze, Bilder und Statuen verhängt. Die Stoffe – auch Fastentücher genannt – sollen während der 40-tägigen Busszeit vor Ostern zum «Fasten der Augen» anregen. Den Brauch gibt es seit rund 1000 Jahren. (kna)